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ZDF-Doku "Am Puls Deutschlands" - Abgehängt und abgeschrieben - das Gefühl im Osten

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Was stört die Menschen im Osten Deutschlands, was wünschen sie sich von der Politik? Unter #wasmichimostenstoert hat das ZDF nachgefragt - und zeigt die Antworten in einer Doku.

Was sollte im Osten Deutschlands anders laufen? Was stört die Menschen, was wünschen sie sich von der Politik? Das will Jochen Breyer vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen wissen.

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29 min
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Eine der häufigsten Antworten beschreibt ein Gefühl: abgehängt zu sein. Und das scheint größer zu werden, je weiter man sich von der Stadt entfernt: "Die Menschen auf dem Land fühlen sich vergessen und verraten", sagt Uwe Andreas. Seit diesem Jahr ist er Ortsvorsteher in Sachsendorf, einem 500-Seelen-Ort im Osten Brandenburgs: Die örtliche Grundschule gibt es nicht mehr, in den Sommerferien ist der Busbetrieb eingestellt - und die Landstraße wurde in den letzten Jahrzehnten bestenfalls notdürftig renoviert. Viele Einwohner empfänden das Leben in Sachsendorf als rückwärtsgewandt.

"Menschen haben Frust"

"In den letzten 20 Jahren ist hier so gut wie nichts passiert. Die blühenden Landschaften, die uns irgendwo versprochen wurden, sind einfach nicht hier in der Region angekommen." Da käme manchen die AfD zur rechten Zeit, meint Uwe Andreas. Eine Einschätzung, die auch einige Teilnehmer des Senioren-Treffs gleich neben der Kirche teilen: "Die Menschen haben Frust. Und wenn das passiert, wählen sie die AfD. Ich hab auch die AfD gewählt. Aus Frust, nur aus Frust!" Bei der Europawahl kam die AfD hier auf 33 Prozent. Und auch jetzt, bei der Landtagswahl, wollen viele aus Protest AfD wählen, um den etablierten Parteien die rote Karte zu zeigen: "Dass die munter werden, dass die unter Druck kommen. Wir haben doch keine andere Möglichkeit", fasst ein Rentner zusammen.

Abgehängt und abgeschrieben, ein Gefühl der Ungleichheit auch 30 Jahre nach dem Mauerfall - dieser Eindruck zieht sich wie ein roter Faden durch viele der Reaktionen auf den Aufruf #wasmichimostenstoert. Genauso wie das zweite große Thema: das Verhältnis von Ost zu West. Viele Ostdeutsche fühlen sich falsch dargestellt - vom "arroganten Westen" abgestempelt als "Jammer-Ossis".

Erst vor kurzem zeigte eine Allensbach-Umfrage: Jeder Dritte im Osten fühlt sich als Bürger zweiter Klasse. Und das, so belegen die Antworten auf #wasmichimostenstoert, nicht nur ökonomisch, sondern oft auch ganz persönlich.

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43 min
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"Joviale Herablassung"

"Menschen aus dem Westen sehen uns nicht als gleichwertige Menschen an", kritisiert etwa Rentner Harald F. aus Leipzig. "Das Beste, was man kriegen kann, ist eine joviale Herablassung. Ich glaube sogar, dass das vielen gar nicht so bewusst ist. Unterschwellig sitzt das - und dreht sich ganz schnell, wenn sie sich dann auf einen einlassen."

Ganz ähnlich empfindet auch die junge Lehrerin Marika B: Seit Jahren muss sich die Leipzigerin "Ost-Kommentare" anhören, geht dann bewusst in die Diskussion, versucht Brücken zu bauen und resigniert doch immer öfter. "Man könnte sich einen Nationaltrainer vorstellen, der vielleicht 'ne dunkle Hautfarbe hat oder türkischer Abstammung ist - aber einer, der sächselt? Niemals! Und das Schlimme finde ich ja tatsächlich, dass das in mir selber auch so drin ist."

Innerdeutscher Konflikt wesentlich

"Ich halte den innerdeutschen Konflikt für wesentlich", bestätigt auch Autorin Jana Hensel im Gespräch mit Reporter Jochen Breyer. Hensel hat gerade ein Buch veröffentlicht: "Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein". "Wenn man viel im Osten unterwegs ist, hört man immer diesen Unterton", so Hensel. "Über die Westdeutschen, die man als oberlehrerhaft empfindet. Sehr viele Ostdeutsche empfinden sich als Bürger zweiter Klasse." Ein Grund dafür: Zwar ginge es vielen Ostdeutschen heute ökonomisch und finanziell besser als in der DDR; sie hätten aber soziale Positionen eingebüßt. Daraus entstehe eine Konfliktsituation, so Hensel.

#wasmichimostenstoert - häufig genannt wurde die Ungleichheit und der daraus entstehende Frust, Vorurteile und Verletzungen, ein schwieriges innerdeutsches Verhältnis auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer. Die Doku "Am Puls Deutschlands" zeichnet ein eindringliches Bild Deutschlands - dieses Mal mit Fokus auf die östlichen Bundesländer.

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