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Trump erhöht China-Strafzölle - Was der Handelskrieg für deutsche Firmen heißt

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Die USA erheben weitere Strafzölle gegen China - Peking reagiert mit Gegenzöllen. Der Handelskrieg dürfte auch an deutschen Unternehmen nicht spurlos vorbei gehen, so Experten.

Containerfrachter im Hafen von Los Angeles (Symbolbild)
Containerfrachter im Hafen von Los Angeles (Symbolbild)
Quelle: imago

Ab kommender Woche schwebt der Handelskonflikt zwischen den USA und China in neuen Dimensionen. Denn ab jetzt sind Handelsvolumen betroffen, die weite Teile des Handels zwischen  den beiden größten Wirtschaftsnationen der Welt in Frage stellen oder erschweren. Auf ein Volumen von 250 Milliarden Dollar werden sich die US-Strafzölle gegen China ab kommender Woche belaufen - es ist rund die Hälfte aller Exporte von China in Richtung der USA. Umgekehrt hat postwendend Peking reagiert: Rund 5.000 US-Waren im Umfang von 60 Milliarden Dollar werden mit Strafzöllen von zehn oder fünf Prozent belegt.

Wenn der amerikanische Präsident seine Drohungen wahr macht, wird er nun in einer dritten Runde noch einmal chinesische Waren im Wert von 267 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegen. Das nämlich hatte Trump angekündigt für den Fall, dass die chinesische Regierung mit Vergeltungsmaßnahmen antwortet. Sollte es dazu kommen, wäre der ganze Handel zwischen den USA und China vom Handelskrieg beider Mächte getroffen.

Strafzölle wirken sich bereits aus

Noch bevor es zu diesem Extremszenario kommt, schlägt bereits der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Alarm. "Viele deutsche Unternehmen haben in China und den USA Produktionsstätten aufgebaut", sagte der Außenhandelschef des DIHK, Volker Treier gegenüber heute.de. "Sie werden negativ betroffen sein und Einbußen hinnehmen müssen". Daimler beispielsweise hat bereits seine Gewinnprognosen für das laufende Jahr nach unten gesetzt - die Strafzölle haben zu dem ernüchterten Ausblick beigetragen.

Infografik: Handelsbeziehungen USA China
Handelsbeziehungen zwischen den USA und China von 2008 bis Juli 2018
Quelle: census.gov

Der Autobauer produziert in den USA unter anderem Geländewagen für den chinesischen Markt. Weil die aus den USA kommen, fallen sie unter die Vergeltungs-Strafzölle in China, denn in Reaktion auf die erste Runde von US-Strafzöllen mit einem Volumen in Höhe von 50 Milliarden Dollar hatte Peking mit ebensolchen Zöllen in gleichem Umfang reagiert.

Diese Verteuerung der Autos beim Überqueren der Grenze nach China könne Daimler nicht eins zu eins an die Kunden weiter geben - Daimler muss also einen Teil der Strafzölle selbst berappen. Zudem sinke auf Grund der neuen Abgaben der Absatz von Autos des Konzerns in China; denn Autos, die nicht in den USA produziert werden, treffen die Zölle nicht – das ist also ein Wettbewerbsnachteil für in den USA produzierende Unternehmen.

Unternehmen in China unter verschärfter Beobachtung

Deswegen ist auch die Europäische Handelskammer in Peking besorgt: "Die Auswirkungen des Handelskriegs auf europäische Firmen in China sind erheblich und überwiegend negativ", sagte Mats Harborn, der Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking. Schon nach der ersten Runde im Handelsstreit geben viele der Mitgliedsunternehmen an, von den Strafzöllen negativ betroffen zu sein.

Bislang hatten sich die Zölle auf bestimmte Branchen beschränkt, mit der neuen Welle werden alle möglichen Wirtschaftsbereiche betroffen sein. Rund 5200 deutsche Unternehmen sind nach Auskunft des DIHK aktuell in China tätig. Und für sie sind es nicht unbedingt nur die Strafzölle, mit denen sie nun umgehen müssen. Die Unternehmen stehen nun auch unter verschärfter Beobachtung der chinesischen Behörden. "Viele Unternehmen sagen, dass sie jetzt stärker mit chinesischen Zollbehörden konfrontiert sind. Die sind besonders misstrauisch, wenn Zwischenprodukte aus den USA kommen könnten", sagte Volker Treier vom DIHK. Denn rein rechnerisch kann China nicht in gleichem Maß auf die US-Strafzölle antworten: Während China Waren im Wert von rund 500 Milliarden Dollar pro Jahr in die USA exportiert, sind es umgekehrt nur Waren im Wert vonj 130 Milliarden Dollar. Deswegen meinen Experten, wird China andere Wege der Vergeltung wählen, um (Gegen-)Druck auf die USA auszuüben.

Verständnis für US-Kritik an China

Laut einer Umfrage der Europäischen Handelskammer in China befürchten die Unternehmen erhebliche Störungen der globalen Lieferketten. Etwa die Hälfte der befragten Mitglieder gab demnach an, negative Auswirkungen durch den Streit zu fürchten. Auch amerikanische Firmen melden ungute Folgen des sich verschärfenden Handelskonfliktes. So hat die amerikanische Handelskammer in China angegeben, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen etwa unter langsamerer Zollabfertigung und vermehrten Inspektionen in den Betrieben litten.

Die Kritik an der Handelspolitik der USA ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn auch deutsche und europäische Unternehmen teilen durchaus die zugrundeliegende Kritik des Weißen Hauses an China in vielen Punkten. So führt die Europäische Handelskammer aus, dass EU-Firmen in der Volksrepublik trotz großer Reformversprechen noch immer systematisch benachteiligt würden. Die Frage, ob für ausländische Firmen in China gerechter Wettbewerb herrsche, müsse ganz klar mit "Nein" beantwortet werden. Die von den USA verhängten Strafzölle seien aber eindeutig der falsche Weg.

Nächste Schritte bereits angekündigt

Der Wind wird also rauer - für Unternehmen und möglicherweise auch die Konjunktur weltweit. Noch brummt die Wirtschaft zwar in vielen Regionen der Welt. Allerdings sind Rückgänge etwa bei den Industrieaufträgen deutscher Unternehmen zu verzeichnen. Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland hat sich etwas abgebremst. Die Unsicherheit auf Grund des Handelskonfliktes dürfte dabei eine Rolle spielen, und diese Tendenz könnte sich verstärken. "Allen Warnungen zum Trotz spielt Präsident Trump einmal mehr mit dem Feuer", sagte Holger Bingmann, Präsident Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. "Die Zeche für das Chaos werden jedoch am Ende nicht nur die US-Bürger bezahlen müssen".

Containerterminal am Hamburger Hafen
Containerterminal am Hamburger Hafen (Archivbild)
Quelle: dpa

Die dürfte es in Zukunft aber am stärksten und zuallererst treffen. Denn immerhin ein Viertel der etwa 6.000 ab kommender Woche betroffenen Produkte sind Konsumgüter. Darunter Möbel, Elektrogeräte oder auch Lebensmittel. Amerikanische Verbraucher werden für solche Produkte, sofern sie aus China kommen, bald mehr bezahlen müssen.

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