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Eckpunktepapier vorgelegt - Wie Deutschland Fachkräfte anlocken will

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Deutsch ist nicht gerade einfach, Ausbildungen und Abschlüsse werden nicht anerkannt - so richtig attraktiv ist Deutschland für ausländische Fachkräfte nicht. Das soll sich ändern.

Ein Arbeiter geht auf einer Baustelle über ein Gerüst.
Auch der Bau leidet unter Fachräftemangel. Quelle: Axel Heimken/dpa

Die SPD hat es durchgesetzt, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) muss es ausarbeiten: Das neue Einwanderungsgesetz. Noch ist alles in der Schwebe, aber ein Eckpunktepapier aus dem Innenministerium lässt erkennen, worum es geht.

Was geplant ist

Vor allem ausgebildeten Fachkräften und Akademikern soll der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtert werden. Zwei wichtige Punkte: Die bislang für Nicht-EU-Ausländer geltende Beschränkung auf "Engpassberufe", in denen es besonderen Bedarf gibt, soll fallen. Und auch die Vorrangprüfung soll es im Prinzip nicht mehr geben. Dabei wird bislang geprüft, ob eine Stelle nicht mit einem inländischen Bewerber oder jemandem aus einem EU-Land besetzt werden kann.

Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen sollen erleichtert, Beratungsmöglichkeiten ausgeweitet werden. IT-Fachkräfte sollen auch ohne formalen Abschluss hier arbeiten dürfen, wenn sie einen Arbeitsplatz vorweisen können. Deutschkurse sollen stärker gefördert werden.

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Was ist mit dem "Spurwechsel" vom Asyl- ins Aufenthaltsrecht?

Dieser zuletzt von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) geforderte erleichterte Zugang abgelehnter Asylbewerber zum Arbeitsmarkt kommt in dem Papier nicht vor. Man sei für eine klare Trennung von humanitärer Aufnahme und Arbeitsmigration, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Freitag. "Würde man diese beiden Bereiche miteinander verbinden, wäre eine Steuerung nicht mehr möglich."

Innenminister Seehofer hat ein Eckpunktepapier zur Einwanderung vorgelegt. Es geht um den Fachkräftemangel, abgelehnte Asylbewerber mit einem Arbeitsplatz werden jedoch nicht erwähnt.

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Wie es zum Fachkräftemangel kommt

Die deutsche Wirtschaft wächst seit Jahren, die Arbeitslosigkeit ist gesunken. In manchen Regionen vor allem im Süden herrscht Vollbeschäftigung. Das heißt aber auch: Viele Firmen haben zunehmend Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Insgesamt können derzeit 1,6 Millionen Stellen nicht besetzt werden, weil Fachkräfte fehlen, wie aus einem Arbeitsmarktreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht.

Dazu kommt der demografische Wandel. Für fast 60 Prozent der Unternehmen ist das Hauptmotiv für die Suche nach Fachkräften das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern. Jährlich scheiden laut Report rund 300.000 Beschäftigte mehr aus Betrieben aus als junge hinzukommen.

Für Entlastung sorgte in den vergangenen Jahren die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen und eine hohe Zuwanderung aus dem EU-Ausland. Weil es aber den Ländern in Südeuropa wieder besser geht, lässt dieser Effekt nach. Daher heißt es auch im Eckpunktepapier: "Wir werden uns zukünftig stärker dafür einsetzen, Fachkräften aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union langfristige Chancen in Deutschland aufzuzeigen." Dazu kommen laut DIHK-Report steigende Qualifikationsanforderungen - vor allem durch den Einsatz neuer Technologien im Zuge der Digitalisierung.

Die Folgen des Fachkräftemangels?

Die Auswirkungen sind massiv - und vielfältig. Weil es zu wenig Fachkräfte auf dem Bau gibt, stockt zum Beispiel der Ausbau des schnellen Internets oder die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur - auch weil in Behörden Planungskapazitäten fehlen. Kunden müssen länger auf einen Handwerker warten, auch dort nimmt der Fachkräftemangel nach Branchenangaben immer größere Ausmaße an.

Der Fachkräftemangel führt außerdem dazu, das viele Unternehmen an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen. Auch wenn die vorhandenen Mitarbeiter mehr arbeiten, können zum Teil keine Aufträge angenommen werden - was Folgen für das gesamte Wirtschaftswachstum haben kann. "Insgesamt hat sich der Fachkräftemangel zu einem bedeutenden Risiko für die deutsche Wirtschaft entwickelt", heißt es im Eckpunktepapier.

Besonders betroffene Branchen

Zu wenig Fachkräfte gibt es etwa am Bau, in der Logistik, in der Pflege oder im Gastgewerbe - aber laut DIHK-Report auch im Maschinenbau und bei IT-Dienstleitern. Seit Jahren gibt es vor allem in den sogenannten MINT-Fächern einen Mangel. So berichtete der Branchenverband ZVEI, fast alle Elektro-Unternehmen hätten Probleme, genug Mitarbeiter mit Fachwissen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) zu gewinnen.

Warum die Lage in der Pflege so brisant ist

In der alternden Gesellschaft werden absehbar immer mehr Menschen pflegebedürftig. Doch schon jetzt herrscht angesichts oft belastender Arbeitsbedingen akute Personalnot. In der Alten- und Krankenpflege sind 35.000 Stellen für Fachkräfte und Helfer unbesetzt. Und ohne ausländische Kräfte ist es ohnehin kaum mehr möglich, ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung zu betreiben, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagt.

Ergänzend zu Plänen, den Beruf für Inländer attraktiver zu machen, sollen mehr Fachkräfte aus dem Ausland geholt werden - aus Staaten mit junger Bevölkerung, um nicht andere Länder mit Bedarf zu schwächen. Massive Probleme macht bisher aber etwa, dass Visa und die Anerkennung von Abschlüssen viel zu lange brauchen. Seehofers Eckpunktepapier sieht insbesondere für den Pflegebereich "Berufsausbildungsprogramme mit integrierter Sprachausbildung" vor, die "im Ausland angeboten und durch die Branche selbst finanziert werden" sollen. Auch eine "gezielte Werbestrategie zur Gewinnung von Fachkräften mit Blick auf ausgewählte Zielländer" ist geplant.

Welche ausländischen Arbeitnehmer gibt es schon?

Von den 32,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland hatten im vergangenen Jahr rund 3,6 Millionen einen ausländischen Pass. Nach einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit waren darunter 1,3 Millionen Hilfskräfte, 1,7 Millionen Fachkräfte mit entsprechender Berufsausbildung sowie etwa 570.000 Hochqualifizierte mit einer Meisterausbildung oder einem Hochschulabschluss.

Etwas mehr als die Hälfte der 3,6 Millionen ausländischen Arbeitskräfte kam aus EU-Staaten. Die größte Gruppe der Nicht-Europäer stellten die 62.317 Syrer, gefolgt von den Arbeitskräften aus Indien (41.113), Afghanistan (40.310) und China (37.297). Während bei den Zuwanderern aus Syrien und Afghanistan der Anteil der Hilfskräfte vergleichsweise groß war, stellten die Inder und Chinesen überdurchschnittlich viele Hochqualifizierte.

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