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Weizsäcker-Angreifer soll in Klinik

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"Akute psychische Erkrankung" - Weizsäcker-Angreifer soll in Klinik

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Nach dem tödlichen Messerangriff auf Fritz von Weizsäcker soll der Angreifer in die Psychiatrie. Der Täter leide unter einer "akuten psychischen Erkrankung", so der Staatsanwalt.

Der mutmaßliche Angreifer des Berliner Chefarztes Fritz von Weizsäcker hat nach Erkenntnis der Ermittler im Wahn gehandelt. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilte, will sie nach einer psychiatrischen Untersuchung des 57-jährigen Tatverdächtigen dessen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragen. Der Verdächtige soll von Weizsäcker am Dienstagabend während eines Vortrags mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt haben.

"Allgemeine Abneigung gegen Weizsäcker-Familie"

Laut Generalstaatsanwaltschaft äußerte der 57-Jährige bei seiner Vernehmung durch die Polizei eine allgemeine Abneigung gegen die Familie von Weizsäcker, die wahnbedingt sei. Er habe im Rahmen seiner Tatplanung dann im Internet recherchiert und sei dabei auf den Vortrag von Weizsäckers in der Schlosspark-Klinik gestoßen. Das Motiv des Mannes liege in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten", begründete die Ermittlungsbehörde. Der 57-Jährige habe angegeben, die Tat geplant zu haben.

Der Mann sei am Dienstag mit der Bahn zu der Veranstaltung gefahren. Zuvor habe er noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft, um damit am Abend die Tat zu begehen. Dem Mann würden Mord und versuchter Mord vorgeworfen, hieß es. Ein Polizist, der privat bei dem Vortrag war und dazwischen ging, wurde schwer verletzt. Er ist aber nicht in Lebensgefahr.

Entsetzlicher Schlag gegen die Familie

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte der Mutter des Opfers, der einstigen First Lady Marianne von Weizsäcker (87), handschriftlich sein Beileid aus. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch, es sei "ein entsetzlicher Schlag für die Familie von Weizsäcker". Die Anteilnahme der Bundeskanzlerin, sicher auch der Mitglieder der Bundesregierung insgesamt, gingen an die Witwe und die ganze Familie.

Der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker würdigte seinen Cousin Fritz mit warmen Worten. "Ich fand ihn ganz wunderbar", sagte von Weizsäcker der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt." Er habe keine Ahnung, was hinter dem Verbrechen stecken könnte. Fritz von Weizsäckers Schwester Beatrice schrieb bei Twitter: "Wir können es weder fassen noch glauben." Bei Instagram postete sie ein Kreuz.

Von Essen bis nach Bonn und Berlin

Das Opfer, der 1960 in Essen geborene Mediziner Fritz von Weizsäcker, stammte aus einer berühmten Familie. Sein Vater Richard von Weizsäcker (1920-2015) war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor 1981 bis 1984 für die CDU Regierender Bürgermeister von Berlin (West). Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Fritz von Weizsäcker war das jüngste der vier Kinder. Sein Bruder Andreas starb 2008, es leben noch die Schwester Beatrice (61) und der älteste Bruder Robert Klaus (64).

In der Krankenhaus-Kantine erzählte eine Angestellte am Tag danach, dass der Chefarzt ein sehr netter Mensch gewesen sei. Die Klinik legte ein Kondolenz-Buch aus. "Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, in einem geschützten Raum ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen", hieß es in einer Stellungnahme. Die Mitarbeiter und auch die Teilnehmer der Veranstaltung bekamen demnach psychologische Unterstützung.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bekundete ihr Beileid, sie sei bestürzt über die Nachricht vom tödlichen Angriff. Sie verurteile Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte "aufs Äußerste". Dass Menschen, die anderen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders. "Mein Dank und Respekt gilt den Teilnehmenden der Veranstaltung, die Zivilcourage gezeigt haben."

Wird es nun eine Sicherheitsdiskussion geben?

Auch von Weizsäckers Kollegin, der Berliner Charité-Professorin Britta Siegmund geht die Tat nahe. Es sei schon der zweite Kollege, den sie auf diese Weise verliere, sagte Siegmund. Eine Sicherheitsdebatte zu führen, hält sie derzeit aber nicht für sinnvoll. "Wir wissen jetzt zu wenig, was passiert ist." Erst einmal seien die Gedanken bei der Familie.

Im Sommer 2016 hatte ein 72 Jahre alter Patient an der Charité einen Mediziner erschossen und sich danach selbst getötet. Der 55 Jahre alte Kieferorthopäde hatte den Mann schon lange behandelt. Damals war das Motiv des Täters wohl Verzweiflung. Die Charité bekräftigte danach, dass Sicherheitskontrollen an Krankenhäusern unrealistisch seien - die Häuser müssten für Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Studenten offen sein.

Rückblick auf den Angriff

Ein Rückblick auf die Attacke: Ein unauffälliges Plakat lockt zum öffentlichen Vortrag in der Schlosspark-Klinik. Um "Fettleber - (K)ein Grund zur Sorge?" soll es gehen. Über ein Dutzend Menschen hatten an diesem kalten, nassen Novembertag den Weg zu dem Krankenhaus am Rande des Parks von Schloss Charlottenburg gefunden. Beim "Forum 11/2019" im Tagungsraum Haus H der Abteilung für Psychiatrie sprach Dozent Fritz von Weizsäcker, Chefarzt an der Schlosspark-Klinik. Es ging um sein Fachgebiet, "die Fettleber, eine weitgehend unbekannte, aber zunehmende Volkskrankheit".

Während des Vortrags, so ergeben später die Ermittlungen, löste sich ein Mann aus der Reihe der Zuhörer. Der Mann stürmte auf den Dozenten zu. Ein Polizist (33), der zufällig unter den Zuschauern saß, versuchte, den Mann aufzuhalten und überwältigte ihn. Der Beamte wurde selbst schwer verletzt. Er kam später in ein anderes Krankenhaus, wurde operiert und ist nicht in Lebensgefahr. Mehrere der Menschen im Publikum halfen, den Angreifer festzuhalten. Er wurde festgenommen. Gegen 19.00 Uhr ging bei Feuerwehr und Polizei ein Notruf ein, Rettungssanitäter und ein Notarzt eilten zu Hilfe. Sie konnten dem schwer verletzten Spitzenmediziner aber nicht mehr helfen.

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