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20 Jahre deutsche Übersetzung - Was hat Harry Potter jemals für uns getan?

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1998 erschien "Harry Potter und der Stein der Weisen" auf Deutsch. Am 31. August kommt die Neuausgabe, Rufus Beck bricht zu einer Lesereise auf - das Potter-Fieber ist wieder da.

Zwei Mädchen mit letztem Band von Harry Potter
Eine 20-jährige Erfolgsgeschichte: die Harry Potter-Saga
Quelle: dpa

Wir wissen, dass Besen Sportgeräte sind, Butterbier ein Getränk ist und wie man "Wingardium Leviosa" korrekt ausspricht. Wir sind keine unwissenden Muggel, und wir sind stolz darauf, dass wir die letzten sind, die Teil eines Hypes waren, der nicht auf Bildschirmen, sondern auf bedrucktem Papier stattfand. Warum die Geschichte um den jungen Zauberlehrling Harry Potter aber eben nicht nur ein Buch ist, sondern eine Generation literarisch prägte, und was Harry Potter, frei nach Monty Python, jemals für uns getan hat, sei hier aufgeführt:

Der 11. Geburtstag

Obwohl in der Kindheit wohl jeder Geburtstag noch das etwas Besonderes ist, dürfte der 11. Geburtstag dank Joanne K. Rowling für Kinder auf einer ähnlich hohen Stufe stehen wie der 18. bei Teenagern. Bei vielen mag wahrscheinlich dennoch die Enttäuschung da gewesen sein, dass in den meisten Fällen auch an diesem Geburtstag keine Eule die erwartete Einladung in die "Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei" brachte. Gleichzeitig dürfte die Begeisterung für die eigene Verwandtschaft angesichts von Harrys Tante, Onkel und Cousin gewachsen sein.

In der Schule wird gelebt

Wenn also kein Brief aus Hogwarts kam und man sich nach der Grundschule nach einer anderen weiterführenden Bildungseinrichtung als dem Zauberinternat umschauen musste, hatte man wohl hohe Ansprüche. Doch auch wenn Sportstunden auf fliegenden Besen oder Biountericht mit schreienden Pflanzen und Einhörnern kaum zum Portfolio einer hiesigen Schule gehörten, haben Schulwechsel durch Harry Potter wohl eine eigene Romantik entwickelt. Mit einer Internatsgeschichte begab sich Rowling außerdem in die Gesellschaft anderer erfolgreicher Schulgeschichten-Autoren wie der ebenfalls britischen Schöpferin von "Hanni und Nanni", Enid Blyton.

Neue Trendsportart

Quidditch-Spieler
Die meisten kennen Quidditch nur als spektakulären Flug-Ballsport aus den Harry Potter-Büchern. Aber das Spiel gibt es auch in echt.
Quelle: ZDF

Zwar mangelt es nach wie vor noch an fliegendem Putzgerät, doch am Boden hat sich der Harry-Potter-Sport Quidditch tatsächlich zu einer anerkannten Sportart entwickelt. Inzwischen gibt es auch in vielen deutschen Städten eigene Teams, 2016 fand in Frankfurt am Main die offizielle Weltmeisterschaft mit internationaler Beteiligung statt. Rekordsieger ist übrigens nicht - wie zu erwarten - England, sondern sind die USA, wo es an vielen Universitäten eigene Mannschaften gibt.

Fabelhafte Verkehrsmittel

Vermeintliche Visionäre feiern das Lufttaxi als Fortbewegungsmittel von Morgen, dabei präsentierte Joanne K. Rowling schon 1998 den funktionierenden Prototypen eines fliegenden Ford Anglia. Auch der Verkehr auf der Schiene hat im Hogwarts-Express ein prominentes Vorbild: Fällt im ICE mal wieder das Bord-Bistro aus, gibt es die Fahrgastverpflegung wieder per klassischem Handwagen. Glücklicherweise setzte es sich in den letzten 20 Jahren nicht durch, schlecht nummerierte Bahnstiege durch eine Wand zu betreten.

Erfolgreiche Filmreihe

Die größte Konkurrenz bekam das Buch durch seine eigene Verfilmung. Während bei treuen Lesern die Bilder noch im Kopf entstanden, brachte Warner Brothers das Opus 2001 erstmalig auf die Leinwand. Der Ur-Harry-Potter-Fan fühlte seine eigene Fantasie durch die Verfilmung freilich verunglimpft, war man doch in der Zauberwelt auch ohne Kino zurechtgekommen. Der Erfolg der Filme mit Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint führte letztendlich zu dem ironischen Phänomen, dass die Jagd auf die in Teile gespaltene Seele von Harrys Erzfeind Voldemort im siebten Teil ihrerseits in zwei Teile gespalten wurde. Die Filmindustrie hatte das Erfolgspotential von Sequels erkannt. Inzwischen gibt es kaum noch einen Monat, in dem kein fortlaufend nummerierter Film im Kino erscheint.

Der letzte echte Lese-Hype

Menschen campieren vor den Geschäften, nächtliche Sondertransporte sorgen für die sofortige Auslieferung des Produktes direkt nach der Veröffentlichung, Spezialisten analysierten schon Stunden später die Einzelteile des Werkes - und das bei einem Buch. Während ähnliche Phänomene in den letzten Jahren iPhones vorbehalten waren, fand genau das bei der Veröffentlichung des letzten Harry-Potter-Bandes 2007 in Deutschland statt. Auch die Originalisten gab es damals schon getreu dem Motto: "Das les' ich nur im englischen Original, da kommt der Inhalt viel besser rüber."

Archiv: Arne aus dem mecklenburgischen Pokrent liest am 10.10.2000 in einem Harry Potter-Buch
Allein in Deutschland gingen die Bücher über 33 Millionen Mahl über den Ladentisch.
Quelle: dpa

Harry Potter hat also unzweifelhaft einiges für uns getan. Die von Rowling erschaffene Fantasy-Welt hat ihre Spuren auch in unserer realen Welt hinterlassen. Über 450 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, die Filme spielten gut 7,7 Milliarden US-Dollar ein und machten die Hauptdarsteller zu Stars.

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