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Unternimmt Facebook genug gegen Falschinformationen?

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ZDFcheck19 - Unternimmt Facebook genug gegen Falschinformationen?

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Gerade vor Wahlen ist das Netz voll von Falschmeldungen. Facebook prüft seine Inhalte zwar, gelöscht werden Fake-News aber nicht. Reicht das aus? Ein ZDFcheck19.

Auf Facebook kursieren unzählige Falschnachrichten. Doch anstatt gelöscht zu werden, werden diese nur seltener ausgespielt. Wie effektiv schützt Facebook also vor gezielter Manipulation?

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Unzählige Falschnachrichten kursieren auf Facebook. Gerade im Zuge der bevorstehenden Europawahl ist das ein großes Problem. Denn Facebook ist nach wie vor Social Media-Infoquelle Nummer Eins: 36 Prozent der weltweiten Internetnutzer konsumierten 2018 regelmäßig Nachrichten auf der Plattform. Einige davon sogar ausschließlich. Dabei können gerade hier Meldungen nahezu unkontrolliert und schnell verbreitet werden, und so User beeinflussen. Täglich sind rund 1,5 Milliarden Nutzer auf Facebook aktiv - sie alle kann das betreffen. Doch wie schützt Facebook vor gezielter Manipulation?

Die grobe Arbeit machen Algorithmen. Mithilfe von maschinellem Lernen können Muster erkannt werden und potenzielle Falschnachrichten, die zum Beispiel durch besonders häufiges oder schnell ansteigendes Kommentieren und Teilen auffällig geworden sind, herausgefiltert werden. Auch Nutzer selbst können mutmaßliche "Fake News" bei Facebook über einen Button melden.

48 Faktenprüfer-Teams weltweit

Anschließend übernehmen externe Organisationen - sogenannte "Faktenprüfer". Sie bewerten in regelmäßigen Abständen die gesammelten Meldungen hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts. 48 solcher Teams - darunter Nachrichtenagenturen, Medienunternehmen und gemeinnützige Organisationen - arbeiten in 25 verschiedenen Sprachen weltweit für Facebook.

Alle Partner werden, so Facebook, vom "International Fact-Checking Network" (IFCN) der Non-Profit-Organisation "Poynter Institute" zertifiziert und halbjährlich überprüft. IFCN wendet dabei Standards wie Überparteilichkeit und Transparenz der Quellen an. Außerdem werden monatliche Reviews von Facebook mit allen Faktencheck-Partnern veranstaltet, um sicherzustellen, dass die Richtlinien der Plattform befolgt werden.

Facebook-Partner in Deutschland

In Deutschland arbeiten zwei der Prüforganisationen: Die Faktencheck-Gruppe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv. Neben der Durchführung eigener Recherchen sollen diese vor allem Primärquellen, wie Staatsanwaltschaften oder Polizeibehörden, kontaktieren und dort die Meldung einschätzen und gegebenenfalls widerlegen lassen.

Zwischen 30 und 40 solcher Checks führt das Team von Correctiv im Schnitt pro Monat durch. Doch nicht alle Facebook-Profile seien gleich anfällig für "Fake News", berichtet Cristina Helberg, Faktenprüferin bei Correctiv. Vor allem Accounts, die vom Algorithmus als relevant für politische Beeinflussung erkannt worden seien, bekämen Falschaussagen zugespielt. Das sei gerade im Zuge der Europawahl auffällig: "Wir beobachten, dass von verschiedenen Seiten versucht wird, Einfluss auf die User zu nehmen - und das sind ja letztendlich die Wähler", so Helberg. Dabei erzeugen die Falschinformationen eine Art digitale Echo-Kammer, in der die Nutzer immer wieder falsche Informationen sehen und diese letztlich möglicherweise glauben. Für Helberg spricht vieles dafür, dass gezielt desinformiert wird.

Kritiker: Maßnahmen greifen nicht genug

Doch diese Maßnahmen reichen nicht aus, findet Medienrechtler Chan-jo Jun. "Die Chance, dass eine Falschmeldung bei Facebook durch die Faktenchecker entlarvt wird, ist total gering. Das passiert nicht", sagt der Jurist. "Jeder, der Verleumdung verbreiten will, kann sich bequem zurücklegen. Er weiß, er kann es dort zuverlässig verbreiten." Klaus Gorny, Pressesprecher von Facebook Germany, ist anderer Meinung. Laut ihm werden deutliche Erfolge mit dem Modell erzielt: "Wir sehen, dass die Mischung aus maschinellem Lernen, künstlicher Intelligenz und unabhängigen, starken Faktenprüfern effektiv ist", sagte er im Gespräch mit dem ZDF.

Wir löschen keine Informationen, die als Falschmeldungen identifiziert werden.
Facebook-Sprecher Klaus Gorny

Ganz von der Plattform verschwinden die Falschnachrichten auch nach erfolgreicher Widerlegung jedoch nicht: "Wir löschen keine Informationen, die als Falschmeldungen identifiziert wurden", sagt Facebook-Sprecher Gorny. "Als privates Unternehmen möchten wir nicht Richter sein über Wahr oder Falsch. Wir reduzieren die Reichweite - damit kommt der Inhalt so gut wie nicht mehr vor." Man müsse schon ganz konkret nach dem Inhalt suchen, um ihn zu finden.

Durchwachsenes Fazit

Rechtsanwalt Jun findet das scheinheilig. Denn während Facebook bei Hetze oder Mobbing konsequent lösche und sich somit in die Meinungen im Netzwerk einmische, hielten sie sich bei Tatsachenbehauptungen auf einmal raus, hieß es. Weshalb Facebook bei Falschinformationen so vorgeht - dafür hat Jun eine klare Antwort: "Facebook hat kein Interesse, falsche Tatsachen wirklich zu löschen. Facebook lebt davon, dass falsche oder aufregende Tatsachen verbreitet werden." Dass Facebook mehr tun könne, davon ist der Medienrechtler überzeugt.

Fest steht: Facebook geht gegen "Fake News" auf der Plattform vor. Doch falsche Meldungen werden nicht gelöscht, sondern nur seltener ausgespielt. Zu finden sind sie also immer noch. Wie viele solcher "Fake News" dabei auf Facebook kursieren - darüber konnten weder Facebook selbst noch die Faktenprüfer Correctiv Auskunft geben.

Fünf Fragen an Facebook-Sprecher Klaus Gorny:

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