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SPD und Linke - Weimar ist nicht Geschichte, sondern aktuell

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Von wegen: Weimar ist Geschichte. Die damalige Spaltung des linken Lagers setzt sich heute fort - mit der spannungsreichen Beziehung zwischen SPD und Linkspartei.

Es war die Geburtsstunde der Demokratie und das Ende der Monarchie in Deutschland. Am 9. November 2018 jährt sich der Beginn der Novemberrevolution zum 100. Mal. Andrea Nahles und Sarah Wagenknecht blicken zurück.

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Vor 100 Jahren sind die Fundamente für unsere Gegenwart gegossen worden. Sie tragen seit 70 Jahren unsere bundesdeutsche Demokratie. Die Novemberrevolution löste nicht nur das Kaiserreich ab, sondern schuf die wesentlichen Grundlagen einer Republik: von ganz großen Dingen wie Presse- und Meinungsfreiheit sowie Frauenwahlrecht bis hin zu ganz Wesentlichem wie Tarifautonomie und Arbeitslosenversicherung.

Mehrheits-Sozialdemokraten vs. Unabhängige Sozialdemokraten 

Am 9. November 1918 wurde bekanntlich zweimal die Republik ausgerufen. Gegen 14 Uhr von Philipp Scheidemann vom Westbalkon des Reichstags aus, und zwei Stunden später von Karl Liebknecht auf dem Berliner Schlossplatz.

Scheidemann war, wie das damals offiziell hieß: Mehrheits-Sozialdemokrat. Liebknecht zählte zu den Unabhängigen Sozialdemokraten, jener Gruppe linker Sozialdemokraten, die sich 1917 von der SPD abgespalten hatten, weil sie deren Unterstützung des Kriegs nicht akzeptierten. Doch er war eben erst aus dem Gefängnis entlassen und kämpfte für eine andere Form der Republik.

An diesem Tag also konkurrierten Teile der Linken wieder miteinander, tatsächlich aber standen MSPD und USPD kurz davor, gemeinsame Sache zu machen. Denn schon am 10. November 1918 übernahm der "Rat der Volksbeauftragen" die Regierung in Deutschland. Der war eine Koalition aus MSPD und USPD. Liebknecht jedoch war nicht dabei, obwohl der MSPD-Chef Friedrich Ebert und auch Scheidemann nichts dagegen gehabt hätten. Liebknecht gründete den Spartakusbund, aus dem dann die KPD hervorging. Er wollte eine sozialistische Räterepublik.

Nahles und Wagenknecht stehen sinnbildlich für damalige Spaltung

Auch wenn der "Rat der Volkbeauftragten" für die Anfangswochen der Weimarer Republik hielt, setzte sich die Spaltung der Linken fort, die Koalitionsregierung zerbrach nach wenigen Wochen. Und die Sozialdemokratie blieb in zwei Lager geteilt: im Grunde bis heute. Die SPD-Fraktions- und Parteivorsitzende  Andrea Nahles und die Linke-Fraktionsvorsitzende Sarah Wagenknecht stehen sinnbildlich dafür.

Wagenknecht sieht sieht im ZDF heute journal "eine Chance vertan", dass sich damals nicht Liebknecht durchgesetzt habe. Denn er hätte "echte Demokratie" gebracht. Nahles wiederum ist "stolz", die Erbin jener Sozialdemokraten zu sein, die eine "parlamentarische Demokratie" schufen. Mit anderen Worten: Wie einst Ebert und Scheidemann glaubt Nahles, wohl auch durch den Eintritt in und das Festhalten an der Großen Koalition, Chaos zu verhindern und Ordnung zu stützen.

Wagenknecht hingegen sieht gerade im Wandel die Chance, dass Neues entsteht, sie fordert ein "Zurück zu echter Sozialdemokratie", die sich in den Dienst der Arbeiter stellt.

Nahles: Linke erkennt immerhin parlamentarische Demokratie an 

Politisch versöhnlich klingen die beiden Politikerinnen nicht. Die Linke, spottet Nahles, habe auch heute noch die Neigung, "für alles als den Hauptfeind die SPD zu erklären". Dennoch gebe es einen Fortschritt schon: "Heute erkennt die Linke als Partei immerhin die parlamentarische Demokratie selbstverständlich an, das ist eine ganz andere Grundlage".

Zur Zusammenarbeit auf Bundesebene aber reicht es nicht – allein der Umfragezahlen wegen.

Wulf Schmiese ist Redaktionsleiter des heute journals.

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