Sie sind hier:

Wölfe in Deutschland - Was tun, wenn der Wolf kommt?

Datum:

Ein Mann in Niedersachsen soll von einem Wolf gebissen worden sein. Eigentlich meiden Wölfe Menschen. Und sie sind gut für das Ökosystem. Ist ein friedliches Zusammenleben möglich?

Wolf
Unliebsame Begegnung zwischen Mensch und Wolf im niedersächischen Steinfeld. Oder war es doch ein Hund?

Ein Wolf soll einen Mann in die Hand gebissen haben. Der 55-jährige Gemeindearbeiter hatte nach eigener Darstellung an einem Friedhof im niedersächsischen Steinfeld an einem Zaun gearbeitet und dabei mit der Hand nach hinten gefasst. Er spürte, dass diese festgehalten wurde. Als er sich umschaute, sah er einen Wolf, der nach seiner Hand schnappte. Er habe den Wolf mit einem Hammer abgewehrt. Drei weitere Tiere eines Rudels hätten mit Abstand daneben gestanden. Doch war es ein Wolf?

Das niedersächsische Umweltministerium untersucht den Fall mit Hochdruck. Proben seien genommen und an das Senckenberg-Institut im hessischen Gelnhausen geschickt worden, sagt Sabine Schlemmer-Kaune vom niedersächsischen Umweltministerium. Außer Tierhaaren seien der Pullover des Mannes und dessen Hammer sichergestellt worden. Bis das Ergebnis vorliege, könne es aber bis Mitte nächster Woche dauern, so Schlemmer-Kaune. Sollte es sich tatsächlich um eine Wolfsattacke handeln, wäre es der erste gesicherte Fall, bei dem ein Mensch seit der Rückkehr der Wölfe in Deutschland durch die Raubtiere zu Schaden kam.

Bundesamt zählt 73 Rudel und 30 Wolfspaare in Deutschland

In Deutschland galt der Wolf lange Zeit als ausgestorben. Erst seit der Jahrtausendwende breitet er sich wieder aus. Und nun müssen die Menschen wieder lernen, mit dem Wolf umzugehen.

Archiv: Ein Wolf steht in seinem Gehege im Wildpark Eekholt, aufgenommen am 13.11.2018
Ein Wolfsrudel im Gehege.
Quelle: dpa

Nach jüngsten Daten des Bundesamt für Naturschutz (BfN) gibt es in Deutschland 73 Rudel und 30 Wolfspaare. Die meisten Tiere leben in Brandenburg, gefolgt von Sachsen und Niedersachsen. Sie verteilen sich von der sächsischen Lausitz in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Niedersachsen. Zum ersten Mal seit der Ausrottung des Wolfs in Deutschland vor mehr als 150 Jahren wurde auch die Ansiedlung eines Rudels in Bayern bestätigt.

Infografik: Sichtungen von Wölfen in Deutschland
Infografik: Sichtungen von Wölfen in Deutschland
Quelle: ZDF/freundeskreis-wolf

Das BfN sieht diese Entwicklung als beispielhaft und als positives Signal für den Artenschutz weltweit. "Die weiterhin positive Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland steht im starken Kontrast zum weltweit dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt. Dieser Erfolg zeigt uns, dass Arten von einem strengen Schutz profitieren", sagt BfN-Präsidentin Beate Jessel. Die Wolfspopulationen würden konsequent beobachtet. Dadurch sei aber auch aufgefallen, dass die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen die illegale Tötung sei.

Wichtig für das Ökosystem

Der Wolf ist wichtiger "Partner" der Artenvielfalt. Es ist erwiesen, dass Wölfe dazu beitragen, Wildbestände gesund und das Ökosystem im Gleichgewicht zu halten. Wölfe ernähren sich hauptsächlich von Wildtieren, also Rehen, Rothirschen und jungen Wildschweinen, von denen es in Deutschland ein Überangebot gibt. Gelegentlich stehen auch Hasen oder Mäuse auf ihrem Speiseplan. An Gewässern fressen Wölfe auch Biber, im Gebirge Murmeltiere. Zunächst werden alte und kranke Tiere gefressen. Jüngere Tiere verändern ihr Verhalten und wandern mehr umher. Sie fressen nicht immer an denselben Orten. Die Pflanzen können sich erholen. Die Vegetation kann nachwachsen, Schutzwälder können sich erholen. Erdrutsche, Lawinen und Hochwasser werden besser verhindert und von all dem profitieren auch andere Lebensgemeinschaften, wie Insekten, Fische, Vögel und schließlich der Mensch. Doch gelegentlich greifen Wölfe auch Nutztiere an.

Zwei Wölfe stehen im Wildpark Eekholt im Gehege

Quelle: dpa

Auch die Beweidung leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer Kulturlandschaften und ihrer biologischen Vielfalt. "Deshalb müssen Bund und Länder gemeinsam Weidetierhalterinnen und -halter beim konsequenten Schutz ihrer Tiere vor dem Wolf unterstützen und fördern", so die BfN-Präsidentin. In Gebieten mit Wolfsvorkommen seien Schutzmaßnahmen für Weidetiere nötig. Für die Weidetierhalter sind die Schäden schwer auszugleichen, häufig sogar existenzgefährdend. Daher mussten für die Unterstützung der Weidetierhalter geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Die EU-Kommission hat Anfang November 2018 entschieden, dass durch die Mitgliedsstaaten Herdenschutzmaßnahmen zu 100 Prozent finanziert werden können, ohne dass dies als unzulässige Beihilfe gilt. Künftig können auch getötete Tiere ersetzt werden.

Wölfe meiden in der Regel den Menschen

Die in Europa am ehesten mögliche Ursache für problematisches Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen ist eine starke Gewöhnung an die Nähe von Menschen verbunden mit positiven Reizen wie etwa Füttern. Die wenigen beschriebenen Wolfsangriffe in Europa oder Nordamerika seit Mitte des letzten Jahrhunderts haben fast alle eine entsprechende Vorgeschichte.

Es kommt sehr selten vor, dass Wölfe sich Menschen annähern. Nur wenige Fälle sind international bekannt. Doch die erfahren hohe, medienwirksame Aufmerksamkeit und werden schnell verallgemeinert.

In einem Versuch in Schweden näherten sich Menschen ruhenden Wölfen zu Fuß so nah wie möglich, ohne sich jedoch anzupirschen oder besonders leise zu sein. In keinem Fall reagierten die Wölfe aggressiv. Sie zogen sich sofort zurück, sobald sie den Menschen bemerkten. Meist flohen sie bei einer Entfernung der Menschen von 100 Metern. Bei starkem Wind war die Fluchtdistanz deutlich geringer. Ähnliche Berichte gibt es auch aus der Lausitz.

In der Regel meidet der Wolf den Kontakt zu Menschen. Junge Wölfe sind neugieriger als ausgewachsene Tiere. Autos und Häuser werden aber vom Wolf nicht mit Menschen in Verbindung gebracht. Derselbe Wolf, der beim Anblick eines Menschen zu Fuß auf 100 Meter flüchtet, kann ein vorbeifahrendes Auto auf 30 Meter tolerieren.

Hunde und Wölfe

Der Haushund stammt vom Wolf ab. Und auch nach 20.000 bis 40.000 Jahren erkennt der Wolf im Hund immer noch einen Artverwandten. Daher können Hunde Auslöser für Begegnungen zwischen Wolf und Mensch sein oder dafür, dass Wölfe sich über längere Zeit im Siedlungsbereich aufhalten.

Mit Material von dpa, des Bundesamt für Naturschutz und des Wolfsbüro Niedersachsen

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.