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Deutsche Bank - "Last aus der Vergangenheit ist immens"

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Razzien an mehreren Standorten der Deutschen Bank: Warum das Geldhaus immer wieder im Mittelpunkt von Ermittlungen steht, erklärt Bankenexperte Wolfgang Gerke.

Staatsanwälte und Steuerfahnder haben die Konzernzentrale der Deutschen Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche durchsucht. Mitarbeiter des größten deutschen Geldhauses sollen Kunden geholfen haben, Off-Shore-Gesellschaften in Steuerparadiesen zu gründen.

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Razzia bei der Deutschen Bank. Wieder einmal, muss man sagen. Die Bank kommt aus negativen Schlagzeilen nicht heraus. Dabei hat man seit langem einen Kulturwandel beschworen. Woran liegt es, dass bei Skandalen fast immer auch die Deutsche Bank mit von der Partie ist? Ein Gespräch mit dem Bankenexperten Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums (BFZ):

heute.de: Herr Gerke, sind Sie erstaunt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft mal wieder bei der Deutschen Bank angerückt sind?

Wolfgang Gerke: Man darf nicht erstaunt sein, dass die Deutsche Bank hier auch ins Gerede kommt. Sie ist eine internationale Bank, und damit pflegt sie automatisch internationale Geschäftsbeziehungen. Das ist natürlich keine Entschuldigung dafür, dass man etwa Meldepflichten in diesem Geschäft versäumt. Aber nicht alles, was die Bank in diesem Bereich abwickelt, ist illegitim. Was die Meldepflichten betrifft, befürchte ich, dass die Deutsche Bank da etwas nachlässig war.

heute.de: Bringt internationales Geschäft immer das Risiko mit sich, mit einem Bein in illegale Geschäfte verwickelt zu sein?

Gerke: Das Risiko ist immer gegeben. Aber dieses Risiko kann man natürlich managen. Und um das zu managen, braucht man gute Kontrollsysteme. Man muss mit der Aufsicht kooperativ zusammenarbeiten und darf nicht versuchen, Kunden, die einen schlechten Ruf haben, zu schützen. Das heißt also, dass die Software des eigenen Hauses kritische Transaktionen melden und aufdecken muss.

Und dann muss die Bank prüfen, ob Geldwäsche vorliegen könnte. Allein der Verdacht ist meldepflichtig. Da hat man wohl einiges versäumt. Wenn man sich andere Fälle anschaut - ich denke hier beispielsweise an Geschäfte, die möglicherweise mit der Danske Bank auch über die Deutsche Bank gelaufen sein könnten - ist es nicht verwunderlich, dass die großen Kreditinstitute hier alle beteiligt sind.

heute.de: Sie sprechen die Kontrollsysteme an. Müsste da nicht die Deutsche Bank mit ihrer Leidensgeschichte an Skandalen in der Vergangenheit sehr weit fortgeschritten sein?

Gerke: Ja, eigentlich. Eigentlich müssten wir endlich mal Ruhe haben bei der Deutschen Bank. Es ist erschreckend, wie viel Geld hier verbrannt wurde durch Fehlverhalten; auch durch Geschäfte mit Kunden, die unseriös waren – bis hin zu verbotenen Geschäften. Das zahlt sich für kein Kreditinstitut aus: Der Ruf leidet, es werden hohe Strafzahlungen fällig. Man kann nur für die Deutsche Bank hoffen, dass sie in diesem Fall nicht wieder auf hohe Belastungen durch Strafen zusteuert.

Razzia bei der Deutschen Bank in Frankfurt, aufgenommen am 29.11.2018

Verdacht auf Geldwäsche - Razzia bei der Deutschen Bank

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt durchsuchen die Deutsche Bank. Der Grund: Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche.

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heute.de: Apropos Ruf: Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat zu seinen Zeiten als Vorstand einmal gesagt, kein Geschäft sei es wert, den guten Ruf und die Glaubwürdigkeit der Bank aufs Spiel zu setzen. Von dem einst guten Ruf ist mittlerweile aber nicht mehr viel übrig.

Gerke: Ja, diesen Spruch muss man sich über den Schreibtisch hängen! Der ist natürlich völlig zutreffend: Das Risiko aus solchen Geschäften ist immens. Kurzfristig ist die Versuchung groß, weil es um dreistellige Millionenbeträge geht. Zumal man weiß, dass die Konkurrenz hier auch aktiv ist. Aber das ist kein Argument, sich unseriös zu verhalten. Es ist nämlich glücklicherweise so, dass sich langfristig nur gesetzeskonformes Verhalten auszahlt.

heute.de: Spielt bei dieser Versuchung nicht auch der Anreiz durch Boni eine Rolle, also ein mindestens problematisches Vergütungssystem?

Gerke: Ja, das ist das Problem. Wir haben im gesamten Investmentbereich international ein Bonussystem, für das der Normalbürger kein Verständnis hat. Viele Menschen arbeiten genauso hart wie Investmentbanker – und verdienen nur Bruchteile. Vor allen Dingen aber machen sie zum Großteil seriöse Geschäfte. Boni verleiten dazu, den Kontostand durch Geschäfte am Rande der Legitimation aufzubessern. Das ist ganz gefährlich. Man hat bei der Deutschen Bank jetzt ein bisschen besser hingeschaut, aber ganz im Griff hat man dieses Problem im internationalen Investmentbanking noch lange nicht.

heute.de: Spielen in diesem Zusammenhang auch zu hoch angesetzte Renditeziele eine Rolle, bei denen man, um sie zu erreichen, nicht allzu zimperlich sein darf?

Gerke: Das ist eine falsche Schlussfolgerung. Die Banken dürfen nicht sagen, zugunsten eines kurzfristigen Gewinns werfen wir die Moral über Bord. Glücklicherweise zahlt sich das nicht aus, zudem ist es auch eine Schweinerei. Nein: Bankgeschäft lebt vom guten Ruf, von der Seriosität. Da darf es kein "Wenn und Aber" geben. Natürlich muss eine Bank rentabel sein – und das ist die Deutsche Bank übrigens absolut nicht. Und neben all diesen Problemen hat sie auch noch eine andere offene Baustelle. Denn sie muss den Anlegern zeigen, mit welchen Geschäften sie in Zukunft Geld verdienen will. Das hat sie bis jetzt noch nicht geschafft.

heute.de: Man sprach in den vergangenen Jahren in der Deutschen Bank von der Notwendigkeit eines Kulturwandels nach den Skandalen und Betrügereien in der Vergangenheit. Sehen Sie diesen Kulturwandel?

Gerke: Ich sehe schon Ansätze für einen Kulturwandel in allen deutschen Kreditinstituten. Und hier muss man genau trennen: Was ist aktuell die Kultur, die gelebt wird, und was ist die Last aus der Vergangenheit? Da ist gerade bei der Deutschen Bank die Last aus der Vergangenheit immens. Aber nicht alles, was da auftaucht, würde unter den aktuellen Bedingungen wieder auftauchen können. Andererseits muss man auch sagen: Die Mitarbeit mit den Behörden bei der Aufarbeitung von dunklen Stellen in der Vergangenheit, die hätte auch besser ausfallen können.

heute.de: Der Verdacht im Zusammenhang mit dieser Razzia erstreckt sich offenbar auf das Jahr 2016. Das ist lange, nachdem der Kulturwandel ausgerufen wurde.

Gerke: Das ist richtig, aber man muss vorsichtig sein. Denn es kann sein, dass die Untersuchungen aus 2016 noch aus der Vergangenheit resultieren. Da muss man abwarten, was die Staatsanwaltschaft jetzt herausfinden kann. Ein externer Beobachter kann nur kopfschüttelnd zuschauen, was hier abläuft. Man hatte das Gefühl, dass jetzt endlich Ruhe einkehrt in das Kreditinstitut. Solche Überraschungen schaden der Bank natürlich extrem.

heute.de: Nach dem Kopfschütteln noch die Preisfrage an Sie, Herr Professor Gerke, als Bankenexperte: Warum trifft es immer die Deutsche Bank?

Gerke: Das ist nicht überraschend. Das liegt an der Geschäftsstruktur und an der Größe der Bank. Sie ist in ihrer Internationalität natürlich auch für internationale Geldbetrüger ein geeignetes Vehikel, um Transaktionen rund um die Welt zu machen; um Scheinfirmen zu gründen in Panama oder in anderen Offshore-Zentren. Von daher liegt es natürlich nahe, dass man für so etwas nicht zu einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank geht, sondern die größte deutsche Bank ansteuert.

Die Fragen stellte Mischa Ehrhardt.

Deutsche Bank: Teure Niederlagen

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