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Lokale Filme und Serien - Was die EU-Streaming-Quote bringt

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Eine Euro-Quote für Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime – was die EU beschließen will, ist heftig umstritten. Was ist geplant, und für wen ergibt das Sinn?

Netflix-App auf einem Smartphone
Streamingdienste wie Netflix sollen mehr in europäische Investitionen investieren.
Quelle: imago

Roberto Viola ist sich seiner Sache sicher: "Wir brauchen nur den finalen Beschluss, aber der ist reine Formsache", teilte er dem Filmmagazin Variety mit. Die Euro-Quote für Streamingdienste komme, es gehe nur noch um die Abstimmung am 8. Dezember.

Worum geht es hier? Der EU-Generaldirektor für Kommunikationsgesetze, Inhalte und Technologien will Streamingdienste wie Amazon Prime und Netflix dazu verpflichten, in europäische Produktionen zu investieren. Mindestens 30 Prozent des Angebots für Abonnenten in Europa muss dann aus der EU stammen. Damit will Viola die Dominanz amerikanischer Produktionen brechen und europäische Filme und Serien fördern.

Wird die Regelung im EU-Parlament beschlossen, haben die Mitgliedstaaten 20 Monate Zeit, um zu entscheiden, ob sie die Quote bei 30 Prozent belassen oder sie gar auf 40 Prozent erhöhen. Alternativ können sich die Dienste freikaufen, in dem sie in europäische Filmförderungsfonds einzahlen. Netflix tut das bereits in Deutschland.

Die Quote krempelt das Streaming um

Streaming ist aus dem deutschen Fernsehmarkt nicht mehr wegzudenken. Dabei werden Netflix und Amazon Prime immer dominanter. In den letzten Jahren haben Streamingdienste vermehrt damit begonnen, europäische Serien zu produzieren: Die deutsche Mystery-Serie "Dark", den spanischen Thriller "Haus des Geldes" oder die französischen Krimiproduktionen "Glacé" und "La Mante" beispielsweise. Netflix wird bis Ende des Jahres 8 Milliarden US-Dollar in rund 700 Eigenproduktionen investieren. Etwa dieselbe Anzahl bringt Amazon Prime auf den Bildschirm.

Die Regulierung zwingt Netflix, Amazon, Sky, Maxdome und andere kleine Anbieter dazu, ihre Investitionen in Europa zu erhöhen oder vermehrt alte Serien und Filme aufzukaufen. Das Ziel ist sportlich: Die Markforschungsfirma Ampere Analysis rechnete aus, dass Netflix in England gerade mal auf 15 Prozent europäische Filme kommt und etwa 800 neue Filme oder 4.000 Stunden TV-Serien braucht, um die Quote zu erfüllen.

Die Diskussion schwelt bereits länger

Die Diskussion um die Quote ist nicht neu – und seit Beginn heftig umstritten. Schon vor 20 Jahren forderten Heinz Rudolf Kunze und Herbert Grönemeyer, mehr deutschsprachige Songs im Radio zu spielen. Die Befürworter wollten lokale Minderheiten gegen die übermächtige US-Konkurrenz schützen und das immer gleiche Formatradio brechen.

In Frankreich wurde die Quote bereits zum Gesetz: 35 Prozent der im Radio gespielten Musik kommt aus heimischer Produktion. Das hat dazu geführt, dass lokale Künstler in Frankreich einen ganz anderen Stellenwert haben. Im Schnitt verkaufen sie auch deutlich besser als ihre deutschen Kollegen.

Die Gegner der Quote kommen aus zwei Lagern. Befürworter eines freien Markts empfinden eine Quote als staatlich verordnete Wettbewerbsverzerrung. Andere befürchten einen "Helene-Fischer-Erlass", also eine staatlich verordnete Geschmackstümelei, die vor allem populären Künstlern mehr Geld in die Kasse spült, aber kleine vernachlässigt. Und sie verweisen außerdem darauf, dass es nie gut ist, wenn der Staat vorschreibt, was man hören soll oder sich in künstlerische Belange einmischt.

Wer mit der Quote gewinnt, wer verliert

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