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Was Kokain in Lateinamerika anrichtet

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Weltweiter Drogenhandel - Was Kokain in Lateinamerika anrichtet

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Die Kokainindustrie produziert Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika. Was passiert mit dem Geld, dass der Kokainkonsum im Westen generiert?

Kokain in Obst-Container entdeckt. Archivbild
Der hohe weltweite Kokainkonsum sorgt für massiven Waldverlust in den Produzentenländern.
Quelle: Christian Charisius/dpa

Es ist ein großer Erfolg für Rauschgiftfahnder in Hamburg. In über 400 schwarzen Sporttaschen fanden sie rund 4,5 Tonnen Kokain - vermutlich aus Südamerika. Das ist bislang die größte Einzelsicherstellung von Kokain in Deutschland, teilte das Hauptzollamt mit. Die beschlagnahmte Ware hat einen Straßenverkaufswert von rund einer Milliarde Euro.

Diese Meldung macht deutlich, welch enorme Wirtschaftskraft der Drogenhandel besitzt. Schätzungen der US-amerikanischen Drogenbehörde gehen davon aus, dass allein aus Kolumbien jährlich Kokain im Straßenverkaufswert von bis zu 90 Milliarden in die Vereinigten Staaten gelangen. Wirklich überprüfbar sind diese Zahlen nicht, denn für den Drogenhandel gibt es keine offiziellen Einfuhr-Statistiken, sondern nur Schätzungen, die auf Basis der sichergestellten Menge erfolgen.

Drogengeld wird in Waffen reinvestiert

Die Gewinne des Drogenhandels werden in der Region reinvestiert. Unter anderem in Waffen. Welche Auswirkungen das hat, zeigt eine neue Statistik aus Mexiko. Dort bleibt die Zahl von Opfern, die von illegal aus den USA eingeführten Waffen getötet werden, unverändert hoch. Laut der Zeitung "Vanguardia" wurden von Januar 2015 bis Juni 2019 insgesamt 56.588 Menschen gezählt, die von unerlaubt ins Land gelangten Waffen getötet worden sind. Statistisch betrachtet wären dies sieben von zehn Mordfällen oder 34 Tote am Tag. Die meisten der Waffen stammten aus den Bundesstaaten Texas, Kalifornien und Arizona. Ein nicht unwesentlicher Teil des dafür ausgegebenen Geldes stammt aus den Einkünften der mexikanischen Drogenmafia.

Mexikos neue Regierung kämpft nun sowohl gegen Drogenanbau als auch gegen den Waffenhandel. Regierungssprecher Jesus Ramírez Cuevas sagte mit Blick auf die Produktion der jüngsten Präsentation des UN-Drogenberichts, die Wahrung der Menschen und Menschenrechte müsse wieder in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Zahlen, die die UNO im Juli veröffentlichte, sind dramatisch. Zwischen 2009 und 2017 stieg die Zahl der Drogenkonsumenten weltweit von 210 auf 271 Millionen Menschen, das heißt etwa 5,5 Prozent der Menschen im Alter 15 und 64 Jahren. Das alles hat gravierende Konsequenzen.

Umweltschützer sind in Lebensgefahr

Der Kokainkonsum sorgt nämlich auch für massiven Waldverlust in den Produzentenländern. Besonders betroffen ist Kolumbien, zusammen mit Peru der weltgrößte Produzent der Droge. Die dort für den Koka-Anbau gerodete Fläche stieg im Jahr 2017 auf 49.416 Hektar. Zudem ist der Drogenanbau nach Erkenntnissen der Heinrich-Böll-Stiftung in Bogota in 17 der 59 ökologisch geschützten Nationalparks vorgedrungen. Menschenrechtler und Umweltschützer, die sich diesem Anbau in den Weg stellen, sind in Lebensgefahr. In den vergangenen zwei Jahren wurden Hunderte Aktivisten in Kolumbien ermordet.

Dramatisch für die Umwelt ist auch, dass die kolumbianische Regierung erwägt, zur Bekämpfung des Drogenanbaus zur Anwendung von Glyphosat zurückzukehren. Kolumbianische und ecuadorianische Bischöfe kritisierten das jüngst scharf. Ein solcher Einsatz habe sowohl negative Konsequenzen für das menschliche Leben als auch für die Umwelt. 

Die Vorgängerregierung von Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos (2010 bis 2018) hatte aus Umweltschutzgründen im Mai 2015 den Einsatz von Glyphosat gestoppt. Der Einsatz des Pflanzenschutzmittels ist umstritten. Während Umweltschützer davon ausgehen, Glyphosat sei krebserregend und umweltschädlich, halten Befürworter dagegen, wissenschaftliche Studien hätten die Unbedenklichkeit des Mittels bestätigt.

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