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Spürbarer Zuschuss? - Was bringt das Baukindergeld - zwei Beispiele

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Das Eigenheim bleibt für viele Familien ein Traum. Die Immobilienpreise sind schlichtweg zu hoch. Das Baukindergeld soll das ändern. Was bringt es wirklich? Zwei Beispiele.

Das Objekt der Begierde liegt in Frankfurt-Sossenheim: "4-Zimmer-Wohnung in perfekter Lage", prangt über der Annonce. Wer sich in der Mainmetropole auskennt, weiß: "Perfekte Lage" ist ein wenig übertrieben. Bis ins Zentrum sind es rund zehn Kilometer - relativ weit, vor allem weil Sossenheim keinen eigenen Anschluss an die S-Bahn hat. Modern ist die Wohnung auch nicht gerade, Baujahr 1982, doch man muss Opfer bringen: Viele Wohnungen über 120 Quadratmetern kosten in Frankfurt heute mehr als eine Million Euro - unbezahlbar.

24.000 Euro Zuschuss für zwei Kinder

Gemessen daran ist die Wohnung in Sossenheim ein Schnäppchen: 120 Quadratmeter für 399.000 Euro. Es gibt sogar einen kleinen Garten und direkt nebenan ein Naturschutzgebiet. Für die beiden Kinder ist das optimal. 7.000 Euro (brutto) stehen ihren Eltern im Monat zur Verfügung, oder 84.000 Euro pro Jahr. Mit ihren beiden Kindern dürfen Sie also das neue Baukindergeld beantragen.

2.400 Euro würde die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den neuen Immobilienbesitzern jährlich zuschießen – zehn Jahre lang, insgesamt also 24.000 Euro. 375.000 Euro müsste die Familie demnach noch bezahlen. Immerhin: Das sind dreieinhalb Bruttomonatseinkommen. Das klingt nach einem guten Angebot.

Also auf zur Bank und einen Finanzierungsplan erstellen?

Überstürzen sollte man aber nichts. Selbst die KfW warnt: "Bitte kalkulieren Sie vorsichtig: Das Baukindergeld kann Ihnen die Rückzahlung eines Kredites erleichtern. Ideal ist es aber, wenn Ihre Finanzierung auch ohne Baukindergeld funktioniert." Denn das Baukindergeld gibt es erst nach Einzug und erfolgreicher Prüfung durch die KfW. Und das kann dauern, gerade zum Start des Baukindergeldes. Die Homepage der KfW brach heute wegen Überlastung bereits zusammen.

Der weitaus gewichtigere Grund: Es bleibt nicht beim bloßen Kaufpreis von 399.000 Euro. Die sogenannten Kaufnebenkosten für die Wohnung in Sossenheim werden das Baukindergeld auffressen: Maklerprovision, Grunderwerbssteuer, Grundbucheintrag und Notarkosten. Allein die Grunderwerbssteuer, die in Hessen bei sechs Prozent liegt, zehrt das komplette Baukindergeld auf. Die Maklerprovision liegt mit 5,95 Prozent fast genauso hoch. Notarkosten plus Grundbucheintrag schlagen nochmals mit rund 8.000 Euro zu Buche.

In Metropolen ein Tropfen auf den heißen Stein

Berücksichtigt man all diese Kosten, liegt der Preis für die Wohnung bei mehr als 430.000 Euro - und da ist das Baukindergeld schon abgezogen. In Frankfurt am Main ist es also nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch gerade in solchen Metropolen ist die Wohnungsnot am höchsten. Abhilfe wird es wohl nicht schaffen. Chris Kühn, Grünen-Sprecher für Wohnungspolitik, meint sogar: "Es wird zu massiven Mitnahmeeffekten führen und die Preise noch anheizen."

Dazu kommt die Kritik, dass es von allen Steuerzahlern finanziert wird - auch von denen, die sich kein Wohneigentum leisten können. Gerecht ist das nicht. Vor diesem Hintergrund muss sich die Bundesregierung fragen lassen, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die Grunderwerbssteuer zu streichen. Aber die ist Ländersache. Freibeträge auf die Grunderwerbssteuer zu erlassen, so wie es etwa FDP-Chef Lindner fordert, wäre eine mögliche Lösung gewesen. Das hätte wahrscheinlich auch weniger Verwaltungsaufwand bedeutet als ein völlig neuer staatlicher Zuschuss.        

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