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500. Todestag Leonardo da Vincis - Was von dem Genie geblieben ist

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Vor 500 Jahren starb Leonardo da Vinci - viele seiner Erfindungen sind auch heute noch aktuell. Doch welche sind das - und welche haben sich nicht bewährt?

Heute ist der 500. Todestag des Universalgenies Leonardo da Vinci. Aus der Sicht des 21. Jahrhunderts wirken die Maschinen da Vincis wie ein Kuriositäten-Kabinett. Zu dem Künstler ist in Tübingen die einzige große Ausstellung in Deutschland zu sehen.

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Leonardo da Vinci ist nicht nur als Maler berühmt geworden, sondern auch als Bildhauer, Architekt, Ingenieur und Wissenschaftler. In diesem Jahr widmen Museen in vielen Ländern dem Renaissance-Künstler eigene Ausstellungen. Alleine in seinem Geburtsland Italien sind es mehr als 500 Veranstaltungen. Doch was genau hat er eigentlich erfunden - und was gibt es heute noch? Ein Überblick.

Funktioniert Leonardo da Vincis Fallschirm?

Leonardo da Vinci - Fallschirm
...denn der römische Architekt Vitruv, dessen Schriften er kannte, beschrieb das Prinzip schon in der Antike. Auch die Idee für einen Fallschirm hatten Chinesen schon lange vor Leonardo.
Quelle: ARANEUS / MUT

Unter den rund 6.000 Blättern mit Zeichnungen und Texten, die Leonardo da Vinci hinterlassen hat, befindet sich auch der Entwurf für einen pyramidenförmigen Fallschirm. Als Erfinder des Prinzips Fallschirm kann Leonardo dennoch nicht gelten: Aus China gibt es Textquellen und sogar eine Zeichnung aus den Tausend-Buddha Höhlen bei Dunhuan an der Seidenstraße, die vergleichbare Ideen Jahrhunderte vor ihm belegen.

Ein anonymer Künstler aus Siena, so hat es der belgische Autor Marc J.M. van den Broek für sein jüngst erschienenes Buch "Leonardo da Vincis Erfindungsgeister" recherchiert, zeichnete 1470 ebenfalls einen Fallschirm. Immerhin: Im Jahr 2000 wagte der britische Fallschirmspringer Adrian Nicholas den Sprung mit einem nach Leonardos Skizze gebauten Schirm und landete sicher.

Hat da Vinci den Hubschrauber erfunden?

Leonardo da Vinci - Luftschraube
Auch Leonardo träumte den Menschheitstraum vom Fliegen. Mit seiner Idee der "Luftschraube" hätte das allerdings nicht funktioniert, da Muskelkraft nicht reichte und ein Motor noch nicht erfunden war.
Quelle: ARANEUS / MUT

Die elegante Flugschraube zählt zu den berühmtesten Zeichnungen Leonardo da Vincis. Er beschriftete sie mit genauen Anweisungen für einen Nachbau: So solle die Bespannung der Schraube aus Leinwand gefertigt und "deren Poren mit Stärkekleister" verklebt werden. Als Durchmesser gibt er fünfeinhalb Meter vor und betont, dass nur bei genauer Ausführung "diese Schraube sich in der Luft emporschrauben und aufsteigen" würde.

Für den notwendigen Antrieb, so seine Idee, sollte menschliche Muskelkraft sorgen. Doch obwohl das zugrundeliegende Prinzip des Auftriebs in Wendelform theoretisch funktioniert, hätte sich ein Nachbau schon wegen des großen Gewichts kaum in die Luft erheben können. Zudem hatten chinesische Tüftler das Prinzip der Luftschraube schon lange vor Leonardo entdeckt und damit kleine Spielzeuge gebaut. Die ersten Hubschrauber im heutigen Sinne wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt.

Wurde Leonardos Panzer jemals gebaut?

Modell von da Vincis Panzer
Modell von da Vincis Panzer
Quelle: imago

1482 sicherte sich die Mailänder Fürstenfamilie Sforza die Dienste Leonardo da Vincis. Für ihren Kampf gegen Venedig waren die Sforza vor allem an neuartigen Waffen interessiert. Da Vinci brachte zahlreiche Ideen zu Papier, darunter seinen bekannten Panzer. Das runde, über sechs Meter lange und dreieinhalb Meter hohe Ungetüm sollte ringsum mit 16 Geschützen bestückt werden, um nach allen Seiten feuern zu können.

Nach seiner Vorstellung hätten acht Männer das Gefährt mit Handkurbeln und Zahnrädern bewegen sollen. Obwohl man heute weiß, dass da Vinci die Zahnräder falsch angeordnet hatte und der Panzer so nicht funktionieren konnte, gilt das Vehikel als erster Entwurf eines gepanzerten und bewaffneten Fahrzeugs. Gebaut und eingesetzt wurde es mit großer Wahrscheinlichkeit nie. 

Wofür baute er seinen "Ritterautomaten"?

Ritterautomat von da Vinci
Ritterautomat von da Vinci
Quelle: imago

Die tausend Seiten umfassende Manuskriptsammlung "Codex Atlanticus" enthält die berühmtesten technischen Zeichnungen Leonardos. Dazu gehört auch der sogenannte Ritterautomat, den er sich in den 1490er Jahren zur Unterhaltung am Hof der Sforza in Mailand ausdachte. Zeitgenossen berichteten erstaunt, dass der künstliche Ritter selbstständig Gliedmaßen, Kopf und Mund bewegen konnte.

Ein funktionstüchtiger Nachbau gelang jedoch erst vor wenigen Jahren. Der Robotikingenieur Mark Rosheim suchte im "Codex Atlanticus" nach Lösungen und entdeckte schließlich ein passendes System aus Seil- und Flaschenzügen. Daraus entwickelte er zunächst ein Computermodell. 2002 baute Rosheim einen Prototyp des Ritter-Roboters, der Schultern, Ellenbogen und Handgelenke bewegen und sogar sein Visier öffnen konnte.

Entwarf da Vinci ein richtiges Automobil?

Leonardo da Vinci - Automobil
Diese oft fälschlicherweise als Leonardos "Automobil" bezeichnete Maschine kann sich mittels zweier Sprungfedern tatsächlich fortbewegen. Allerdings kommt sie kaum hundert Meter weit...
Quelle: ARANEUS / MUT

Jahrhundertelang versuchten viele kluge Köpfe vergeblich hinter das Geheimnis des dreirädrigen Fahrzeugs zu kommen, das Leonardo da Vinci um 1478 entworfen hatte. In den 1930er Jahren scheiterten auch die Ingenieure Mussolinis an einem fahrtüchtigen Nachbau. Gerne hätte der faschistische Führer die Erfindung des Autos den Italienern zugeschrieben.

Um ein Automobil im Wortsinn handelte es sich ohnehin nicht. Dem US-Amerikaner Mark Rosheim, der schon das Rätsel des Ritterautomaten lüften konnte, gelang Ende der 1990er Jahre ein Nachbau. Er bewies, dass die Antriebskraft des Wagens von zwei Sprungfedern herrührt, die von Hand gespannt werden müssen. Erst dann bewegt sich das Dreirad in eine vorgegebene Richtung. Leonardo hat also das aufziehbare Spielzeugauto erfunden, aber nicht das motorbetriebene Automobil. Für den Transport von Menschen war sein Gefährt wahrscheinlich auch nicht gedacht.

Zusammengestellt von André Madaus

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