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US-Rückzug aus Syrien - Kurden verlieren wichtigsten Verbündeten

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US-Präsident Trump hält die Aufgaben der US-Truppen in Syrien für erledigt und holt sie zurück. Viele Fachleute warnen vor den Folgen. Die syrischen Kurden reagieren entsetzt.

Der von US-Präsident Trump angekündigte Rückzug amerikanischer Truppen aus Syrien wird scharf kritisiert – auch von Republikanern. Grund ist der noch nicht beendete Kampf gegen den IS und Sorge um das geostrategische Gleichgewicht.

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Nach seiner Entscheidung, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen, schlägt US-Präsident Donald Trump im In- und Ausland viel Kritik entgegen. Für die syrischen Kurden ist der Abzug ein harter Schlag, denn nun könnte eine neue Offensive der Türkei drohen.

"Wir haben allen Grund, Angst zu haben"

"Wir haben allen Grund, Angst zu haben", sagte Arin Scheikmos, ein kurdischer Journalist und Kommentator. "Wenn die Amerikaner sich zurückziehen und uns den Türken oder dem (syrischen) Regime überlassen, wird unser Schicksal wie das der Kurden des irakischen Kurdistans 1991 sein - eine Million Flüchtlinge, es wird Massaker geben", sagte er.

Der Gewinner des angekündigten US-Truppenrückzugs aus Syrien sei - neben der Türkei, Russland und Iran - vor allem Syriens Präsident Assad, analysiert Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Assads Herrschaftsanspruch sei gefestigt.

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Der in Europa lebende Kurdenvertreter Ebrahim Ebrahim erklärte: "Wenn das stimmt, ist das nicht nur ein Verrat an den Kurden oder dem syrischen Volks, sondern an Demokratie und Moral."

US-Truppen bisher Schutz für Kurden

Die US-Truppen waren bisher der wichtigste Verbündete und beste Schutz für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die rund ein Drittel des syrischen Territoriums kontrollieren. Doch ohne die Unterstützung der USA wird den Kurden wohl keine Wahl bleiben, als Machthaber Baschar al-Assad um Schutz zu ersuchen.

Die YPG dienen im Rahmen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) seit Jahren den USA als Bodentruppen im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Unter hohen Verlusten haben sie kurdische Städte wie Kobane befreit, aber auch arabische Städte wie Raka erobert. Ausgestattet mit modernen US-Waffen kontrollieren die YPG heute rund 30 Prozent Syriens, darunter auch viele Orte außerhalb der kurdischen Siedlungsgebiete.

Die Nachricht aus Washington kommt überraschend, weil sie nicht nur US-Interessen in Syrien zuwider läuft, sondern auch das Tor für neue Gewalt öffnen dürfte. Ziehen die Amerikaner vollständig ab, wäre der Weg frei für eine türkische Offensive. Denn auch der Türkei spielt ein Abzug in die Hände, schließlich will Ankara die Kurden angreifen, die im Norden und Osten Syriens große Gebiete kontrollieren.

Erdogan droht syrischen Kurden schon länger

Bereits mehrfach hatte Recep Tayyip Erdogan in den vergangenen Monaten der Kurdenmiliz YPG gedroht. Der türkische Präsident sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die Türkei ist bereits zwei Mal mit verbündeten syrischen Rebellen gegen die YPG in Nordsyrien vorgegangen, um sie von ihrer Grenze zurückzudrängen. Es könne jederzeit losgehen, verkündete Erdogan am Montag. Gab Trump mit seiner Entscheidung einem dringenden Wunsch Erdogans nach? Zumindest haben die beiden Staatschefs vor einigen Tagen über die Lage in Syrien am Telefon miteinander gesprochen.

Die Kurden brächte ein Abzug in eine schwierige Lage. Bislang gilt die YPG in Syrien als wichtigster und verlässlicher Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS. Doch ohne diesen starken Partner an ihrer Seite droht den Kurden ein Mehrfrontenkrieg. Im Osten gehen sie gegen eine der letzten IS- Bastionen vor. Im Norden könnte die Türkei einmarschieren. Und weiter westlich sind Syriens Regierungsanhänger erpicht darauf, die Gebiete der Kurden wieder einzunehmen, weil dort wichtige Ölvorkommen liegen.

Annäherung der Kurden an Damaskus?

Bislang ist das Verhältnis zwischen Damaskus und den Kurden angespannt. Syriens Regierung hat sie über Jahrzehnte diskriminiert und lehnt ihre jetzt erlangte Autonomie ab. In den vergangenen Monaten kam es zu einer vorsichtigen Annäherung, auf einer niedrigeren Ebene trafen sich Vertreter zu Gesprächen. Ziehen die US-Truppen ab, könnten sich die Kurden gezwungen sehen, weiter auf Damaskus zuzugehen - aus Mangel an anderen Partnern.

Die kurdischen YPG-Kämpfer und ihre arabischen Verbündeten dienen den USA auch als Bollwerk gegen Iran-treue Truppen, die in Syrien an der Seite der Regierung kämpfen, vorneweg die Schiitenmiliz Hisbollah. Sie verfolgen das Ziel, weiter nach Osten vorzustoßen, um die Grenze zum Irak zu kontrollieren. Dann wäre es dem Iran gelungen, einen gesicherten Landweg von der libanesischen Hauptstadt Beirut bis nach Teheran zu etablieren - was kaum im Sinne Trumps sein dürfte, der den Iran zu einem seiner größten Erzfeinde erklärt hat.

Kein Lernerfolg aus Geschichte

Für das Washington Institute für Near East Policy steht jetzt sogar "ein Kernelement"° der Iran-Politik des Weißen Hauses "auf dem Spiel"°. Der IS ist in Syrien zwar massiv geschwächt, aber noch lange nicht besiegt, wie nicht nur die Kurden warnen. Die großen Wüstengebiete des Landes, aber auch des benachbarten Iraks geben den Dschihadisten genug Raum, um unterzutauchen und sich neu aufzustellen.

Statt auf Militäroffensiven konzentrieren sie sich nun auf Anschläge. Nach einer Schätzung des Pentagons vom vergangenen August halten sich noch zwischen 13.100 und 14.500 IS-Kämpfer in Syrien auf. Das Schicksal erinnert an Al-Kaida im Irak. 2006 tötete die US-Armee dessen berüchtigten Anführer Abu Musab al-Sarkawi. Das Terrornetzwerk galt einige Jahre später im Irak als entscheidend geschwächt - um 2014 unter dem Namen IS große Teile des Landes zu überrennen.

US-Präsident Trump will einen raschen Abzug aller US-Truppen aus Syrien. Er erklärt den IS für besiegt. ZDF-Korrespondentin Britta Jäger über den umstrittenen Truppenabzug.

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