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Wenn der Postbote nicht einmal klingelt

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Paketflut zu Weihnachten - Wenn der Postbote nicht einmal klingelt

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Die Deutschen bestellen immer mehr Waren online. Gleichzeitig steigen die Beschwerden über Paketdienste. Ein Weg aus dem Dilemma: Paketboxen. Aber auch die machen Probleme.

Paketstapel auf der Straße. Archivbild
Paketstapel auf der Straße. Archivbild
Quelle: Sina Schuldt/dpa

Zwischen "Cyber Monday" und Weihnachten haben Pakethersteller schwer zu tun. Alleine der Marktführer DHL rechnet in den Tagen vor Weihnachten mit 11 Millionen Paketen pro Tag - ein Plus von sechs bis acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Kraftakt, selbst wenn für die Feiertage 10.000 Aushilfskräfte eingestellt und 12.000 zusätzliche Fahrzeuge auf die Straße gebracht werden.

Die Kehrseite des Paketbooms: "Gerade vor den Weihnachtsfeiertagen häufen sich die Beschwerden - hier machen die Paketdienstleister ihr Haupt-Geschäft", erklärt Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Pakete werden zu spät geliefert, weisen Schäden auf oder verschwinden sogar.

Kofferraum als Paketkasten

Bei der Bundesnetzagentur gingen 2018 über 12.600 Beschwerden über Paket- oder Briefzusteller ein - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Besonders bei der Übergabe an der Wohnungstür gibt es Probleme.

So beschweren sich Verbraucher immer wieder, dass Paketboten gar nicht versuchen, eine Sendung zuzustellen, sondern die Pakete direkt bei einem Nachbarn deponieren oder schlicht ohne zu klingeln eine Benachrichtigungskarte hinterlassen. Um diesen Problempunkt zu umschiffen, setzen die Paketdienstleister verstärkt auf Zustellverfahren ohne persönliche Übergabe.

So hatte der Autohersteller Smart 2017 einen Modellversuch gestartet, bei denen der Kofferraum des Autos in eine Art riesigen Briefkasten umfunktioniert wurde. Der Paketbote konnte mit einer entsprechenden Kennung die Ware im Auto platzieren, ohne erst an der Wohnung des Kunden vorbeizugehen.

Allein DHL hat schon über 4.000 Packstationen

Doch obwohl das Modellprojekt technisch funktionierte, wurde es im Herbst eingestellt. "Der Service wird aus unserer Sicht erst dann richtig relevant, wenn alle Autos die Funktion haben, die neu auf den Markt kommen", erklärt eine Sprecherin des Paketdiensteisters DHL auf Anfrage von heute.de. "Wir sind hier offen für Kooperationen mit jedem Hersteller, der das plant."

Statt auf die Autozustellung setzen Paket-Dienstleister auf die Etablierung von Packstationen, die an zentralen Plätzen stehen und an die Kunden ihre Waren schicken lassen können. Mit einer App oder einer Kundenkarte können die Kunden dann die Ware entnehmen, sobald sie Zeit haben. Bereits heute hat DHL über 4.000 solcher Paketstationen installiert, bis 2021 will der Konzern 3.000 zusätzliche Automaten aufstellen. Auch der Online-Versender Amazon investiert gerade massiv in ein Netz von unternehmenseigenen Packstationen.

Jeder Kurier hat seine eigene Paketbox

Problem daran: In der Regel stehen diese Packstationen nur einem Dienstleister zur Verfügung. Wer etwa eine Lieferung von Zalando erwartet, kann nicht die Amazon-Boxen nutzen, wer eine Lieferung von UPS bekommen soll, kann diese nicht in einer DHL-Packstation empfangen.

Zwar haben sich die DHL-Konkurrenten DPD, GLS und Hermes zusammengeschlossen, um gemeinsam Paketboxen anzubieten, bei denen die Kunden jede Sendung empfangen können sollen - die entsprechenden Automaten sind jedoch noch kaum verbreitet: Zusammen mit Privatanlagen kommt das System namens "Parcellock" derzeit gerade einmal auf 400 Stationen bundesweit.

Kunden lassen sich Zeit mit der Abholung

"Wenn nicht jede Lieferung an solchen Stationen abgegeben werden kann, geht der Sinn solcher Boxen verloren", erklärt Andreas Schumann, Vorsitzender des Bundesverbands der Kurier-Express-Post-Dienste.

Zudem zeige sich in der Praxis, dass Kunden sich Zeit ließen, ihre Sendungen aus der Paketbox zu holen, wenn diese mehr als 200 Meter von der eigenen Wohnung entfernt seien. Folge: Es müssten immer größere Boxen gebaut werden, die unter den derzeitigen Umständen kaum zu finanzieren seien.

"Aus Verbrauchersicht wäre es ideal, wenn sich die Paketdienstleister auf eine Zusammenarbeit einigen würden, so dass man nicht für jeden Dienstleister zu einer anderen Packstation oder einem anderen Shop gehen muss", erklärt Verbraucherschützerin Husemann. Eine solche Einigung steht derzeit aber vorerst nicht zur Debatte, stattdessen investieren die großen Anbieter in ihre separaten Verteilsysteme.

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