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Vorschlag zu Plastik-Steuer - Die Droge der Verpackungsindustrie

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Plastikmüll verseucht immer mehr die Umwelt. Grünen-Chef Habeck will Wegwerfprodukte aus Kunststoff durch eine Steuer teurer machen und so die Verbraucher zum Umdenken bringen.

Plastik ist überall! 2050 soll es mehr Plastikmüll im Meer geben als Fische. Mikroplastik ist im arktischen Eis ebenso wie in unserer Nahrungskette. Ersticken wir im Plastik?

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Es ist keine neue Forderung, die Grünen-Chef Robert Habeck in diesen Tagen formuliert: "Wir brauchen eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte." Habeck verspricht sich dadurch eine "Lenkungswirkung". Höhere Preise, weniger Nachfrage, weniger Plastikmüll – eine scheinbar simple Lösung für ein globales Problem, denn Plastik ist die Droge der Verpackungsindustrie: Seit den 1950er-Jahren wurden mehr als 8,2 Milliarden Tonnen Plastik weltweit produziert. Das meiste davon landet auf dem Müll, in der Natur, in Flüssen und Ozeanen, wo riesige Müllstrudel umherschwimmen.

Australische Forscher etwa haben errechnet, dass rund 90 Prozent aller Seevögel Plastik im Magen haben. Sollte sich unser Konsumverhalten nicht ändern, sagen die Wissenschaftler voraus, werde es im Jahr 2050 so gut wie keine Seevögel ohne Plastik im Körper mehr geben. Und das ist nur ein Beispiel, wie die lange Haltbarkeit von Plastik der Natur zu schaffen macht. Schuld an dieser Entwicklung sind Hersteller und Verbraucher: Mit durchschnittlich 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf waren die Deutschen 2014 sogar Europameister. Die Wiederverwertung von Plastik funktioniert mangelhaft - allen politischen Bemühungen zum Trotz. Die Hersteller wollen günstig und haltbar verpacken, und Plastik macht‘s möglich.

Plastik-Steuer als Lösung?

ZDF-Umweltexperte Volker Angres sieht den Vorstoß kritisch: "Habeck verspricht sich eine Verhaltensänderung. Aber nehmen wir an, ein Plastikbecher würde wenige Cent teurer werden – würden die Menschen auf den Kauf verzichten? Und würden manche den Becher tatsächlich nicht mehr arglos wegwerfen?"

Sinnvoller seien etwa klare gesetzliche Regelungen, die vor allem die Hersteller stärker in die Pflicht nehmen. "Die Hersteller könnten beispielsweise verpflichtet werden, eine ausgewogene Stoffstrombilanz vorzuweisen. Was an Plastik produziert wird, müsse in gleichem Maße auch zurückgenommen und wiederverwertet werden", sagt Angres, der auf die ähnlich angelegte Hoftorbilanz bei landwirtschaftlichen Betrieben verweist, die den Stickstoffeintrag regulieren soll. Doch auch eine solche Regelung entbinde den Verbraucher nicht von seiner individuellen Verantwortung: "Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass die Natur nicht unnötig mit Müll belastet wird", unterstreicht Angres.

Die Plastik-Strategie der EU

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