ZDFheute

Texte auf den Punkt gebracht

Sie sind hier:

Welt-Braille-Tag - Texte auf den Punkt gebracht

Datum:

Sechs Punkte, 64 Kombinationen und die ganze Welt der Schrift: Seit fast 200 Jahren erleichtert die Blindenschrift Braille Sehbehinderten den Alltag. Heute ist Welt-Braille-Tag.

Der vierte Januar steht seit 2001 in vielen Ländern ganz im Zeichen der Braille-Schrift. Der von der Weltblindenunion (WBU) ins Leben gerufene Aktionstag erinnert an den am 4. Januar 1809 geborenen Franzosen Louis Braille. Braille, der schon in frühen Jahren sein Augenlicht verloren hatte, erfand als Jugendlicher das Punktschriftsystem, das sich allerdings erst 1854, zwei Jahre nach seinem Tod, offiziell durchsetzte.

Schrift vielfältig einsetzbar

Die 64 Zeichen des Blindenschrift-ABC, auch Literaturbraille genannt, können auch Sprachen wie Arabisch abbilden. Außerdem gibt es spezielle Punktkombinationen zum Beispiel für Musiknoten oder mathematische Formeln.

Deutsches Braille-Alphabet
Die Braille-Schrift beruht auf sechs Punkten: drei in die Höhe mal zwei Punkte in der Breite. Insgesamt ergeben sich so 64 unterschiedliche Möglichkeiten, mit denen Buchstaben, Zeichen und Zahlen dargestellt werden.
Quelle: colourbox

Große Erleichterungen im Alltag bringt sehbehinderten Menschen die Digitalisierung. Um PC-Sonderzeichen abzubilden, wurde das Sechs-Punkte-System um zwei weitere Punkte erweitert. Durch die insgesamt acht Punkte ergeben sich für Computerbraille 256 Zeichenkombinationen.

Barrierefreie Apps werden immer wichtiger

Inzwischen gibt es aber neben der Braille-Schrift mehr als hundert barrierefreie Apps als Alltagshelfer, sagte Thomas Kahlisch, Präsidiumsmitglied im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). Das sind Anwendungen, die auch für Menschen mit Einschränkungen bedienbar sind. So kann man zum Beispiel mit der Smartphone-Kamera Beipackzettel oder Türschilder fotografieren und vorlesen lassen. Andere Apps ermöglichen, Farben von Kleidung zu erkennen. "Sprachassistenten sind auch eine große Hilfe, vor allem für blinde Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen", sagte Kahlisch, der hauptamtlich Leiter des Deutschen Zentrums für barrierefreies Lesen in Leipzig ist. Wichtig sei, dass die Techniker auch bei Updates der Apps die Barrierefreiheit einhielten.

"Die Braille-Schrift bleibt aber unverzichtbar", betonte der Informatiker. "Die Digitalisierung verdrängt ja auch nicht die Schrift für sehende Menschen." Kahlisch arbeitet häufig mit einer sogenannten Braillezeile, die sich über Bluetooth mit dem Smartphone verbindet. Mit diesem Gerät, das herkömmliche Schriftzeichen in Brailleschrift darstellt, können etwa E-Books oder Nachrichten gelesen werden. "Das ist in Meetings praktisch, wenn man sich nichts vorlesen lassen kann", sagte er. Die Braillezeile sei heute nicht mehr größer als eine Tafel Schokolade.

Brauchen Blinde die Blindenschrift überhaupt noch, wenn man sich per App alles vorlesen lassen kann?

Beitragslänge:
1 min
Datum:

In Deutschland leben nach Angaben des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands schätzungsweise 150.000 Blinde und 500.000 Menschen mit Sehbehinderungen - Tendenz steigend. Viele erblinden erst im Alter, was die Umstellung auf ein Leben ohne Augenlicht umso schwieriger macht.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.