Sie sind hier:

Betriebsrente - Ganz schön kompliziert

Datum:

Seit einem Jahr gibt es neue Regelungen in der Betriebsrente. Doch die Umsetzung hakt. Die Neuregelung sei zu kompliziert, so Wirtschaftsexperte Thiemermann im heute.de-Interview.

Neue Regelungen zur Betriebsrente sollten eine Absicherung zusätzlich zur gesetzlichen Rente ermöglichen. Da das Gesetz nur schleppend Fuß fasst, trifft sich Arbeitsminister Heil erneut mit den Sozialpartnern.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Laut dem jüngsten Alterssicherungsbericht der Regierung 2016 hat fast die Hälfte der Geringverdiener mit einem Bruttolohn unter 1.500 Euro keine betriebliche Altersversorgung oder Riester-Rente. Seit einem Jahr gibt es auch deshalb die neue Betriebsrente. Sie soll vor allem Arbeitenden mit geringeren Einkommen die Altersvorsorge erleichtern. In der Umsetzung hakt es aber bislang. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat die Sozialpartner jetzt nach Berlin eingeladen, um Wege auszuloten, wie man das ändern kann. heute.de hat mit dem Experten für betriebliche Altersvorsorge, Prof. Michael Thiemermann von der Fachhochschule der Wirtschaft in Marburg gesprochen.

heute.de: Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf betriebliche Altersversorgung. Wie sieht dieser Anspruch konkret aus?

Michael Thiemermann: Seither haben alle Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf eine Gehaltsumwandlung in Höhe von vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung. Das heißt: Jeder Arbeitnehmer darf zu seinem Arbeitgeber gehen und sagen: Ich möchte gerne Teile meines Gehaltes umwandeln. Wir nennen das die "arbeitnehmerfinanzierte" betriebliche Altersvorsorge - weil der Arbeitnehmer sie von seinem Gehalt bezahlen muss.

heute.de: Welche Vorteile hat das für den Arbeitnehmer?

Thiemermann: Die Vorteile sind grundsätzlich, dass sie die 100 Euro, die sie auf diesem Wege in die betriebliche Altersvorsorge einfließen lassen, aus dem Brutto bezahlen. Die sind also nicht mit Steuern und auch nicht mit Sozialversicherungsabgaben belegt. Wenn ich dagegen eine normale Lebensversicherung abschließe, zahle ich die ja immer aus meinem Netto-Gehalt - es bleibt für die Altersvorsorge also weniger hängen.

heute.de: Und an wen wende ich mich, wenn mir diese Möglichkeit der Altersvorsorge in meinem Betrieb nicht automatisch angeboten wird?

Thiemermann: Im Zweifel zu meinem Arbeitgeber gehen und sagen: Ich will eine Entgeltumwandlung haben, denn die steht mir zu. Dagegen kann sich der Arbeitgeber nicht wehren, wenn er mir keine andere Alternative anbietet.

heute.de: Es gibt verschiedene Formen und Wege zur betrieblichen Altersvorsorge. Welche sind das?

Thiemermann: Einfach erklärt gibt es fünf Arten der Durchführung einer betrieblichen Altersvorsorge und drei Finanzierungswege. Schauen wir zuerst auf die Finanzierung. Die Gelder können vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber kommen. Die dritte Möglichkeit ist eine Mischfinanzierung, bei der beide etwas einzahlen. Eingezahlt werden die Gelder in Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds.

Daneben gibt es noch zwei andere Formen, nämlich die Unterstützungskasse und die sogenannte Direktzusage. Die Direktzusage ist der einzige Weg, der über die Bilanz des jeweiligen Arbeitgebers läuft. Der muss dafür also Gelder zurückstellen, um die Zusage einhalten zu können.

heute.de: Gibt es grobe Anhaltspunkte, was für wen in Frage kommt?

Thiemermann: Nach dem Gesetz werden die drei Wege Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfond von der Steuer freigestellt - deswegen sind sie lukrativ. Der inzwischen populärste - weil am einfachsten nachzuvollziehende Weg - ist die Direktversicherung. Diese Variante ist auch am weitesten verbreitet.

heute.de: Vor gut einem Jahr sind Änderungen der Betriebsrente in Kraft getreten, worum ging es im Kern?

Thiemermann: Das Problem ist, dass die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge vor allem bei kleinen und mittleren Betrieben und bei Beschäftigten mit niedrigen Einkommen gering ist. Bei Großkonzernen haben fast alle die Möglichkeit für eine Direktversicherung, die Arbeitgeber setzen das in der Regel auch um. Kleineren und mittelständischen Unternehmen war das oft zu kompliziert.

Mit der Neuregelung sollten auch sie und Geringverdiener verstärkt für das Alter vorsorgen. Der Pferdefuß daran aber ist, dass der Arbeitgeber der Versicherungsnehmer sein muss, während die versicherte Person der Arbeitnehmer ist. Das ist kompliziert und hält wohl viele kleine und mittlere Betriebe davon ab, die neuen Regelungen umzusetzen.

heute.de: Also ist die neue Regelung zu kompliziert?

Thiemermann: Das würde ich so sagen. Wenn die Leute etwas nicht verstehen, lassen sie die Finger davon. Das gilt für Arbeitgeber genauso wie für Arbeitnehmer. Schon die Tatsache, dass wir mindestens fünf Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge haben, macht die Entscheidung nicht wirklich leicht.

Die Fragen stellte Mischa Ehrhardt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.