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Was die PSA-Chrysler-Fusion für Opel bedeutet

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Firmenhochzeit angekündigt - Was die PSA-Chrysler-Fusion für Opel bedeutet

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Die Fusion der Opel-Konzernmutter PSA mit Fiat Chrysler bedeutet für die Beschäftigten eine Phase der Unsicherheit. Experte Dudenhöffer sieht die Entwicklungszentren unter Druck.

Fiat Chrysler und der Peugeot-Konzern haben ihre Fusion besiegelt. Damit ist der viertgrößte Autokonzern der Welt gegründet. Jährlich wollen sie etwa 8,7 Millionen Fahrzeuge bauen.

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Die beiden Autobauer PSA und Fiat Chrysler haben den Plan für ihre Fusion vereinbart. In rund einem Jahr soll die Firmenhochzeit vollzogen sein, sofern die Kartellbehörden grünes Licht geben. Die Regierungen in Rom und Paris feiern den Zusammenschluss bereits, es entstehe ein neuer "europäischer Champion". Für die Beschäftigten - unter anderem bei Opel - beginnt zumindest auch eine Zeit der Unsicherheit.

Opel scheint aus dem Gröbsten raus

Zwar haben beide Unternehmen versichert, dass es keine Standortschließungen geben werde. Allerdings ist es das Ziel, durch die Fusion jährlich Kosten in Höhe von 3,7 Milliarden Euro einzusparen. Durch die zunehmende Tendenz in Richtung alternativer Antriebe, insbesondere Elektromobilität, steigt der Druck auf die Arbeitsplätze weiter. Denn Elektromotoren benötigen viel weniger Arbeitsschritte als herkömmliche Verbrenner.

Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler schätzt, dass durch diese Transformation in den kommenden Jahren zwischen fünf und zehn Prozent der Stellen wegfallen könnten - konkret wären das zwischen 20.000 und 40.000 im dann neu entstandnenen Großkonzern. "Allerdings, das hat man bei Opel gesehen, geschieht das in der Regel sozialverträglich, über Abfindungen und Regelungen zum Vorruhestand." Pieper sieht Opel gerade durch die Rosskur, die das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren durchlaufen hat, in einer vergleichsweise guten Stellung im geplanten Großkonzern. "Bei Opel ist die Hauptarbeit getan, man ist wieder gut aufgestellt. Ich glaube, im Endeffekt überwiegen die Chancen, dass es bei Opel positiv weitergeht."

Opel wurde erst vor gut zwei Jahren von der Peugeot-Mutter PSA übernommen. PSA-Chef Carlos Tavares hatte Opel mit dessen Chef Michael Lohscheller einen harten Spar- und Sanierungskurs verschrieben. Nun schreibt Opel wieder schwarze Zahlen. Allerdings ist die Zahl der Opel-Beschäftigten in dieser Zeit um über 6.000 geschrumpft. "Es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund, warum man Opel jetzt weiter unter Druck setzen sollte", meint Pieper deswegen.

Dudenhöffer: Opel ist Verlierer der Fusion

Tavares wird auch das fusionierte Unternehmen PSA-Fiat-Chrysler leiten. Aus diesem Grund zeigt sich der Autoexperte der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, skeptischer. "Carlos Tavares ist dafür bekannt, dass er hart und gnadenlos an die Sache geht." Opel sei der Verlierer bei der Fusion. Vor allem die Entwicklungszentren würden bald auf den Prüfstand kommen. Eines davon gibt es noch am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim. "Kein Mensch braucht Entwicklungszentren in den USA, Turin, Paris und Rüsselsheim. Die Ingenieure sind diesmal die großen Verlierer. Kritisch könnte es für Rüsselsheim und Turin werden."

In der Tat besteht der Vorteil einer Fusion von Autoherstellern wie PSA und Fiat Chrysler unter anderem darin, ein und dieselbe Plattform eines Automodells in die unterschiedlichen Markenhüllen der Tochtermarken zu stecken. Deswegen braucht nicht jede Marke ein eigenes Entwicklungszentrum, es sei denn für ein jeweils eigens Design. Auch sehen die aktuell noch laufenden Sanierungspläne für Opel vor, dass im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim 2.000 der 6.400 Stellen wegfallen sollen.

Mitarbeiter bei Opel äußern hinter vorgehaltener Hand deswegen Ängste. "Dass so etwas zunächst einmal Ängste und Sorgen auslöst, liegt auf der Hand", sagte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter des IG-Metall-Bezirks Mitte. In dem Bezirk liegen die wichtigsten Opel-Standorte Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach. "Das kommt zusammen mit den Nachrichten über die konjunkturelle Entwicklung und die Transformationsprozesse in der Automobilindustrie." Geschützt aber sind die Opel-Beschäftigten durch einen im Zuge der Übernahme durch PSA geschlossenen Tarifvertrag. Der schließt bis Juli 2023 betriebsbedingte Kündigungen aus.

Vorteil für PSA: Zugang zum US-Markt

Andererseits bietet ein Zusammenschluss aber auch Chancen. Denn die Umwälzungen in der Autoindustrie wie die alternativen Antriebe, die Digitalisierung, neue Mobilitätskonzepte und automatische oder teilautomatische Fahrsysteme erfordern milliardenschwere Investitionen. Und die können Konzerne leichter stemmen, je größer sie sind und je effizienter und günstiger sie produzieren können.

Fiat Chrysler könnte durch die Firmenehe profitieren, weil es der Konzern in den vergangenen Jahren versäumt hat, in Elektroautos zu investieren. Peugeot PSA dagegen würde sich im Zuge einer Fusion ein breites Tor zum amerikanischen Markt öffnen. PSA ist dafür in Europa stärker. Auch bei der Entwicklung von Hybrid- und Batterie-Fahrzeugen sind die Franzosen weiter als die Italoamerikaner.

Allerdings ist auch das nach Ansicht von Ferdinand Dudenhöffer kein Garant für den langfristigen Erfolg des Zusammenschlusses. "PSA-Opel hat zwar jetzt eigene Elektrofahrzeuge, aber die Technik ist eher Standard. Einen Technologieführer kann man also von Fiat-Chrysler-PSA nicht erwarten. Es bleibt bei Kostensenkungen. Carlos Tavares hat als Kostenkiller reüssiert. Das Thema ist für die neue Gruppe gesetzt."

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