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Schnee an den Feiertagen - Weiße Weihnachten - Mehr als ein Mythos?

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Jedes Jahr hoffen die Deutschen auf eine weiße Weihnacht - und werden oft enttäuscht. Warum Schnee an den Feiertagen selten ist - und wir trotzdem an dem Mythos festhalten.

Kapelle bei Elmau im Schnee
So soll es sein. Wie hier in Elmau. Ist es aber eher selten.
Quelle: picture alliance/imageBROKER

Jedes Jahr vor den Festtagen stellt sich Deutschland die eine, alles entscheidende Frage: Wird Weihnachten weiß? Und lautet die Antwort "Nein", ist die Enttäuschung meist groß. Denn für viele gehört zu einem idealen Weihnachtsfest der Schnee vor der Haustür dazu.

Hinzu kommt eine gewisse Nostalgie, die viele beim Gedanken an eine weiße Weihnacht überkommt. Früher, so heißt es dann oft, habe es viel häufiger Schnee an den Feiertagen gegeben. Stimmt die Einschätzung? Und wie wahrscheinlich sind weiße Weihnachten in Deutschland überhaupt?

Weiße Weihnachten historisch selten

Verfolgt man die historischen Wetterdaten bis zum Beginn der Aufzeichnungen 1881 zurück, dann wird ziemlich schnell klar: Verbreitet weiße Weihnachten sind in Deutschland eine Seltenheit. "Dass im Flachland Schnee liegt, ist sehr selten in Deutschland. Man sagt allgemein, dass von zehn Weihnachten vielleicht zwei bis drei weiß sein können", sagt ZDF-Wetter-Experte Gunther Tiersch.

Das ergibt sich auch aus den Daten des Deutschen Wetterdienstes. Der hat aufgezeichnet, in welcher deutschen Region es an Weihnachten im Schnitt wie wahrscheinlich Schnee gibt.

Weiße Weihnachten 2019
Wie wahrscheinlich ist Schnee zu Weihnachten in Ihrer Region?
Quelle: ZDF

Grund dafür ist das für Deutschland typische "Weihnachtstauwetter": Im Dezember erreicht Mitteleuropa häufig milde Atlantikluft, sodass die Temperaturen kurz vor den Feiertagen nach oben klettern. Zudem ist nicht der Dezember, sondern der Januar und Februar die durchschnittlich kältesten Monate im Jahr. Dass Schnee am Anfang und nicht zum Ende des Jahres hin fällt, ist somit deutlich wahrscheinlicher.

Früher gab es mehr Schnee? Nicht unbedingt

Bis 1860 gab es eine Periode der kleinen Eiszeit.
Gunther Tiersch, ZDF-Wetter-Experte

Daher stimmt auch die Aussage nicht, dass es früher häufiger zu Weihnachten geschneit habe als aktuell - es sei denn, man setzt "früher" mit "vor mehreren Jahrhunderten" gleich. "Bis 1860 gab es eine Periode der kleinen Eiszeit. In der Zeit und noch früher gab es tatsächlich noch viel kältere Winter", erklärt Tiersch.

Selbst die Kältewelle, die in den Wintern von 1960 bis 1964 zu beobachten war, hat sich seither nicht mehr in dieser Konstanz wiederholt. Das letzte Mal, das an Weihnachten flächendeckend Schnee lag, war 2010.

Nichts weiter als ein Postkartenidyll

Doch warum klammern sich so viele an die Vorstellung der weißen Weihnacht? Gunther Tiersch hält es für möglich, dass die Erfahrung der extrem kalten Winter vor 1860 in unser kollektives Gedächtnis übergegangen ist. "Vielleicht kommt da unsere Erinnerung her, die sich über Generationen gehalten hat", sagt er. Auch die Ruhe des Schnees, der den Schall von Verkehr oder Flugzeugen dämpft, passe perfekt zur Weihnachtsstimmung.

Eine andere Erklärung liefert die Schweizer Klimaforscherin Martine Rebetez. Sie hat sich angeschaut, wie sich die Motive von Weihnachtspostkarten gewandelt haben - und dabei festgestellt, dass die idyllischen Motive mit den verschneiten, ruhigen Landschaften erst seit 1860 Einzug in Europa nahmen.

Diese Karten wurden den Europäern unter anderem von ihren nach Amerika übergesiedelten Verwandten geschickt. Und die erlebten in Neuengland tatsächlich jene idyllischen Landschaften, die in Europa zu Weihnachten immer seltener wurden.

Aussicht auf Weihnachten 2019

Für die bevorstehenden Feiertage sieht ZDF-Wetter-Experte Tiersch wenig Hoffnung auf eine weiße Weihnacht. Er prognostiziert: "In diesem Jahr werden wir relativ windiges Wetter haben, es wird nicht ganz so warm werden. Wie es jetzt aussieht, zieht ein Regengebiet durch am 24. Dezember. Es wird also meist Regen fallen. Schnee gibt es nur Oberhalb von 1.500 Metern."

Und wie sieht es mit den kommenden Wintern aus - vor allem mit Blick auf den Klimawandel? "Wir haben seit 30 Jahren immer wärmere Jahre und das macht sich auch in den einzelnen Monaten bemerkbar", sagt Tiersch. Im Vergleich zu den Temperaturen zwischen 1961 bis 1990, sei der Dezember in den vergangenen Jahren zum Teil um fünf Grad wärmer gewesen. In diesem Jahr läge die Abweichung nach oben bei etwa 2,5 oder 3 Grad.

"Grundsätzlich wird es - mit Schwankungen - langsam immer wärmer", erklärt Tiersch. Trotzdem würde es auch in Zukunft immer mal zu flächendeckendem Schnee an den Feiertagen kommen wie etwa 2010. Der Mythos von der weißen Weihnacht wird so schnell also nicht sterben.

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