Sie sind hier:

Brände in Südamerika - Amazonas-Gipfel: Hohe Erwartungen

Datum:

Die Erwartungen sind hoch: Es geht um den Schutz des Amazonas - nicht zuletzt unter dem Eindruck der jüngsten Brände. Im kolumbianischen Leticia treffen sich sechs Anrainerstaaten.

Feuerwehrmitglieder versuchen, krittische Bereiche während eines Brandes zu kontrollieren am 04.09.2019 in Apui (Brasilien)
Brände im Amazonas: Die Anrainer beraten, wie die Region künftig besser geschützt werden kann
Quelle: Reuters

Der Schauplatz ist bewusst gewählt: Im Dreiländereck zwischen Kolumbien, Brasilien und Peru treffen sich am heutigen Freitag die Regierungen der Amazonas-Region. In der Universität von Leticia sprechen sie über das weitere Vorgehen nach den verheerenden Waldbränden in der Region. Die kolumbianische Stadt liegt am linken Flussufer des Amazonas. In einer vom kolumbianischen Präsidialamt veröffentlichten Mitteilung heißt es vorab, dass Treffen solle einem "regionalen Dialog Raum geben, um den Schutz und die nachhaltige Nutzung, die fundamental für das Überleben des Planeten sind, voranzubringen".

Viermal so viele Feuer wie im Vorjahreszeitraum

Das Treffen ist hochrangig besetzt. Die letzte Zusage kam von Boliviens Präsident Evo Morales. Der linksgerichtete Präsident steht massiv unter Druck - einmal wegen eines umstrittenen Dekrets, dass die Brandrodungen in zwei Amazonas-Provinzen ausdrücklich erlaubt, zum anderen wegen seines Krisenmanagements im eigenen Land. Nach Angaben der Tageszeitung "El Deber" verlor allein Bolivien in den letzten Wochen rund 700.000 Hektar ökologisch wichtigen Trockenwald sowie eine Million Hektar Weidefläche.

Ähnlich verheerend ist die Situation in Brasilien. Nach Angaben des Landesinstituts für Weltraumforschung (INPE) brannten allein am 24. August im brasilianischen Amazonasgebiet 41.000 Feuer. Seit Jahresbeginn registrierte die INPE mehr als 72.000 Brände.

Die Europäische Weltraumagentur ESA bestätigte diese Einschätzung: "Wir haben klare Signale, dass die Brände in Brasilien in diesem Jahr stärker waren und sind als 2018", sagte ein ESA-Sprecher heute.de. Daten des Copernicus-Satelliten hätten ergeben, dass im August die Zahl der Feuer etwa viermal so hoch gewesen sei wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sollen die verheerenden Brände in Südamerika rund 2,5 Millionen Hektar Wald vernichtet haben, berichteten lateinamerikanische Medien.

Unterschiedliche Reaktionen auf Hilfsangebote

Bislang haben die südamerikanischen Staaten vor allem auf eigene Faust versucht, die Brände zu bekämpfen. Bolivien setzte dabei auf internationale Hilfe und buchte das Löschflugzeug "Global Supertanker" für umgerechnet rund 50.000 Euro am Tag. Zudem kam Hilfe aus dem Nachbarland Argentinien.

Brasilien ging dagegen lange einen nationalen Weg. Präsident Bolsonaro schickte mehrere tausend Soldaten in die von den Bränden betroffenen Region. Nun soll auch Israel helfen. Unterschiedlich reagierten die Staaten auf internationale Hilfsangebote der G7-Staaten. Während Bolivien die Hilfe akzeptierte, weigerte sich Brasiliens Präsident Bolsonaro zunächst, die Unterstützung anzunehmen und warf der G7 einen kolonialen Umgang mit Brasilien vor.

Bolsonaro nur zugeschaltet

Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Bolsonaro, der sich gut ein Jahr nach einem Messerattentat im Wahlkampf auf eine neue Operation vorbereitet, kommt allerdings nicht nach Leticia. Er soll per Video-Konferenz zugeschaltet werden. Vor Ort vertreten wird er von Brasiliens Außenminister Ernesto Henrique Fraga Araujo.

Das wirft die Frage auf, inwieweit Brasilien ein mögliches Abkommen mit verpflichtenden Maßgaben überhaupt als verbindlich ansieht. Außenminister Fraga Araujo gilt ohnehin als schwaches Kabinettsmitglied, dem kaum politische Wirkungsmacht zugetraut wird. Neben Morales und Fraga Araujo erwartet der Gastgeber, Kolumbiens Präsident Ivan Duque, seine Kollegen aus Peru, Martin Vizcarra, und Ecuador, Lenin Moreno. Aus Surinam hat Vizepräsident Michael Adhin seine Teilnahme zugesagt.

Verpflichtung auf Rettungsmaßnahmen für Amazonas

Zielsetzung des Treffens ist die Unterzeichnung eines "Paktes von Leticia für den Amazonas", der allerdings nicht nur die teilnehmenden Länder, sondern die Nationen der Region und der internationalen Staatengemeinschaft zu Maßnahmen zur Rettung des Amazonas verpflichten soll.

Die bestehenden Abkommen zum Schutz des Amazonas hätten bislang nicht ausgereicht, erklärte Duque. "Deswegen schlagen wir einen neuen Pakt für die Amazonas-Region mit den beteiligten Ländern vor."

Bislang vor allem wirtschaftliche Ausbeutung

Die Erwartungen an den Amazonas-Gipfel schraubt auch Kolumbiens Außenminister Carlos Holmes Trujillo hoch: "Dieser Gipfel wird zu neuen Verpflichtungen zum Schutz des Amazonas durch den Pakt von Leticia führen, der konkrete Aktionen unter Berücksichtigung nationaler Souveränität", kündigte Holmes Trujillo an.

Am Ende soll eine "regionale Vision des Amazonas" stehen. Was genau das alles bedeuten soll, ist unklar. Im Moment gibt es weder ein gemeinsames länderübergreifendes Brandschutzkonzept, noch eine wirkliche Politik die den Schutz der dort lebenden indigenen Völker als auch der Umwelt priorisiert. Linke wie rechte Regierungen haben bislang vor allem die wirtschaftliche Ausbeutung der Region ins Zentrum ihrer Politik gestellt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.