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Dieselgipfel, zweiter Teil - Was bleibt von der Dieselprämie?

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Alte Diesel runter von der Straße! Das war die Botschaft des Dieselgipfels vor knapp vier Monaten. Was hat sich seitdem getan?

Auspuff eines Audi A7
Auspuff eines Audi A7 Quelle: dpa

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute Vertreter von Kommunen zum zweiten Dieselgipfel empfängt, wird sie einiges an Kritik einstecken müssen. Eine Milliarde Euro hatte die Bundesregierung Städten und Gemeinden zuletzt an Förderung zugesagt, um kommunale Programme für eine bessere Luft in den Städten zu fördern. Sowohl Städte- und Gemeindebund als auch der Deutsche Städtetag kritisieren, dass bislang nichts geschehen sei. Zugänge zum Mobilitätsfonds gebe es bis dato nicht.

Finanzielle Anreize durch die Industrie

Während Kommunen noch auf Förderung vom Bund warten, um unter anderem ihre eigenen Fuhrparks und Fahrzeuge im öffentlichen Personen-Nahverkehr auf einen umweltfreundlicheren Stand bringen zu können, durften sich Endkunden bereits über finanzielle Anreize freuen - und zwar von der Automobilindustrie. Mit der Dieselprämie läuft seit Monaten ein Verkaufsförderungsprogramm, das Fahrer von Dieselfahrzeugen der Norm Euro 4 oder älter zum Kauf von sauberen Neuwagen bewegen soll. Ein Erfolg?

"An den aktuellen Verkaufszahlen sehen wir zumindest, dass so mancher Kunde dieses Rabattprogramm gerne mitnimmt“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM). So wurden beispielsweise jetzt im Oktober 272.855 Pkw neu zugelassen. Laut Kraftfahrtbundesamt 3,9 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor - im Bereich der privaten Neuzulassungen sogar plus 9,8 Prozent.

NOX runter, CO2 rauf

Ein durchaus positives Signal, könnte man nun denken. Wäre da nicht der Teufel im Detail. "Was wir sehen, ist ein scharfer Rückgang bei den Dieselverkäufen“, sagt Bratzel. Um fast 18 Prozent sank der Anteil der Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen im Jahresvergleich auf zuletzt unter 35 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Neuzulassungen von Benzinern um knapp 19 Prozent auf einen Anteil von 61 Prozent. "Das sorgt vielleicht für einen geringeren Ausstoß an Stickoxid, gleichzeitig steigen aber wegen mehr Benzinmotoren die CO2-Emissionen. Das schafft ein Riesenproblem für die Hersteller, künftig die CO2-Grenzwerte für die Fahrzeugflotten einzuhalten", so Bratzel.

Umweltfreundlicher Autokauf? Für die Masse der Deutschen weiterhin eher ein Randthema. Um rund 31 Prozent stiegen die Neuzulassungen von meist kräftig motorisierten SUVs in den vergangenen zwölf Monaten. Aktueller Anteil bei Neuzulassungen: 16,4 Prozent. Hingegen hört sich 99 Prozent Steigerung bei Plug-in-Hybriden nur gigantisch an - da es insgesamt lediglich 2.885 Fahrzeuge sind, relativiert sich der Sprung doch gewaltig. Marktanteil: 1,1 Prozent.

Auswirkungen auf den Bestand ungewiss

Noch ernüchternder - aber nicht überraschend, da von der Industrie kaum in Szene gesetzt - ist der Absatz der immer wieder als umweltfreundlich gelobten Erdgasfahrzeuge (411 oder 0,1 Prozent Anteil). Fast beeindruckend erscheint da die Zahl der 2.180 im Oktober verkauften Elektroautos (plus 87 Prozent). Doch alle diese Zahlen sagen nichts darüber aus, ob sich die nun verkauften umweltfreundlicheren Fahrzeuge überhaupt spürbar auf den Bestand alter Dieselfahrzeuge auswirken. Denn nicht alle Diesel, die in Zahlung gegeben werden, werden auch verschrottet.

"Natürlich gibt es für die Besitzer uralter Fahrzeuge aktuell solche Rabatte, dass man zu sehr attraktiven Konditionen ein Neufahrzeug kaufen kann. Die Frage ist allerdings, ob diese Fahrer auch die Zielgruppe sind und das Geld überhaupt ausgeben möchten", sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR). Angesichts der hohen Bestände an Dieselfahrzeugen sei da wohl eher nicht mit großen Veränderungen zu rechnen. Ob und wie sich die Dieselprämie tatsächlich auswirkt, wird sich im Januar zeigen: Dann gibt das Kraftfahrtbundesamt die tatsächlichen Zahlen der Fahrzeuge bekannt, die in Deutschland zugelassen sind.

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