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Nach Hartz-IV-Urteil - Jusos wollen den Verzicht aller Sanktionen

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Viele Hartz-IV-Empfänger müssen künftig keine drastische Kürzung ihrer Leistungen mehr befürchten. Die Jusos fordern den kompletten Verzicht, und auch die Grünen haben Forderungen.

Eine Arbeitslose Mutter sitzt am 02.08.2011 mit ihren drei Töchtern in ihrer Wohnung, aufgenommen am  02.08.2011  in Schwerin
Eine arbeitslose Mutter mit ihren drei Töchtern in ihrer Wohnung (Archivfoto)
Quelle: dpa

Nach der Entschärfung von Hartz-IV-Sanktionen fordert die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, auch die Aufhebung für unter 25-Jährige. "Auch wenn das gestrige Urteil nur die über 25-Jährigen betroffen hat, ist doch jedem klar, dass Respekt und Menschenwürde auch für den Umgang mit jungen Menschen gelten muss", sagte die Grünen-Politikerin. Der Staat dürfe diese Menschen nicht in Existenznöte stürzen. "Union und SPD sollten nicht darauf warten, bis ihnen erneut ein Gericht vorschreibt zu handeln und die sozialen Grundrechte zu respektieren."

Gericht bewertet Kürzungen teils als verfassungswidrig

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Dienstag entschieden, dass die monatelangen Leistungskürzungen für Hartz-IV-Bezieher, die ihren Pflichten nicht nachkommen, teilweise verfassungswidrig sind und abgemildert werden müssen. Nicht überprüft wurden allerdings die besonders scharfen Sanktionen für junge Hartz-IV-Empfänger unter 25 Jahren.

Kevin Kühnert bei einem Interview.
Kevin Kühnert bei einem Interview.
Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Auch Juso-Chef Kevin Kühnert warnte davor, es dabei zu belassen. Er wolle auf dem SPD-Parteitag im Dezember über eine Abschaffung aller Hartz-IV-Sanktionen abstimmen lassen. "Wir Jusos werden dann beantragen, dass die SPD künftig komplett auf Sanktionen verzichtet und stattdessen Förderung, Ermutigung und den Rechtsanspruch auf Qualifizierung und Weiterbildung in den Mittelpunkt stellt", sagte Kühnert der "Rheinischen Post".

Union lehnt kompletten Abschaffung ab

Die Union lehnt derweil die komplette Abschaffung der Hartz-IV-Sanktionen ab. "Es ist gut, dass das Bundesverfassungsgericht die Sanktionen im Bereich des Arbeitslosengelds II insgesamt nicht in Frage stellt", sagte Unionsfraktionsvize Hermann Gröhe der "Rheinischen Post. Die Koalition werde genau prüfen müssen, welcher gesetzgeberische Handlungsbedarf durch das Urteil ausgelöst werde. Im Vordergrund müssten aber weitere Anreize zur Arbeitsaufnahme stehen.

Die Linke im Bundestag fordert derweil umfassende Verbesserungen für Arbeitslose mit einem neuen "Arbeitslosengeld Plus". Die neue Leistung soll nach dem Bezug des Arbeitslosengelds fließen, wie aus einem Antrag der Linken hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. "So schaffen wir soziale Sicherheit und ziehen dem Disziplinierungsinstrument Hartz IV die Zähne", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Susanne Ferschl.

Wer auf Hartz IV angewiesen ist, bekommt nur das Nötigste. Und die Jobcenter können den Geldhahn noch weiter zudrehen. Fast 15 Jahre lang ging das so. Jetzt greift das Verfassungsgericht ein, alle Details im Überblick:

Bundesagentur für Arbeit

Bundesverfassungsgericht - Hartz IV: Was das Urteil bedeutet

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