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Neuer Mobilfunkstandard - Funklöcher: Was 5G bringt

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Eine "verlässliche und lückenlose Mobilfunkversorgung" verspricht der Koalitionsvertrag. 5G soll die Lösung sein. Doch wird das wirklich etwas ändern?

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Nach welchen Spielregeln startet Deutschland ins 5G-Zeitalter? Wer profitiert vom neuen Mobilfunkstandard, und wie und wann soll die Technik für superschnelles Internet auch in abgelegenen Regionen verfügbar sein? Über diese Fragen ist eine heftige Debatte entbrannt, bevor der Beirat der Bundesnetzagentur am Montag über die Vergabebedingungen befinden will. Ein Überblick:

Was 5G kann

Der neue Mobilfunkstandard löst weltweit Schritt für Schritt die 4G-Technik (auch als LTE bekannt) ab und soll durch eine enorme Geschwindigkeitssteigerung bis in den Gigabit-Bereich den Weg für zahlreiche Anwendungen ebnen, die eine Datenübertragung in Echtzeit benötigen. So fallen etwa bei selbstfahrenden Autos, die künftig den Verkehrsinfarkt in den Städten lindern könnten, gewaltige Datenmengen an. Und die Wirtschaft setzt auf intelligent vernetzte Fabriken und Maschinen, die beispielsweise selbst vorhersagen, wann sie eine Wartung benötigen.

Auch für Verbraucher bietet 5G abseits der immer größer werdenden Datenmengen beim Streamen von Videos neue Möglichkeiten: So sollen etwa Augmented- oder Virtual-Reality-Apps beim Shoppen schneller und umfangreicher Informationen liefern - sei es über Inhaltsstoffe von Produkten oder darüber, ob neue Möbel auch ins eigene Wohnzimmer passen.

Bis die meisten Handybesitzer 5G nutzen können, wird es allerdings noch Jahre dauern. Selbst der Vorgängerstandard 4G ist noch längst nicht überall in Deutschland verfügbar. Für 5G will die Bundesnetzagentur nun im kommenden Frühjahr Frequenzen versteigern.

Die Pläne der Netzagentur

Mitte November hat die Behörde ihren finalen Entwurf für die 5G-Frequenzauktion vorgelegt und die Auflagen für die Bieter auf Druck aus der Politik verschärft. Diese müssen nun zunächst bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, alle Bundesautobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen sowie die wichtigsten Schienenwege mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgen - bis Ende 2024 dann unter anderem auch alle wichtigen Wasserstraßen und die übrigen Schienenwege mit mindestens 50 Mbit/s.

Ein besonderer Knackpunkt ist das sogenannte Roaming - also dass Kunden eines Anbieters in Funklöchern automatisch auf die Handynetze der Konkurrenten umgeleitet werden. Hierzu will die Netzagentur den Betreibern ein "Verhandlungsgebot zu Kooperationen" auferlegen und diesen Prozess als "Schiedsrichter" aktiv begleiten. Das könnte auch für Neueinsteiger bei den Betreibern die Chancen auf einen Markteintritt erhöhen. Rechtlich verpflichten, ihre Netze mit Konkurrenten zu teilen, kann die Behörde die Anbieter bislang aber nicht.

Weiße Flecken

Zündstoff birgt immer wieder die Debatte über die Flächenabdeckung: Während etwa der Bauernverband und der Deutsche Städte- und Gemeindebund betonen, dass 5G sehr wohl auch "an jeder Milchkanne" notwendig sei, warnt die Digitalwirtschaft vor "unverhältnismäßigen Auflagen für die Netzbetreiber"

Aus Verbrauchersicht seien die geplanten Vorgaben der Netzagentur enttäuschend, sagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Haushalte in schwer zugänglichen Gebieten würden benachteiligt. Die Verbraucherschützer befürchten, dass ohne verbindliche Regulierungsvorgaben "Funklöcher auf dem Land auch in Zukunft leidige Realität bleiben" werden.

Die Bundesnetzagentur selbst sagt, sie habe berücksichtigen müssen "was technisch, wirtschaftlich und rechtlich möglich ist". Die zwei Prozent nicht abgedeckten Haushalte liegen in schwer zugänglichen Gebieten, meist im ländlichen Raum, wo sich der Ausbau für die Konzerne kaum rechnet.

Die Rolle der Netzbetreiber

Die drei großen Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland spielen auch beim 5G-Ausbau eine wichtige Rolle, da sie bereits eine Netzinfrastruktur haben. Strenge Auflagen sind ihnen ein Dorn im Auge. Die Betreiber verweisen stets darauf, dass eine hundertprozentige Flächenabdeckung technisch nicht notwendig und betriebswirtschaftlich nicht vertretbar sei. Die Telekom hatte sich zuletzt darauf verpflichtet, 90 Prozent der Fläche Deutschlands bis zum Jahr 2025 mit 5G zu versorgen und dabei 99 Prozent der Bevölkerung zu erreichen.

Mit von der Partie in der 5G-Diskussion sind auch sogenannte Diensteanbieter wie 1&1 oder Freenet, die zwar kein eigenes Netz haben, aber bei den großen Anbietern Netzkapazitäten einkaufen und daraus dann Produkte für ihre eigenen Kunden schnüren. Für Verbraucher kann dies mehr Wettbewerb und damit auch günstigere Preise bedeuten.

Um den Wettbewerb anzuheizen, befürwortet der Verbraucherverband neben der Telekom, Vodafone und Telefónica einen vierten Netzbetreiber auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Damit Neueinsteiger auf dem Markt Fuß fassen können, sollte National Roaming, also der flexible Netzwechsel im Inland, zumindest zeitweise ermöglicht werden. "So kann ein vierter Netzbetreiber in der Aufbauphase die bereits zur Verfügung stehende Infrastruktur der anderen Netzbetreiber mitnutzen." Die drei großen Anbieter lehnen das entschieden ab, weil mit einer solchen "Trittbrettfahrerei" ihre eigenen Investitionen entwertet würden.

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