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Nach außen offen, innen rechts - Warum die Identitären so gefährlich sind

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Die Identitäre Bewegung wirkt auf den ersten Blick modern, doch der Schein trügt. Hinter dem jungen Erscheinungsbild verbirgt sich eine rechtsextreme Ideologie.

Ihre Aktivisten geben sich bürgerlich, hip und intellektuell. Doch wer steckt hinter den rechtsextremen Identitären, die der Verfassungsschutz bislang nur als "Verdachtsfall" eingestuft hatte?

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Die Identitäre Bewegung (IB) erscheint erstmal harmlos. Kein Wunder, denn sie gibt sich in ihrer - mehrheitlich digitalen - Öffentlichkeit jung, modern und offen. Ihre Ideologie ist es jedoch nicht. Dies wird auf sprachlicher und auf inhaltlicher Ebene deutlich.

Identitäre Bewegung verbreitet Idee des Ethnopluralismus

Neben ihrer Selbstdarstellung, die eine Mischung aus völkischem, Hippie- und Hipster-Stil verkörpert - blonde Zöpfe, Feste in freier Natur - verbreitet die IB gleichzeitig die Idee des Ethnopluralismus. Dieser bildet das Fundament des Weltbildes der sogenannten Neuen Rechten. Der Ethnopluralismus propagiert, dass unterschiedliche Völker sich nicht mischen sollten. In jedem Land solle es nur ein Volk mit einer Kultur und einer Geschichte geben. Daneben könnten zwar weitere Völker existieren, die aber jeweils getrennt voneinander in ihren eigenen Territorien bleiben sollten.

Das Zusammenleben verschiedener Ethnien und Migration durch die Globalisierung nennen die Identitären einen "Großen Austausch", den sie verhindern wollen. Diese extreme Ideologie propagierte auch der Attentäter von Christchurch, der im März 51 Menschen erschoss. Seine Hetzschrift trug den Titel "The Great Replacement" - der große Austausch. Ein gefährliches Weltbild, das sich deutlich von der herkömmlichen rechten Szene abgrenzen lässt.

Vorwiegend positives Wording wird umgedeutet

Zu den Strategien der IB für die optimale Verbreitung ihrer Ideen gehört neben dem Look auch ein passendes Wording. Michael Obstadt vom Institut für Germanistik an der TU Dresden untersucht, wie die Sprache, die die IB unter dem Dach des Ethnopluralismus verwendet, den öffentlichen Diskurs und die Wahrnehmung beeinflusst. In einem Vortrag erklärt der Kultur- und Sprachwissenschaftler, wie die Identitären vornehmlich positiv konnotierte Ausdrücke, wie "Natur", "Heimat" und "Selbstbestimmung" nutzen und für sich umdeuten. Die Rückbesinnung auf Tradition und der Kampf gegen die Globalisierung spielen hier eine wichtige Rolle.

Plakat der Identitären Bewegung: Lass deine Wurzeln nicht verdorren
Plakat der Identitären Bewegung: Lass deine Wurzeln nicht verdorren.
Quelle: forschungsjournal.de

Ein Widerspruch in sich selbst: Denn die IB ziehe die Moderne ins Negative, "bedient sich dabei aber ihrer ästhetischen Technik", so Dobstadt in dem Vortrag. So wirken die Imagefilme, die die Identitären produzieren, wie ein bloßes Produkt der globalisierten Welt, die sie eigentlich abschaffen wollen. Betrachtet man die Plakate und Symbole, die die IB benutzen, so werden Assoziationen an den Nationalsozialismus geweckt. Eine graue Brachlandschaft, auf der ein Wesen - halb Mensch, halb Baum - zu sehen ist, darauf der Text: "Lass deine Wurzeln nicht verdorren" - eine Bildsprache, die Angst schüren soll und an Darstellungen des Nationalsozialismus erinnert. "Nazistische Ideologeme", nennen Sozialwissenschaftler diese Anlehnung an die Propaganda der Nazis.

Logo unterstreicht Underdog-Position

Für ihr Logo bedient sich die IB beim griechischen Alphabet. Der Buchstabe Lambda, ein Winkel in Gelb auf schwarzem Grund in einem gelben Kreis. Das Lambda diente den unterlegenen Spartanern im Kampf gegen das riesige persische Heer als Kampfsymbol. Sinnbildlich könnte das für die eigene Underdog-Position im Kampf gegen das "politische Establishment", gegen die Globalisierung und gegen Flüchtlinge stehen. Diese Position kennt man aus rechten Kreisen, wo sich manche mit Sophie Scholl vergleichen und in einem ähnlichen Kampf gegen ein "übermächtiges System" wägen wie die junge Widerstandskämpferin.

Archiv: Das Logo der Identitären Bewegung am 09.05.2019 in München
Das Logo der Identitären Bewegung - Kampfsymbol der unterlegenen Spartaner.
Quelle: picture alliance/ZUMA Press

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