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Weltwassertag - Kapstadts Kampf gegen die Trockenheit

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Zehn Minuten lang unter der Dusche - bei uns kein Problem, in Kapstadt ein Tabu. Denn in der südafrikanischen Stadt ist Wasser ein knappes Gut.

Die begehrte Touristendestination durchlebt die schwerste Wasserkrise in ihrer Geschichte. In ein paar Wochen schon kann es sein, dass Kapstadt das Wasser gänzlich ausgeht. Schon jetzt haben die Behörden strenge Auflagen verhängt.

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50 Liter Wasser. Das reicht gerade mal, um fünf Minuten lang zu duschen. Für einen Bewohner Kapstadts ist aber auch das im Moment nicht drin. Denn allein damit hätte er das von der Stadt gewünschte Tageslimit pro Kopf an Wasser überschritten. Für die Toilettenspülung oder das Wäschewaschen wäre dann nichts mehr übrig. Und seit Februar drohen bei Überschreitung außerdem saftige Bußgelder. Die Kapstädter haben ihren Konsum deshalb in den letzten Monaten stark gesenkt. Noch allerdings liegen sie über dem 50-Liter-Ziel.

"Day Zero" verhindern

Wird es nicht schnell erreicht, kann es eng werden für den Kampf der südafrikanischen Metropole gegen die Trockenheit. "Zusammen können wir Day Zero verhindern" - mit diesem Slogan werben die Behörden um die Vernunft der Bürger. Er ist unzählige Male zum Beispiel auf der Internetseite der Stadt zu finden. "Day Zero" - das ist der Tag, an dem die Wasserversorgung der Stadt nicht mehr möglich ist. Lange Zeit schien er unvermeidbar zu sein. Inzwischen allerdings haben all die Sparmaßnahmen und Appelle gefruchtet. Für 2018 ist er nun abgesagt.

Allerdings: "Auch wenn ein potenzieller Day Zero auf nächstes Jahr verschoben worden ist: Die Trockenheit ist immer noch sehr real. Und auch die damit verbundene Bedrohung unserer Wasserversorgung bleibt eine Realität", warnt Vize-Bürgermeister Alderman Ian Neilson. Tatsächlich hat die mittlerweile dreijährige Dürreperiode in und um Kapstadt deutliche Spuren hinterlassen. An den sechs Stauseen säumen verdorrte Baumstämme die Ufer, an vielen Stellen sieht es aus wie in einer Wüste.

Spuren der Dürre

Zurzeit sind die Seen nur noch zu 23 Prozent gefüllt. "Day Zero", also Tag null, tritt dann ein, wenn dieses Füllvolumen aller Seen auf 13 Prozent gesunken ist. Die Wasserversorgung würde dann komplett abgeschaltet werden und polizeilich geschützte Verteilzentren würden  in Betrieb gehen. Pro Kopf gäbe es dann am Tag nur noch 25 Liter, das empfohlene Minimum zur Aufrechterhaltung von Hygiene und Gesundheit. In Deutschland könnte man von dieser Menge drei- bis viermal die Toilettenspülung betätigen. Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche am Tag 121 Liter Wasser.

Mit der Hilfe von strengen Sparmaßnahmen - wie zum Beispiel einer Reduzierung des Wasserdrucks im System - konnte der Tag zumindest für dieses Jahr verhindert werden. Auch die Reparatur maroder Leitungen hat bereits geholfen.

Wassertropfen

Wissen - Virtuelles Wasser

Der Mensch verbraucht durchschnittlich 123 Liter Wasser am Tag. Doch wieviel Wasser wird eigentlich bei der Herstellung von verschiedenen Produkten verwendet?

Hohe Preise

Das Problem: In Kapstadt gibt es noch zu viele, die die Vorschriften umgehen und weiter beliebig Wasser verbrauchen. Deshalb haben die Behörden die Wasserpreise nun drastisch erhöht. "Einwohner, die viel Wasser verbrauchen, und die, die kommunales Wasser horten, wird es hart treffen", teilt Neilson mit.

Um das 50-Liter-Ziel zu erreichen, muss darüber hinaus die Wassermenge eingeteilt werden. Dazu gibt die Stadt Empfehlungen ab. So sollte nur noch eineinhalb Minuten geduscht werden, das Duschwasser dann in einer Wanne aufgefangen und anschließend als Toilettenspülung genutzt werde. Ein Auto zu waschen, ist strikt untersagt, wenn dafür Wasser aus dem öffentlichen Leitungsnetz genutzt wird.

Alternative Quellen nutzen

Darüber hinaus setzt die Stadt auf alternative Quellen. In diesen Wochen gehen dazu drei Meerentsalzungsanlagen in Betrieb, die zusammen 16 Millionen Liter Wasser am Tag produzieren können. Zusätzlich wird an drei Orten der Region nach tiefer gelegenem Grundwasser gebohrt, so können 150 Millionen Liter Wasser bereitgestellt werden. "Diese zusätzlichen Quellen werden die Krise nicht stoppen, aber die Versorgung verbessern. Außerdem können sich die Stauseen so in den nächsten zwei Jahren wieder füllen", hoffen die Behörden.

Forscher der Universität Kapstadt haben beobachtet, dass sich das Klima der West-Kap-Region in den vergangenen Jahren dramatisch verändert hat. Für die zunehmende Trockenheit machen sie den Klimawandel verantwortlich. Auch Fred Hattermann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung hält das für möglich. "Ein Ereignis macht noch keinen Klimawandel", sagt er. "Aber es passt ganz gut in das Bild vom Klimawandel, wie wir ihn für Südafrika vermuten." Der durchschnittliche Niederschlag in der Region sei leicht rückläufig. Und: "Die Mehrheit der Klimamodelle projiziert einen weiteren Rückgang."

Probleme auch in anderen Städten

Kapstadt steht damit offenbar nicht alleine da. Auch andere Städte und Regionen hatten in den letzten Jahren mit Wasserknappheit zu kämpfen. Rom zum Beispiel, Kalifornien und Santiago de Chile. Ein Problem, das sich laut Hattermann noch verschärfen kann. "Relativ wahrscheinlich sind zum Beispiel zunehmende Trockenheit und Dürren im Mittelmeerraum, in Osteuropa und Teilen Südamerikas und Australiens."

Das Thema beschäftigt deshalb zurzeit auch das Weltwasserforum, das noch bis zum 23. März in Brasilia stattfindet. An der Konferenz in der brasilianischen Hauptstadt nehmen über 10.000 Experten aus über 100 Ländern teil. Prognosen des UN-Weltwasserberichtes zufolge soll die Zahl der von Wassermangel bedrohten Menschen von aktuell 3,6 Milliarden bis 2050 auf 5,7 Milliarden Menschen ansteigen. Die Teilnehmer rufen deshalb dazu auf, neue Lösungen für ein nachhaltiges Wassermanagement zu finden.

Lösungen, wie sie in Kapstadt vielleicht gerade getestet werden. "Wir haben es nicht nur geschafft, eine beispiellose Krise abzuwenden", sagt Vize-Bürgermeister Neilson selbstbewusst. "Wir setzten auch die Maßstäbe für das Sparen von Wasser in der ganzen Welt."

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