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Erdogans unberechenbare Söldner

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Türkische Militäroffensive - Erdogans unberechenbare Söldner

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Syrische Kämpfer bilden die Speerspitze bei der türkischen Offensive in Nordsyrien. Viele von ihnen sind berüchtigt für ihre Gewalt - und haben das bereits mit Videos untermauert.

Syrische Oppositionskämpfer feuern mit eine schwere Maschinenpistole auf kurdische Kämpfer in Syriens nördlicher Region von Manbij ab sm 14.10.2019
Syrische Oppositionskämpfer feuern mit eine schwere Maschinenpistole auf kurdische Kämpfer
Quelle: AP

Sie geloben, "Schweine" und "Ungläubige" zu töten, präsentieren ihre kurdischen Gefangenen vor laufenden Kameras, und in einem besonders grausamen Video schießen sie auf einen Mann, der gefesselt am Boden liegt. Sie sind syrische Kämpfer, Teil der sogenannten Syrischen Nationalarmee, und die Stoßtruppen in der derzeitigen türkischen Offensive gegen die kurdischen Kräfte in Nordsyrien.

Ausgebildet und finanziert von der Türkei stellen sie sich als Erben des Aufstandes gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad dar. Viele von ihnen sind arabische und turkmenische Kämpfer aus dem Norden und Osten Syriens, die es auf die Kurden abgesehen und eine Reputation für Gewalt und Plünderungen haben.

Machtstreben und Geldgier statt Ideologie

"Das Hauptproblem mit diesen Kräften ist deren Kriminalität", sagt Elizabeth Tsurkov vom Foreign Policy Research Institute in den USA. Sie hat mit Dutzenden syrischen Kämpfern gesprochen und ist zur Erkenntnis gelangt, dass sie eher von Machtstreben und Geld motiviert sind als von einer speziellen Ideologie.

Die treibenden Kräfte: Hass auf die Kurden, eine Art arabischer Chauvinismus, völlige Intoleranz für andere Meinungen und Profitgier.
Elizabeth Tsurkov, Foreign Policy Research Institute

"Hass auf die Kurden, eine Art arabischer Chauvinismus, völlige Intoleranz für andere Meinungen und Profitgier" seien die treibenden Kräfte.
Den syrischen Milizen ist es - unterstützt durch türkische Luftschläge und Artillerie - bereits gelungen, tief in das Grenzgebiet vorzustoßen. Sie stellen in der Offensive bislang den Großteil der Bodentruppen.

Videos belegen Gräueltaten

Ihren Einsatz begleiten sie mit zahlreichen Videos, in denen sie ihren Hass auf die Kurden kundtun. Am vergangenen Woche gewannen sie die Kontrolle über eine größere Landstraße, die durch das nördliche Syrien verläuft. Dort töteten sie der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sechs Zivilisten, unter ihnen Havrin Khalaf, eine Frauenrechtlerin und Chefin einer kurdischen Partei.

In einem im Internet verbreiteten Video sind Kämpfer zu sehen, die auf ein von Kugeln durchsiebtes gepanzertes Fahrzeug zustürmen und erklären, dass sie ein "Schwein" gefangen hätten. Im Fahrzeug ist die schwache Stimme einer Frau zu hören, die sagt, dass sie eine politische Partei leite. Das Video deutet darauf hin, dass Khalaf lebend gefangen wurde und später starb oder getötet wurde.

Kämpfer erschießen gefesselten Mann

Ein weiteres im Internet gepostetes Video zeigt syrische Kämpfer, die mehrere Schüsse auf einen gefesselten Mann abgeben. Während sie auf ihn feuern, rufen sie aus: "Gott ist der Größte!" Ein Sprecher von Ahraral-Scharkija, Al-Harith Rabah, sagte der Nachrichtenagentur AP, seine Kräfte hätten an der Straße einen Kontrollpunkt errichtet und auf Leute geschossen, die sich geweigert hätten, anzuhalten.

Der in dem Video getötete Mann sei ein bewaffneter Kurde in ziviler Kleidung gewesen, der gekämpft habe, bis ihm die Munition ausgegangen sei. "Wenn jemand auf dem Schlachtfeld Widerstand leistet, ist man verpflichtet zu reagieren", sagte der Sprecher.

130.000 Menschen auf der Flucht

Den UN zufolge sind seit Beginn der türkischen Offensive bereits 130.000 Menschen geflohen. Befürchtet wird, dass es jenen, die zurückbleiben, ähnlich ergehen wird wie den Einwohnern von Afrin, einer kurdischen Enklave im Nordosten Syriens, die im vergangenen Jahr von der Türkei und deren syrischen Verbündeten erobert worden war.

Es gibt keine Spur von Rechtsstaatlichkeit und wiederholt Fälle von Entführungen, Folter, Erpressung und Mord.
UN-Kommission

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen haben die syrischen Kämpfer dort das Eigentum kurdischer Zivilisten geplündert und zerstört, bewaffnete Gruppen ihre eigenen Machtzentren geschaffen. "Es gibt keine Spur von Rechtsstaatlichkeit und wiederholt Fälle von Entführungen, Folter, Erpressung und Mord", berichtet die UN-Kommission. Die Opfer seien oftmals kurdischer Abstammung oder als wohlhabend angesehene Zivilisten wie Ärzte und Geschäftsleute.

Video: Die aktuelle Lage des Konflikts in Nordsyrien

Bis vor kurzem bekämpften sich die Kurden in Nordsyrien und Assads Regierungstruppen. Nun sehen beide Parteien in der türkischen Armee einen gemeinsamen Feind.

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