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Luftverschmutzung in Indien - Kein Feuerwerk an Diwali

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In Indien ist die Luftverschmutzung ein großes Problem - nun führt das auch zu Einschränkungen bei wichtigen religiösen Feierlichkeiten. Im Kampf gegen den Smog hat das oberste Gericht den Verkauf von Feuerwerkskörpern zum hinduistischen Lichterfest Diwali verboten. Viele Hindus sind empört.

Nach einer internationalen Studie kann jeder sechste verfrühte Todesfall auf Umweltverschmutzung zurückgeführt werden. 2015 starben neun Millionen Menschen durch Umwelt-Schadstoffe.

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In weiten Teilen Indiens haben die Menschen dem traditionsreichen Lichterfest Diwali entgegengefiebert. Wie auch bei vielen anderen Festen feiert man hier den Sieg des Guten über das Böse. Die Inder dekorieren ihre Häuser in großem Stil mit Öllampen aus Ton und Laternen. Diwali ist für die Hindus ebenso wichtig wie Weihnachten für die Christen. Als Highlight der fünf Tage andauernden Feierlichkeiten kommen Familien zusammen und zünden Feuerwerkskörper aller Art. Das Feuerwerk hat eine lange Tradition und ist Teil der Kultur.

Alarmierend hohe Luftverschmutzung

Jetzt hat Indiens oberstes Gericht den Verkauf von Feuerwerkskörpern in Neu-Delhi und der umliegenden Hauptstadtregion (National Capital Region - NCR) bis zum 1. November verboten. Das Verbot fällt in die Zeit von Diwali, das in diesen Tagen beginnt. Nach eigener Aussage will das Gericht die Auswirkungen des Verbots auf die Luftverschmutzung der Stadt feststellen.

Die Entscheidung basiert auf der alarmierend hohen Luftverschmutzung, die über die letzten Jahre in der Hauptstadt gemessen wurde. 2016 mussten Schulen in Neu-Delhi für drei Tage geschlossen werden, weil sich nach dem Diwali-Fest eine dichte Smog-Wolke über die Stadt gelegt hatte.

Viele Experten, darunter Organisationen des Umweltministeriums und Greenpeace India, begrüßen den Schritt, der helfen soll. Er soll helfen, die Luftverschmutzung einzudämmen. Auch aus verschiedenen Teilen der Bevölkerung kommt Zustimmung.

Hinduistische Feste im Visier?

Aber das Thema ist vielschichtiger als man zunächst vermuten mag. In der Bevölkerung wurden viele entrüstete Stimmen laut, die das Verbot als Verstoß gegen die religiöse Freiheit sehen. "Es ist, als hätten sie Diwali verboten", beklagt sich Deepa Makhija, Einwohnerin von Delhi. Das Verbot bezieht sich zwar nur auf den Verkauf von Feuerwerkskörpern, nicht aber auf deren Kauf. "Sie wissen aber, dass wir die Knaller erst zwei bis drei Tage vorher kaufen und jetzt geht das nicht mehr. Wie sollen wir sie zünden?“, entgegnet Makhija.

Die Hindus glauben, dass der Gott Ram an diesem Tag aus dem Exil zurückkam und seit es eine Neumondnacht ist, müssen alle Hindus ihre Häuser mit Lichtern dekorieren und ihn mit Feuerwerkskörpern begrüßen.

Ähnliche Bedenken teilen auch einige ihrer Mitbürger. Viele haben das Gefühl, solche Einschränkungen werden nur für hinduistische Feste beschlossen, während die Luftverschmutzung, die bei Festen anderer Religionen entsteht, außer Acht gelassen wird. "Auf der ganzen Welt, in hunderten von Ländern, zünden Menschen Raketen und Böller zu Silvester und Neujahr. Dass zum Diwali-Fest die Feuerwerkskörper wegen der Luftverschmutzung verboten wurden, ist widerlich. Mehr noch, weil hier die Verschmutzung, die durch Tieropfer von Anhängern einer bestimmten Religion (Muslime, Anmerkung der Redaktion) verursacht wird, einfach ignoriert wird“, gibt Praveen Shankar Kapoor, ein Sprecher der regierenden Partei BJP in Delhi, an.

Messung jenseits der Gefährdungsschwelle

Aber: Weite Teile der Bevölkerung unterstützen die Entscheidung des Gerichts. Umweltminister Harsh Vardhan, ebenfalls Mitglied der regierenden BJP, äußerte sich auf Twitter zunächst positiv über das Verbot - löschte die Tweets nach heftiger Kritik aber wieder.

Das oberste Gericht gab an, dass die Vorwürfe aus der Bevölkerung "schmerzen“. Der vorsitzende Richter A.K. Sikri fügt hinzu: "Wer mich kennt, weiß, dass ich selbst ein spiritueller Mensch bin. Aber dies ist eine rechtliche Fragestellung."

Am 16. Oktober, drei Tage vor dem Beginn des Diwali Festes, wurde ein Air Quality Index (AQI) von 304 erreicht. Diese Messung liegt bereits jenseits der Gefährdungsschwelle. Bei einem solchen Wert können starke Atemprobleme auftreten. Ab einem AQI von 300 empfiehlt die indische Behörde zur Überwachung der Luftverschmutzung (Central Pollution Control Board) Einschränkungen für umweltschädliche Fahrzeuge, Industrie und Baugewerbe. Diese Empfehlung wird aber kaum umgesetzt.

Verbot löst kein Problem

Eashan Ghosh, Anwalt und Einwohner Delhis, verfolgt diese Problematik seit mehr als zehn Jahren. "Das Verbot von Feuerwerkskörpern löst nur einen sehr kleinen Teil des Problems. In den Wintermonaten gibt es zahlreiche andere Faktoren, die die bereits starke Luftverschmutzung noch verschlimmern. Bauern, zum Beispiel, die nach der Ernte ihre Felder abbrennen, und atmosphärische Veränderungen. Das Verbot ist das Einfachste und am besten Sichtbare, das gegen ein Problem gemacht werden kann, das nicht ignoriert werden kann." Was Ghosh aber empört, ist die Kurzsichtigkeit des Verbots - und das darüber hinaus nichts getan wird. "Wie reduzieren wir die Luftverschmutzung in den nächsten drei Wintermonaten, wenn keine Feuerwerkskörper mehr im Spiel sind?"

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