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#MeToo-Debatte - "Vorverurteilung" - Wedel tritt zurück

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Regisseur Wedel tritt nach den schweren Anschuldigungen gegen ihn als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück. Die "Vorverurteilungen" hätten ihn zutiefst verstört, sagt er.

Dieter Wedel in der Stiftskirche in Bad Hersfeld (Archivbild vom 26.09.2014)
Dieter Wedel in der Stiftskirche in Bad Hersfeld (Archivbild vom 26.09.2014)
Quelle: dpa

"Seit mehr als zwei Wochen sehe ich mich einer nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigen und Vorwürfen ausgesetzt", erklärte Regisseur Dieter Wedel in einer schriftlichen Stellungnahme. "Der Umfang und die Art und Weise dieser Beschuldigungen haben mich zutiefst verstört und erschüttert. - Und auch die Tatsache, dass es nicht aufhört", erklärte der Wedel, der nach einer Herzattacke derzeit in einer Klinik liegt.

"Klima der Vorverurteilungen"

"Der Umfang, die Art und Weise der Darstellung, die Anfeindungen haben für mich in meinem 76. Lebensjahr ein für meine Gesundheit und natürlich auch für meine Familie erträgliches Maß weit überschritten", erklärte Wedel weiter. "In diesem Klima der Vorverurteilung, der sogenannten 'Verdachtsberichterstattung', die auf keine erwiesenen Fakten gestützt sein muss, kann ich den Kampf um meine Reputation nicht gewinnen - weder mit juristischen Mitteln noch mit medialen Stellungnahmen."

Wedel betonte: "Die Vorwürfe liegen teilweise über 20 Jahre und mehr zurück, für mich wichtige Zeugen, die zu meiner Entlastung beitragen könnten, sind tot. Wer die Verjährung abwartet, dem muss doch klar sein, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit vieles im Ungefähren bleibt und erhebliche Erinnerungslücken nicht auszuschließen sind." 

"Vermeintliche Zeuginnen versuchen mich zu erpressen"

"Ich höre von Menschen, denen fünfstellige Beträge für Aussagen gegen mich angeboten wurden", sagte Wedel. "Andere vermeintliche Zeuginnen haben in den letzten Tagen versucht, mich zu erpressen. Wenn ich ihnen nicht eine noch höhere Summe anböte als Verlage oder Zeitungen, von denen sie angesprochen wurden, würden sie mich sofort - unabhängig vom Wahrheitsgehalt - belasten."

Wedel schloss nicht aus, dass er andere als Regisseur zu sehr strapaziert oder gar seelisch verletzt habe, was ihm nun sehr leid tue. Doch: "Stets habe ich versucht, die Leistung von Schauspielern zu verbessern, denn es ist meine Überzeugung, dass das auch in ihrem Interesse ist. Viele sind mir dafür dankbar und haben mir das auch jetzt noch bestätigt."

Rücktritt als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele

Wedel erklärte: "Das Thema 'Machtmissbrauch' halte ich für überaus relevant und habe begrüßt, dass es in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ich habe mir aber niemals vorstellen können, dass die Debatte auch irgendwann mich einmal betreffen könnte. Ich verabscheue jede Form von Gewalt, gegen Frauen ebenso wie gegen Männer."

Als Konsequenz der "diffamierenden Diskussion" um seine Person erklärte Wedel nun den Rücktritt als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Er war im Herbst 2014 Intendant der Festspiele geworden. Seine Aufgaben soll vorerst sein Stellvertreter Joern Hinkel übernehmen.

Im "Zeit-Magazin" hatten mehrere Schauspielerinnen schwere Vorwürfe gegen den Regisseur erhoben, die bis hin zum erzwungenen Sex reichten. Wedel widersprach den Anschuldigungen per eidesstattlicher Erklärung. Wedel kündigte auch an, sich nicht weiter öffentlich äußern zu wollen.

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