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Prozess um Milliardengeschäft - Was macht Facebook mit unseren Daten?

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Ein Datenschutzaktivist will nicht, dass Facebook seine Daten in die USA übermittelt. Denn was der Konzern damit macht, ist geheim. Diese sechs Fragen lassen sich aber beantworten.

Die Facebook-App auf einem Smartphone-Bildschirm. Symbolbild
Wer im Internet surft, sich in den sozialen Netzen bewegt oder ein Smartphone benutzt, dessen persönliche Daten sammelt Facebook.
Quelle: Fabian Sommer/dpa

Der österreichische Datenschutzaktivist Maximilian Schrems klagt vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Übermittlung seiner Facebook-Daten in die USA. Facebook macht ein ziemliches Geheimnis daraus, was mit den gesammelten Daten passiert. Doch völlig geheim halten können sie es nicht.

1. Welche Daten sammelt Facebook eigentlich?

Wer im Internet surft, sich in den sozialen Netzen bewegt oder ein Smartphone benutzt, dessen persönliche Daten sammelt Facebook. Die Daten von Facebook-Mitgliedern kann der Internet-Konzern dabei leichter einer konkreten Person zuordnen als die von Nicht-Mitgliedern. Verarbeitet werden aber alle Daten eines jeden Netz-Nutzers. Wann der Nutzer welche Webseite aufgerufen hat und was er sich dort anschaute, wird genauso erfasst wie seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Mit wem er auf Facebook oder Instagram kommuniziert, wer welche Posts oder Bilder liked, wer in diesen Netzwerken wen kennt - Facebook weiß es.

Aus den auf Facebook und Instagram hochgeladenen Bildern, Texten oder Videoclips kann sogar die politische Einstellung oder die sexuelle Orientierung des Nutzers berechnet werden. Facebook ortet Smartphones und weiß, wo sich welcher Netz-Nutzer gerade aufhält.

2. Was passiert mit meinen Daten, die ich auf Facebook oder Instagram hochgeladen habe?

Diese Daten liegen zwar verteilt auf unterschiedlichen Servern, können aber für Analysezwecke zusammengeführt und angereichert werden, zum Beispiel mit Verhaltensdaten des Internet-Nutzers. Dazu zählen aufgerufene Webseiten und angeklickte Links. Weil bei der Web-Nutzung eines Users auch die jeweilige Uhrzeit protokolliert werden kann, entsteht so ein gläserner Anwender, dessen Tagesablauf vollkommen transparent ist.

Kombiniert mit den Ortungsdaten des Smartphone, die den Standort des Nutzers verraten, entsteht ein komplettes Verhaltensprofil. Diese Profile werden nach dem bisherigen Wissenstand nicht dauerhaft gespeichert, sondern nur im Bedarfsfall zusammengestellt.

Jeder kennt ihn und sein Unternehmen: Mark Zuckerberg und Facebook. 2004 als studentisches Projekt geplant, wurde die Plattform zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Welt.

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41 min
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3. Wo liegen die Daten der Facebook-Nutzer?

Die Daten der Nutzer werden weltweit auf unterschiedlichen Servern gespeichert.
Im März erfragte der hamburgische Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, Professor Johannes Caspar, bei Facebook, welche Daten das Unternehmen für sogenannte "Beobachtungslisten" speichert. Die Antwort lässt noch auf sich warten. Facebook bat um eine Fristverlängerung bei der Beantwortung dieser Frage. Die Begründung: Davon seien verschiedene Niederlassungen mit ihren jeweiligen Servern betroffen.

Der Speicherort spielt jedoch überhaupt keine Rolle, wenn zentrale Auswertungen gefahren und Analysen etwa bestimmter Personengruppen erstellt werden sollen. Auch wenn Daten auf einem Server in Europa liegen, können diese Daten ohne Probleme von der Facebook-Zentrale in den USA oder zum Beispiel von einer Facebook-Niederlassung in Asien ausgewertet werden.

4. Wie ortet Facebook Smartphones?

Seit recherchiert wurde, wie Facebook Konzerngegner überwacht, ist bekannt, dass Facebook den Standort von Smartphones ermittelt. Das passiert über das Satellitennavigationssystem GPS, über W-LAN-Hotspots und über Mobilfunksendemasten. Durch die Auswertung von Signallaufzeiten kann die Position eines Smartphone-Besitzers bis auf den Meter genau berechnet werden. Bei den meisten Smartphones ist die Einstellung "Standortzugriff" ab Werk aktiviert.

Doch auch wenn diese Einstellung vom Smartphone-Nutzer deaktiviert wurde, kann Facebook Standortdaten erheben. Das passiert zum Beispiel über die Facebook-App. Die gibt den Standort auch dann an die Zentrale weiter, wenn der Smartphone-Besitzer diesen Standortzugriff eigentlich ausgeschaltet hat. "Möglicherweise werden dennoch genaue Standortdaten geteilt, wenn Du unsere Produkte verwendest", erläutert Facebook auf seinen Erklär-Seiten zum Standortzugriff. Und als Beispiel für eine solche vom Nutzer gar nicht bemerkte Ortung führt Facebook an: "Beispielsweise empfangen und speichern wir möglicherweise Standortdaten, wenn du einen Ort besuchst und mit 'ich bin hier' markierst, eine Veranstaltung zu- oder absagst oder Fotos postest, die Standortinformationen enthalten."

5. Haben Nachrichtendienste wie die National Security Agency (NSA) Zugriff auf die von Facebook gesammelten Daten?

Die amerikanische Gesetzeslage sieht vor, dass US-Sicherheitsbehörden auf Daten des Internetkonzerns zugreifen können. Der Konzern selbst kann in solchen Fällen zum Stillschweigen verpflichtet werden. Darüber hinaus kooperiert Facebook mit dem Branchenverband Interactive Advertising Bureau. Die dort zusammengeschlossenen Unternehmen erstellen standardmäßig Nutzerprofile und verkaufen sie auch an Regierungen und deren Nachrichtendienste.

Deshalb scheint die Annahme begründet, dass nicht nur amerikanische Nachrichtendienste über Datenhändler Zugriff auf die von Facebook gesammelten Daten haben. In einigen Fällen liegen Indizien vor, dass zum Beispiel die ägyptische oder türkische Regierung über internationale Datenhändler Facebook-Daten erworben hat. Außerdem hat Facebook in der Vergangenheit des Öfteren grundlegende technische Regeln der Datensicherheit missachtet, so dass von Facebook gesammelte Nutzerdaten mehr oder minder öffentlich oder zumindest bestimmten Angreifern zugänglich waren. Auch auf diesem Weg gelangen Nachrichtendienste wie die NSA an Daten, die Facebook gesammelt hat.

6. Wie werden die von Facebook gesammelten Daten verknüpft?

Wenn ein Nutzer eine Website besucht und ihm eine auf ihn zugeschnittene Anzeige eingespielt wird, werden seine persönlichen Daten in Echtzeit an die in einem Branchenverband zusammengeschlossenen Datenhändler weitergereicht. Über die erhobenen Identitätsnummern, Signaturen und Schlüssel werden nicht nur PCs, Tablets oder Smartphones erkannt, sondern auch deren Besitzer bzw. Nutzer identifiziert.

Für diese Identifizierungen werden die Facebook-ID sowie eigens von den Datenhändlern entwickelte Identitätsnummern eingesetzt. Das Verfahren für die Datenverknüpfung und die Identifizierung wurde bekannt, als der Europa-Managers von Facebook, Richard Allan, vor dem Innen- und Rechtsausschuss des Kieler Landtages im Sommer 2011 aussagte.

Alle gesammelten Daten können der Facebook-ID zugeordnet werden. So kann ein detailliertes persönliches Profil eines Internet-Nutzers durch die Verknüpfung von Daten aus seinem Surfverhalten, seiner Aktivität in sozialen Netzwerken, seinen Posts auf Facebook und Instagram erstellt werden, dass nicht nur sein künftiges Kaufverhalten prognostiziert, sondern ihn vollkommen berechenbar und manipulierbar werden lässt.

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