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Brauchen wir neue Weihnachtstraditionen?

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Weihnachten for Future - Brauchen wir neue Weihnachtstraditionen?

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Ob Baum oder Gans: Viele Weihnachtstraditionen sind für Klimaaktivisten eine ökologische Katastrophe. Dennoch hängen die Deutschen an ihren Ritualen. Zu Recht? Ein Pro und Kontra.

Zerknülltes weihnachtliches Geschenkpapier liegt vor einem geschmücktem Christbaum
Weihnachten fo Future: Ist Geschenkpapier noch zeitgemäß?
Quelle: dpa

Tonnenweise Geschenkpapier, Millionen gefällte Weihnachtsbäume und massenweise Weihnachtspost: "Aus ökologischer Perspektive ist Weihnachten eine Katastrophe", sagt Ritualforscher Professor Axel Michaels. In Zeiten von Fridays for Future, Klimapaket und Plastiktütenverboten ist es verwunderlich, dass trotzdem viele Menschen an ihren Traditionen festhalten.

Aktuelle Zahlen belegen: In Deutschland werden mehr Weihnachtsartikel gekauft als früher. Importe von Artikeln wie Lametta oder Christbaumkugeln legten im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent zu. Auch der Absatz von Weihnachtsbäumen ist in diesem Jahr nicht zurückgegangen. Warum spielen Traditionen an Weihnachten so eine wichtige Rolle? Und ist es an der Zeit, diese zu reformieren?

Weihnachtsgeschenke: Freude vs. moralischer Druck

Eine Frau packt am vierten Advent Weihnachtsgeschenke ein
Schenken bereitet nicht nur Freude, sondern schafft auch moralischen Druck.
Quelle: dpa

Pro: Schenken ist eine menschliche Angelegenheit, dadurch wird Verbundenheit ausgedrückt, erklärt Axel Michaels. "Ein Geschenk bringt bleibend zum Ausdruck, dass jemand an mich gedacht hat. Und das macht natürlich Freude."

Kontra: Schenken verpflichtet zum Gegengeschenk, wodurch moralischer Druck entsteht, so der Ritualforscher. Damit stünden Geschenke in einem Interessenkonflikt zum ursprünglichen Sinn des Weihnachtsfestes - der selbstlosen Nächstenliebe.

Beim Thema Weihnachtsgeschenke muss auch der wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt werden: Der Einzelhandel wäre ohne das Weihnachtsgeschäft wirtschaftlich stark benachteiligt.

Geschenkpapier: Neugierde vs. Verpackungsmüll

Pro: Verpackte Gegenstände sehen schöner aus und stiften Neugierde, sagt Michaels zu diesem Ritual. Außerdem haben Geschenkverpackungen einen ganz praktischen Vorteil: Man fange nicht sofort damit an, die Präsente miteinander zu vergleichen. Auch das Auspacken spiele eine Rolle: "Es liegt immer ein erhöhter Reiz darin, etwas auszupacken." Dieser Akt hebe die Situation und den Gegenstand aus dem Alltag heraus.

Kontra: Das Abfallvolumen zum Weihnachtsfest steigt um bis zu 20 Prozent an, vor allem aufgrund von Geschenkverpackungen, schätzt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Kritik: Beschichtetes Papier lande in der Verbrennung und werde nicht recycelt. Seine Empfehlung: Wiederverwendbare Verpackungen oder Recyclingmaterial verwenden.

"Wir werden die Welt nicht retten, wenn wir alle unsere Weihnachtsgeschenke in Zeitungspapier einwickeln", gibt Carla Reemtsma von Fridays for Future zu bedenken. "Beim Thema Klima geht es um die großen politischen Veränderungen." Dennoch sei es wichtig, das individuelle Bewusstsein zu verändern - auch beim Thema Verpackungen.

Weihnachtsessen: Stabilität vs. Umdenken

Traditioneller Gänsebraten vor einem geschmückten Christbaum
Der traditionelle Gänsebraten gehört in Deutschland für viele Menschen zum Weihnachtsfest dazu.
Quelle: dpa

Pro: An Heiligabend gibt es in vielen Familien Kartoffelsalat mit Würstchen, am nächsten Tag dann Weihnachtsgans, Roastbeef oder Raclette. "Das, was war, soll wieder sein", erklärt Ritualexperte Michaels das Bedürfnis nach Wiederholung. Dazu bekenne sich der Mensch, weil es Sicherheit schaffe. "Das ist auch eine Sehnsucht gegenüber dem, was sich ständig verändert." Mittlerweile gebe es so viele alternative Gerichte: "Da halten viele am Gewohnten fest."

Kontra: Viele Klimaaktivisten ernähren sich fleischlos - nicht nur an Weihnachten. Denn die Nutztierhaltung trägt wesentlich zum Treibhauseffekt und damit zum Klimawandel bei, wie der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht belegt. Dabei geht es um die Relation, sagt Clara Reemtsma von Fridays for Future. "Was bringt es, wenn ich an 364 Tagen im Jahr Fleisch esse und dann an Weihnachten darauf verzichte? Oder andersrum?" Die Bewegung fordert zu einem generellen Umdenken auf - auch in traditionellen Fragen. Dieser Tweet - den Reemtsma einen "spielerischen Hinweis" nennt - macht das deutlich:

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Weihnachtsbäume: Tradition vs. Abholzung

Paar trägt selbst geschlagenen Weihnachtsbaum
Klassische Normanntanne, Öko-Baum oder doch lieber eine Plastik-Weihnachtsbaum?
Quelle: dpa

Pro: Weihnachtsbäume seien die größte und wichtigste Tradition zum Weihnachtsfest, sagt Saskia Blümel vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger. Die Menschen lieben ihr Aussehen und den Geruch, den sie im Wohnzimmer verbreiten, so Blümel. Auf die CO2-Debatte reagiert sie mit Unverständnis: Natürliche Bäume seien in der Regel klimaneutral. Bei deren Anbau werde Ackerfläche sinnvoll genutzt, abgeholzte Bäume würden stets für die neue Saison nachgepflanzt. "Würde man auf diesen Flächen keine Weihnachtsbäume mehr anbauen, würden da mit Sicherheit keine Wälder entstehen", sagt Blümel weiter. Von Plastikbäumen rät sie ab.

Kontra: Keine Nadeln, kein Brandrisiko, weniger Arbeit: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) verschmäht den Trend zu Plastikbäumen nicht gänzlich. Allerdings machen diese ökologisch erst Sinn, wenn sie 17 bis 20 Jahre durchhalten, so die Naturschützer. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood weist darauf hin, dass die meisten Christbäume aus Plantagen stammen, die gedüngt und mit Pestiziden bespritzt werden - mit entsprechender Belastung für Böden, Gewässer und Tiere. Eine Alternative seien laut Umweltbundesamt Ökobäume: Deren Marktanteil wird in diesem Jahr allerdings unter 0,5 Prozent bleiben.

"Weihnachten wird sich nach wie vor verändern"

Laut Ritualforscher Professor Axel Michaels sind die aktuellen Forderungen nach Veränderung und Umdenken nicht neu. Seit jeher seien Traditionen eng mit der Forderung nach Veränderung verwoben. Im Interview erklärt der Experte warum das so ist - und warum die aktuellen Debatte auch einen "pubertären Anteil" innehat.

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