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Welt-Hepatitis-Tag - Warum Hepatitis unterschätzt wird

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Vom Leberschaden bis hin zum Krebs: Hepatitis ist keineswegs auf dem Rückzug, die Zahl der Neuinfektionen steigt sogar. Auch weil es einen besseren Schutz vor HIV gibt.

Hepatitis-B-Viren
Hepatitis B gehört zu den häufigsten Virusinfektionen weltweit.
Quelle: dpa/somersault18:24

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: HIV/Aids ist keine Todesdiagnose mehr. Zwar kann man die chronische Krankheit noch nicht heilen, aber mit Medikamenten in den Griff bekommen. Wer die entsprechenden Pillen schluckt, kann den HI-Virus sogar unter die Nachweisgrenze senken. Was gut klingt, hat aber auch eine Kehrseite. Insbesondere was Hepatitis betrifft. Die zurückgehende Angst vor sexuell übertragbaren Krankheiten führt zu mehr Risiko beim Sex.

Infektionsrisiko steigt bei Sex ohne Kondom

Immer mehr Menschen haben Sex ohne Kondom. Vor allem Schwule verzichten zunehmend auf Kondome. Laut einer australischen Studie explodierte von 2013 bis 2017 der Anteil von Männern, die ungeschützten Analsex hatten, von einem auf 16 Prozent. Christoph Berg, Medizin-Professor für Hepatologie an der Uniklinik Tübingen, spricht von einem ähnlichen Trend in Europa. Dadurch erhöhe sich das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken.

Unerkannt oder unbehandelt können Virusinfektionen zu einem massiven Leberschaden und der Entstehung von Leberkrebs führen.
Christoph Berg, Medizin-Professor

Ein Grund für diesen Trend ist auch, dass Schwule, die eine Risikogruppe sind, zum Teil "Prep" einnehmen. Das ist ein Medikament, das wie die Pille jeden Tag genommen werden muss und vor einer HIV-Ansteckung schützt. Menschen können so Sex ohne Kondom haben. Das führt aber dazu, dass sie nicht mehr vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten geschützt sind.

Christoph Berg sieht einen Zusammenhang zwischen der "Prep"-Einnahme und dem Anstieg der sexuell übertragbaren Krankheiten wie etwa Hepatitis B. Er warnt: "Unerkannt oder unbehandelt können Virusinfektionen zu einem massiven Leberschaden und der Entstehung von Leberkrebs führen." Im Extremfall könne das zum Tod oder zu einer Lebertransplantation führen.

"Ohne wesentliche oder spezifische Beschwerden"

Laut Berg gingen trotz der Gefahr Hepatitis-Infektionserkrankungen oftmals "ohne wesentliche oder spezifische Beschwerden" einher. Trotzdem rät er zu einer Untersuchung im Falle einer Risikosituation. Die bestehe bei ungeschütztem Sex. Besonders Gedanken machen sollten sich

  • Personen mit erhöhten Leberwerten,
  • Empfänger von Blutspenden und Transplantationen vor 1992,
  • Drogenabhängige,
  • Häftlinge,
  • Träger von Tätowierungen oder Piercings,
  • HIV-Infizierte sowie deren Partner und Kinder.
Gegen Hepatitis B kann man sich durch eine gut etablierte und sichere Impfung schützen.
Christoph Berg, Medizin-Professor

Der Tübinger Medizin-Professor rät zu Impfungen. "Gegen Hepatitis B kann man sich durch eine gut etablierte und sichere Impfung schützen." Bei Kindern solle diese bereits vor dem Eintritt in die Schule erfolgen. "Grundsätzlich kann die Impfung aber in jedem Lebensalter erfolgen. Sollte es zu einer Infektion mit Hepatitis B gekommen sein, so kann die Erkrankung durch eine medikamentöse Therapie gut kontrolliert werden", sagt Berg.

Keine Impfung gegen Hepatitis C

Schwieriger ist es hingegen mit Hepatitis C. "Es gibt keine Impfung, die vor einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus schützt", teilt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit. "Daher ist hier der Kontakt zu potenziell mit Hepatitis C behafteten Gegenständen zu vermeiden." Gemeint sind damit bei Drogenkonsum fremde Spritzen oder das Teilen von Utensilien wie etwa Schnupf-Röhrchen.

Eine Krankheit, die gefährliche Spätfolgen haben kann. Bis hin zum Tod.

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5 min
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"Beim Tätowieren oder Piercen besteht bei unsterilen und unhygienischen Bedingungen die Gefahr einer Hepatitis-Übertragung. Im häuslichen Umfeld von Personen mit einer Hepatitis-B- oder -C-Virusinfektion kann eine Übertragung über gemeinsam benutzte Utensilien, zum Beispiel Rasierer, erfolgen, wenn sie mit Blut verunreinigt sind", so die BZgA.

Einfacher Nachweis über Bluttest

Hepatitis nachzuweisen, ist relativ einfach. "Wenn ein Verdacht besteht, wird beispielsweise in der hausärztlichen Praxis Blut abgenommen und in ein medizinisches Labor geschickt", sagt die BZgA. "Mitunter kann eine zweite Blutabnahme notwendig sein, um festzustellen, ob die Hepatitis-Virusinfektion chronisch oder ausgeheilt ist." Lokale Aidshilfen und teilweise auch die Gesundheitsämter böten anonyme Testmöglichkeiten an.

Bei chronischen Infektionen könne die Vermehrung des Hepatitis-B-Virus und die damit verbundene Leberentzündung "durch gut verträgliche Medikamente wirksam unterdrückt werden, so dass sich gefährliche Folgeschäden meistens verhindern lassen", betont die BZgA. "Jedoch kann das Virus dadurch nicht aus der Leber entfernt werden, so dass nach dem derzeitigen Stand des Wissens die Behandlung über mehrere Jahre und eventuell sogar lebenslang durchgeführt werden muss."

Keine Hepatitis-C-Immunität

Anders sieht es bei Hepatitis C aus: "Chronische Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus können mittlerweile mit neuen, sehr gut verträglichen Medikamenten in den meisten Fällen völlig geheilt werden, wobei die gesamte Therapiedauer nur noch acht bis zwölf Wochen beträgt. Eine Therapie kann auch eine bereits beeinträchtigte Leberfunktion wieder verbessern", teilt die BZgA mit. Allerdings gebe es auch nach einer ausgeheilten Hepatitis-C-Virusinfektion keine Immunität.

Infektionen mit dem Hepatitis-A-Virus werden nicht chronisch und heilen in der Regel ohne größere Komplikationen aus.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Was ist eigentlich mit Hepatitis A, D und E - warum stehen die nicht im Zentrum der Präventionskampagnen? "Infektionen mit dem Hepatitis-A-Virus werden nicht chronisch und heilen in der Regel ohne größere Komplikationen aus", heißt es von Seiten der BZgA. "Infektionen mit dem Hepatitis-E-Virus verlaufen bei Menschen mit intaktem Immunsystem ganz vorwiegend symptomlos."

Selten chronischer Verlauf

Hepatitis-E-Infektionen würden nur in circa einem Prozent der Fälle chronisch, etwa "bei Personen mit geschwächtem Immunsystem wie Transplantat-Empfängern". Infektionsquelle sei "häufig Schweinefleisch, das nicht ausreichend über 80 Grad erhitzt wurde", so die Bundeszentrale. Hepatitis A und E könnten auch durch Trinkwasser übertragen werden, wenn es stark mit Fäkalien verunreinigt ist. Eine Infektion mit dem Hepatitis-D-Virus wiederum sei nur zusammen mit einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus möglich, teilt die BzGA mit. Ihr Fazit: Das Thema Infektionen, egal ob im Haushalt oder beim "Safer Sex", ernst nehmen.

Dem Autoren auf Twitter folgen: raphael_rauch

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