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Auswirkungen der Trockenheit - Was Dürre und Hitze mit Deutschland machen

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Die Bauern erwarten Ernteausfälle, die Waldbrandgefahr ist extrem und die Wohnungen heiß - was sind die Folgen der anhaltenden Trockenheit und wie geht man damit künftig um?

Dieser Sommer ist heiß und vor allem trocken wie schon lange nicht mehr. Klimaforscher erwarten, dass es in den nächsten Jahren so weitergeht. Der Mensch muss sich darauf einstellen, um seine Umwelt, seine Infrastruktur und seinen Nahrungsgrundlage zu erhalten. Schon jetzt lassen sich in Deutschland Veränderungen auf verschiedenen Gebieten feststellen.

Auswirkungen auf die Wälder

Vom Feuer zerstörtes Waldgebiet bei Fichtenwalde am 27.07.2018
Vom Feuer zerstörtes Waldgebiet bei Fichtenwalde
Quelle: dpa

Die Gefahr von Waldbränden erhöht sich bei dieser Hitze und der anhaltenden Trockenheit enorm. In vielen Gebieten insbesondere Ost und Nord-Deutschlands kam es schon zu Waldbränden. Das hat verschiedene Gründe.

Trockenstress bei Pflanzen

Besonders sandige Böden, Nadelholzreinbestände und Flächen mit hoher Sonneneinstrahlung weisen nur einen kleinen Wasserspeicher auf. Sie haben jetzt Trockenstress - die Problematik trifft besonders auf junge Pflanzen zu (unter 10 Jahre), denn deren Wurzeln reichen noch nicht tief genug, um an Wasserreserven im Boden zu gelangen. Die Bäume lassen Blätter und verfrühte Früchte fallen, um den Stoffwechseln runterzufahren und Wasser zu sparen. Trockener Boden und trockene Vegetation erhöhen die Waldbrandgefahr. Ebenso der Bewuchs in Bodennähe. Wenn zudem etwa Kiefernnadeln auf dem Boden liegen, kann sich Feuer gut ausbreiten.

Brandursachen durch Menschen

Der Mensch verantwortet zahlreiche Brandursachen: Vorsätzliche Brandstiftung für Rodung, beispielsweise um Bauland zu gewinnen; weggeworfene Zigaretten; außer Kontrolle geratene Lagerfeuer; Autos oder Motorräder, die ihre Hitze an den ausgetrockneten Waldboden abgeben; Entzündung alter Munition aus dem Zweiten Weltkrieg; Funkenflug bei Arbeiten; kriminelle Brandstiftung; Selbstentzündung durch Glasscherben, Blechdosen oder andere reflektierende Gegenstände.

Waldbrand

Das Feuer eines Waldbrands wütet meist in drei Phasen und ist von der Feuerwehr nur schwer in den Griff zu bekommen. Es geht vom Lauffeuer am Boden in die Baumwipfel über und erzeugt ein Wipfelfeuer. Das ist nur sehr schwer für die Feuerwehr zu löschen - und kann bis zu einem Totalbrand reichen.

Vorsichtsmaßnahmen

Die Bevölkerung kann mithelfen, die Waldbrandgefahr gering zu halten: Das Rauch- und Feuerverbot im Wald einhalten; nur an offiziell ausgewiesenen Stellen grillen; mit Autos nicht im trockenen Gras parken; Zigarettenkippen nicht aus dem Auto werfen.

Trinkwasser (Symbolbild)
Der Wasserverbrauch ist in den vergangenen Jahrzehnten gesunken. Nur ein Bruchteil der vorhandenen Ressourcen wird genutzt.
Quelle: ZDF

Umgang mit Wasser

Zwar gab es mancherorts schon behördliche Vorgaben, den Wasserverbrauch aufgrund der Dürre einzuschränken. Doch insgesamt ist der Wasserverbrauch in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken, zeigen Zahlen des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Es gibt große Wasserresourcen.

Wasserverbrauch

Die Wasserförderung ist um 23 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Wassergebrauch in den Industriestaaten. Die öffentliche Wasserversorgung nutzt nur 2,7 Prozent der verfügbaren Wasserressourcen. Der Haushaltswassergebrauch ist konstant geblieben. Im Schnitt kostet Trinkwasser 24 Cent täglich - wobei es große regionale Unterschiede gibt.

Wasservorräte

Deutschland ist ein wasserreiches Land: Im langjährigen Mittel stehen pro Jahr 188 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Die Wasserentnahme aller Wassernutzer beträgt 33,1 Milliarden Kubikmeter. Insgesamt werden gut 17 Prozent des jährlichen Wasserangebotes dem Wasserkreislauf entnommen und diesem nach Gebrauch wieder zugeführt. Etwa 83 Prozent des Wasserangebotes werden nicht genutzt.

Der Jungfernstieg in Hamburg
Hamburg freut sich über gute Besucherzahlen trotz Hitze.
Quelle: picture alliance/Bildagentur-online

Auswirkungen auf den Tourismus

Während die Campingwirtschaft von dem guten Wetter profitiert, ist der Zuspruch zu Museen und dem Gaststättengewerbe unterschiedlich. Berliner Museen freuen sich über viele Besucher, München gar über einen Besucherrekord. In anderen Städten gibt es keine Veränderung. Hotels in den Großstädten verzeichnen keine Absagen aufgrund von Hitze.

Camping

"Die Campingwirtschaft profitiert stark von dem guten Wetter", sagt Christian Günther; Geschäftsführer vom Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland. Für 2018 erwarte er ein Plus von 5-10 Prozent bei den Übernachtungen. "Camping gilt als naturnahe Urlaubsform und ist stark mit dem Wetter verbunden. Die aktuelle Hitze ist auch nicht besonders problematisch, da ein Großteil der Campingplätze ohnehin über eigene Badegewässer beziehungsweise Bademöglichkeiten in der Nähe verfügt." Ebenso sei bei der Ausstattung der Freizeitfahrzeuge ein Komfort durch verbesserte Isolierung und eingebaute Klimaanlage gegeben. In einem Zelt, das in der Sonne stehe, sollte man sich aber tagsüber eher nicht aufhalten. Nachts kühle ein Zelt allerdings auch schnell wieder aus.

Hotels

Großstädte wie Berlin und Hamburg berichten von gleichbleibend hohen Touristenzahlen. Sascha Albertsen, Leiter der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit von Tourismus Hamburg sagt: "Die Buchungszahlen für die Monate Juli und August sind in Hamburg traditionell sehr gut, so auch in diesem Sommer." Das Veranstaltungsangebot und die Atmosphäre an Alster und Elbe sorgten für hohes Gästeaufkommen. Viele Besucher gibt es auch in Berlin: "Wir hier in Berlin können, was die Besucherzahlen angeht, keinen Unterschied zu weniger heißen Sommern feststellen." Die Stadt sei im Moment gut besucht. Das hänge auch damit zusammen, dass die meisten Gäste ihre Städtereisen im Voraus buchen."

Restaurants
Für den Deutschen Hotel und Gaststättenverband DEHOGA sind die ökonomischen Auswirkungen der Hitzewelle in Deutschland noch nicht endgültig absehbar. "Klar ist allerdings, es gibt wie so oft Gewinner und Verlierer. Generell sind Eisdielen und Biergärten zurzeit besonders beliebt. Weniger gut besucht sind dagegen die Restaurants in den Innenstädten", sagt Pressesprecherin Stefanie Heckel. Das Mittagsgeschäft leide, denn die Leute hätten bei der Hitze weniger Lust auf große, schwere Mahlzeiten. "Die großen Gewinner sind die touristischen Hochburgen an der Nord- und Ostsee. Wer kann, bucht spontan einen Kurztrip an die Küste.“

Museen

"Die anhaltende Hitzewelle hat bislang positive Auswirkungen auf das Besucheraufkommen in den 15 Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin gehabt", sagt Markus Farr von den Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Das liege am traditionell hohen Anteil internationaler Gäste, aber auch viele Berliner hätten die Museen zur "Abkühlung mit Kunstgenuss" genutzt. Gerrit Faust, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vom Deutschen Museum in München freut sich über die besten Juli-Zahlen seit 2014 mit rund 120.000 Besuchern. Den größten Andrang habe es jedoch am 22. Juli - mit 12.000 Besuchern an einem Regentag- gegeben. Die Museumslandschaft Hessen-Kassel ist zurückhaltend. "Die Hitze hat in der Tat Auswirkungen auf das Klima in den Häusern", sagt Pressesprecherin Natascha Callebaut. "Museen, die nicht vollklimatisiert sind, werden täglich wärmer, so dass ein Besuch eher zur Strapaze wird." Aber auch in den klimatisierten Museen, Burgen und Schlössern gebe es aktuell nicht mehr Besucher.

Frau schläft
Vor allem nachts sollte das Klima in den Zimmern angenehm sein.
Quelle: imago

Steuerung Raumklima

Bei steigenden Temperaturen verringert sich der Sauerstofffgehalt in der Luft. Daher sollten vor allem in den Schlafzimmern auf ausreichendes Lüften und Feuchtigkeit geachtet werden.

Temperatur

Die optimale Raumtemperatur liegt zwischen 16° bis 20° Celsius. Im Kinderzimmer darf die Temperatur gerne bei etwas über 20 Grad Celsius liegen. Im Schlafzimmer sollte es nicht wärmer als 20 Grad sein. Je mehr die Temperaturen ansteigen, umso länger sollte man lüften. In den Sommermonaten Juni bis August sind es 25 Minuten.

Luftfeuchtigkeit

Die ideale Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer und in den Wohnräumen liegt zwischen 40 und 60 Prozent. Beim Zubettgehen sollte man darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit leicht über 40 Prozent liegt. Durch nächtliches Schwitzen und die Atemluft gelangt während des Schlafens Feuchtigkeit in die Luft. Die wird mit einem Hygrometer gemessen.

Ein Feldersprenger bewässert a,m 05.07.2018 ein Kartoffelfeld in der Nähe von Frankfurt am Main
Die Landwirtschaft hat unter der Dürre besonders zu leiden.
Quelle: dpa

Auswirkungen Landwirtschaft

Der Deutsche Bauernverband rechnet in diesem Jahr mit geringen Erträgen im Anbau von Getreide und Feldfrüchten. Rinder- und Schweinehalter kämpfen zudem mit Ausfällen bei der Maisernte und müssen deshalb Futter zukaufen. In manchen Betrieben ist es schon zu Notschlachtungen gekommen.

Vegetation

Wie der Klimawandel sich auf Pflanzen auswirkt, haben 2010 Forscher der Universität Landau und Bayreuth untersucht: "Frappierend war, wie gut die natürliche Vegetation damit insgesamt umgehen konnte", sagt Anke Jentsch, Geoökologin an der Universität Landau. Der Klimawandel schadet jedoch manchen Pflanzen mehr als anderen: "Die Bauern müssten verschiedene Pflanzen anbauen und nicht länger auf Monokulturen setzen", sagt Jentsch.

Getreideanbau

Der Deutscher Bauernverband sägt düstere Ernteprognosen voraus. So bilde etwa der Mais keine Kolben und müsse vorzeitig gehäckselt werden. Zudem erwartet der Verband Rückgänge beim Getreide. Beim Winterweizen gebe es nur noch 18 Millionen Tonnen statt im Vorjahr 24,1 Millionen Tonnen; beim Winterroggen zwei Millionen Tonnen statt im Vorjahr 2,7 Millionen Tonnen, beim Winterraps: 3,3 Millionen Tonnen statt im Vorjahr 5,2 Millionen Tonnen.

Viehzucht

Die Futterversorgung ist durch die hohe Hitze bedroht, die Weiden bringen nicht genügend Erträge, daher muss der Winterschnitt direkt verfüttert werden. Landwirte sind teilweise auf Futterspenden angewiesen. Es drohen Notschlachtungen.

Forstwirtschaft

Die Trockenheit beddroht die Aufforstung. Es werden pro Jahr 500 Millionen junge Bäume gepflanzt. "Es droht ein Totalausfall der neuen Generation", sagte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, Georg Schirmbeck, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Viele junge Bäume überleben vermutlich nicht.

Milchproduktion

Dadurch, dass Milchkühe bei der Milchproduktion selber so viel Wärme erzeugen, ersteht bei ihnen schon ab circa 22 °C mäßiger Hitzestress. Und schon bei mäßigem Hitzestress kommt es zum Rückgang der Milchproduktion. Steigt die Hitze, ist es gesundheitsgefährdend für die Tiere.

Fischzucht

Auch auf die Fische wirkt sich die Hitze aus. Schuld am Sterben der Fische ist die niedrige Sauerstoffkonzentration in den Gewässern, sagt Björn Marzahn von der Behörde für Umwelt und Energie in Hamburg. In Hamburg wurden seit dem 28. Juli 2018 schon sieben Tonnen tote Fische aus den Gewässern abtransportiert und in der städtischen Müllverbrennungsanlagen vernichtet. Es gibt keine Möglichkeiten, das Wasser mit Sauerstoff anzureichern. Auch Regen hilft den Fischen in städtischen Gewässern nicht, weil dadurch organische Stoffe in die Gewässer gespült werden, deren Zersetzung wieder Sauerstoff benötigt.

Vertrocknete Setzlinge in einer Baumschule in Bayern
Um zu verhindern, dass Pflanzen und Tiere unter dem Klimawandel leiden, hat das Umweltbundesamt einen Maßnahmenkatalog vorgegeben.
Quelle: dpa

Anpassung an Klimawandel

In einem Maßnahmenkatalot des Umweltbundesamts ist vorgegeben, wie Landwirtschaft und Infratruktur umgestellt werden können, um Pflanzen und Tiere besser zu schützen und dem Klimawandel zu begegnen.

Anpassungsstrategie 2008

Bereits 2008 wurde eine erste Strategie entwickelt. Pflanzenzüchter sollen durch ein wirksames Sortenschutzrecht angepasste Pflanzensorten entwickeln können und wenn möglich weitere Kulturarten züchterisch bearbeiten. Zudem soll der Wasserrückhalt in dürregefährdeten Agrar- und Waldlandschaften gefördert werden über die "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK). Dazu zählen die Förderung der Infrastruktur, ein Verfahren zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, der Bodenstruktur sowie der natürlichen Regelmechanismen im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen. Gefördert werden soll der Wissenstransfer im Hinblick auf angepasste Formen der Landbewirtschaftung, Tierhaltung, Tierernährung und Tiergesundheit. Wichtig seien außerdem ein Monitoring der Klimaveränderungen, damit notwendige Maßnahmen eingeleitet werden können.

Anpassungsmaßnahmen seit 2011

Dazu zählen unter anderem eine effizientere Bewässerung (z.B. Tröpfchenbewässerung, die keine zusätzliche Belastung für den Wasserhaushalt bedeutet); eine umwelt-­ und bedarfsgerechte Düngung zur Realisierung potenziell höherer Erträge; eine Weiterentwicklung des Pflanzenschutzes zur Begrenzung neuer Schädlinge und eine Verbesserung der Wettervorhersage sowie der Warnsysteme vor Extrem­Ereignissen.

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