Sie sind hier:

Gewässer in schlechtem Zustand - Warum in deutschen Flüssen Fische ersticken

Datum:

Deutschlands Flüsse sind in einem schlechten Zustand: In 93 Prozent leben nicht mehr die Gemeinschaften aus Tieren und Pflanzen, die ein gesundes Flusssystem kennzeichnen.

Die Bundeswehr unterstützt die Renaturierung an der Ems.
Ein Bundeswehr-Bagger an der Ems: Vertiefungen machen den Flüssen zu schaffen.
Quelle: ZDF / Julian Prahl

Eng bebaut in der Stadt, Äcker bis an die Ufer auf dem Land: In begradigten, verbauten Flüssen gibt es kaum Artenvielfalt. Zwar hat sich die Wasserqualität hier und da verbessert, doch der Blick auf ganz Deutschland verdeutlicht: Der ökologische und chemische Zustand vieler Wasseradern ist dramatisch. Die aktuellste Erhebung der Europäischen Umweltagentur (EEA) aus dem Jahr 2015 zeigt, dass nur knapp sieben Prozent der Fließgewässer Deutschlands in einem guten Zustand sind.

Vertiefung der Flüsse schadet der Natur

Jahrzehntelange Vertiefungen des Flussbetts machen der Elbe zu schaffen. Für den Biologen Veit Hennig von der Universität Hamburg eine dramatische Entwicklung, denn mit jeder neuen Baumaßnahme leidet die Natur. Er schätzt, dass die Elbe ohne Eingriff des Menschen in manchen Bereichen nur zwei bis drei Meter tief wäre - aktuell sind es 18 bis 19 Meter, und die neunte Vertiefung wurde gerade beschlossen.

Bei den Baggerarbeiten wird Schlamm aufgewirbelt, und durch die Trübung des Wassers verändert sich der Sauerstoffhaushalt, sagen Experten wie Hennig. Mit fatalen Folgen für die Nahrungskette: Kleine Futterfische wie der Stint, von dem sich in der Elbe viele Speisefische ernähren, werden seltener.

An manchen Tagen ist der Sauerstoffgehalt durch Hitze und Trübung so niedrig, dass sogenannte Sauerstofflöcher entstehen: Zonen, in denen die Fische ersticken. Die Elbfischer fangen weniger, und Biologen befürchten einen massiven Schwund der Fischbestände: "Für uns wichtige Arten, der Zander als Nahrungsfisch, der Aal, die leben ganz stark von den kleinen Stinten. Die standen bisher nicht auf der roten Liste. Doch auf einmal bricht der Bestand zusammen, weil sich die Verhältnisse so stark verändert haben", erklärt Hennig.

Deutschland verfehlt eigene Verpflichtungen

Dabei ist Deutschland verpflichtet, für mehr Artenvielfalt und Diversität in seinen Flüssen zu sorgen. Das gibt die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der Europäischen Union vor. Laut Naturschutzverbänden ist es eines der ambitioniertesten Umweltgesetze der EU. Doch Deutschland ist weit davon entfernt, das vor 19 Jahren EU-weit beschlossene Ziel zu erreichen: Bis spätestens 2027 sollen alle Gewässer in einen guten Zustand gebracht werden.

Viele Flüsse sind immer noch durch Abwässer belastet. Zwar hat sich die Qualität der Klärwerke in den letzten Jahrzehnten verbessert, doch es gibt zu viele Mikroschadstoffe im Abwasser, die mit den herkömmlichen Methoden nicht entfernt werden können. In Deutschland wurde ein Prozess entwickelt, der diese Mikro-Schadstoffe herausfiltern kann, mit Kohlepulver. Vorschrift ist diese Methode bisher allerdings nur in der Schweiz.

Schweiz ist Vorbild bei Abwasserreinigung

Das Klärwerk in Thun an der Aare in der Schweiz etwa ist auf dem neuesten Stand der Technik, finanziell unterstützt von der Landesregierung. Die vierte Reinigungsstufe besteht aus neuen Klärbecken, in denen Kohlepulver hinzugegeben wird. Arzneimittel- und Kosmetikrückstände, Pestizide und Chemikalien haften an der Kohle.

Das Pulver verhält sich im Wasser wie ein Schwamm, es hat eine große Oberfläche und kann mehr Stoffe binden als die bisherigen Verfahren. Laut Bruno Bangerter, Geschäftsführer des Klärwerk Thun, können so rund 80 Prozent der Mikroschadstoffe aus dem Abwasser gefiltert werden.

Von 700 Klärwerken in der Schweiz sollen in den nächsten Jahren 100 mit dieser Reinigungsstufe ausgestattet werden, die dann mehr als die Hälfte des Abwassers der Schweiz erfassen. In Deutschland ist die vierte Reinigungsstufe dagegen noch freiwillig: Nur etwa 20 Kläranlagen von insgesamt 10.000 arbeiten damit.

Sehen Sie hier die Dokumentation:

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.