Sie sind hier:

Traditionell enge Beziehungen - Washingtons besonderes Verhältnis zu Riad

Datum:

Donald Trump ist im Fall Khashoggi offenbar bemüht, das Verhältnis der USA zu Saudi-Arabien nicht zu gefährden. Es sind traditionell enge Beziehungen - auch in Krisenzeiten.

Mike Pompeo in Saudi-Arabien
Besuch in Saudi-Arabien: US-Außenminister Mike Pompeo am 16. Oktober bei seiner Ankunft in Riad.
Quelle: dpa

Das Königreich Saudi-Arabien hat sich in seiner jungen Geschichte stets besonderer Beziehungen zu den USA erfreut. Am Anfang stand Präsident Franklin D. Roosevelts Treffen mit Saudi-Arabiens erstem König Abdul Asis am Valentinstag 1945, und das Verhältnis verfestigte sich im Gefolge der Islamischen Revolution im Iran, der Absetzung des prowestlichen Schahs im Jahr 1979. Da wurde das sunnitische Königreich der Hauptverbündete der USA im Nahen Osten.

Auch während zahlreicher Krisen stand Washington an Riads Seite. So laufen denn auch im Fall des mutmaßlich ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi (Anmerkung der Redaktion: der Journalist Dschamel Chaschukdschi schrieb in der "Washington Post" und auf seinem Twitteraccount unter dem englisch transkribierten Namen Jamal Khashoggi) hinter den Kulissen Bemühungen, das spezielle Verhältnis nicht zu Schaden kommen zu lassen. Zwar hat US-Präsident Donald Trump zunächst - vor dem Hintergrund wachsender globaler Empörung über die vermutete Ermordung - betont, dass er den Fall aufgeklärt haben will. Auch drohte er mit "schwerer Bestrafung" unter gegebenen Umständen. Dann wartete er jedoch mit der Idee auf, dass unabhängige Mörder - also kein von Saudi-Arabien entsandtes Mordkommando - den Journalisten auf dem Gewissen haben könnte.

Am Dienstag erinnerte er im Interview mit der Nachrichtenagentur AP an die Unschuldsvermutung; die Vorwürfe einer Ermordung des Journalisten in staatlichem Auftrag seien aber ein neuer Fall, in dem jemand als schuldig gelte, bis seine Unschuld erwiesen sei. "Ich mag das nicht", sagte Trump. Genauso hatte sich Trump im Wirbel um seinen - inzwischen berufenen - Obersten-Richter-Kandidaten Brett Kavanaugh geäußert, den mehrere Frauen sexueller Übergriffe oder Belästigungen in der Vergangenheit beschuldigt hatten.

Ein Blick auf die Verflechtungen zwischen Washington und Riad:

Die Golfkriege

Saudi-Arabien war in Krisenzeiten der erste unter Amerikas Freunden am Persischen Golf. Als Iraks Diktator Saddam Hussein Anfang August 1990 seine Truppen in Kuwait einmarschieren ließ und eine US-geführte Koalition gegen die Invasoren vorging, bewilligte Saudi-Arabien die Stationierung amerikanischer Soldaten auf seinen Stützpunkten. Es war ein Schritt, der viele andere in der arabischen Welt erzürnte, zumal Saudi-Arabien mit Mekka und Medina der Hüter der zwei heiligsten Stätten des Islams ist. So sprachen islamische Fundamentalisten von einer "Invasion der Ungläubigen".

Besonders eng waren die Bande von König Fahd und dessen Nachfolger König Abdullah mit US-Präsident George W. Bush. Das auch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die der damalige Al-Kaida-Chef Osama bin Laden teilweise wegen der amerikanischen Militärpräsenz in Saudi-Arabien initiierte. Die saudische Unterstützung der US-Invasion Iraks im Jahr 2003 erschien öffentlich zwar weniger enthusiastisch, aber die logistische Hilfe blieb gleichwohl beachtlich.

Der Iran

Neben Israel war Saudi-Arabien der stärkste Gegner der Annäherung zwischen Washington und Teheran, die dann zum internationalen Abkommen mit dem Iran zur Begrenzung von dessen Atomwaffen-Ambitionen führte. Kronprinz Mohammed bin Salman, jetzt im Zentrum der Krise um Khashoggi und von manchen als Drahtzieher des vermuteten Mordes verdächtigt, war am lautesten: Er nannte Irans Ajatollah Ali Chamenei einen "neuen Hitler". Trump hatte schon als Präsidentschaftskandidat vor der Wahl 2016 gegen den Atomdeal gewettert, dessen Zustandekommen zu den größten geopolitischen Errungenschaften des seinerzeitigen Präsidenten Barack Obama zählt. Tatsächlich verkündete Trump im vergangenen Mai den Ausstieg der USA aus dem Abkommen.

Krieg im Jemen

Washington stand auch im andauernden Krieg einer von Saudi-Arabien geführten arabischen Koalition im Jemen an Riads Seite. Wegen der hohen Zahl ziviler Opfer und einer humanitären Katastrophe in dem Land wächst die Kritik an dem Militäreinsatz gegen schiitische Rebellen immer mehr, und manche Gegner sprechen von einem blutigen Abenteuer des saudischen Kronprinzen.

Öl und Waffen

Als Trump im Fall Khashoggi vorübergehend etwas harschere Töne anschlug, reagierten saudische Staatsmedien mit Unmut, und es gab Andeutungen, dass das Königreich seine Ölproduktion als Waffe benutzen könnte. Saudi-Arabien ist das wichtigste OPEC-Land. Die Ölpreise haben in diesem Jahr bereits deutlich angezogen, unter anderem als Folge wiedereingesetzter US-Sanktionen gegen den Iran und neuer Strafmaßnahmen gegen Venezuela. Damit müssen auch die Amerikaner an den Tankstellen mehr Geld für Benzin ausgeben. In drei Wochen finden aber in den USA wichtige Kongresswahlen statt - da kann Trump keine weiteren Preisauftrieb gebrauchen.

Amerika zählt seit langem zu den größeren Importeuren saudischen Öls und weiß, was es bedeutet, wenn Öl in der Politik als Mittel eingesetzt wird. So verhängte die OPEC im Zuge des Nahostkrieges von 1973 ein fünfmonatiges Embargo gegen die USA - als Strafe für die amerikanische Unterstützung Israels. Die Saudis selber sind eifrige Käufer von US-Waffen, setzen diese auch im Jemen-Krieg ein. Die Trump-Regierung argumentiert, dass ein geplanter 110-Milliarden-Dollar-Deal Zehntausende neue Arbeitsplätze bringen würde und der Vertrag nicht aufs Spiel gesetzt werden sollte.

Terrorismus und Extremismus

15 der 19 Flugzeugentführer bei den Anschlägen vom 11. September 2001 waren saudische Bürger. Die damalige Bush-Regierung hat es jedoch vorgezogen, auf jegliche Schuldzuweisungen an das Königreich zu verzichten. Dabei sind wiederholt Verbindungen zwischen dem Wahhabismus - der ultrakonservativen islamischen Doktrin, der Saudi-Arabien folgt - und Extremismus in dem Wüstenstaat und im Ausland nachverfolgt worden - eine unbequeme Wahrheit, die Washington und Riad sorgsam zu umschiffen versuchen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.