Sie sind hier:

Rettungsstation in Thailand - Orang-Utans sind kein Spielzeug

Datum:

Mit dem dringenden Appell, Orang-Utan-Shows zu boykottieren, wenden sich Tierschützer an Asien-Reisende. Hinter der Bühne leiden die Menschenaffen unvorstellbare Qualen.

Chico mag Menschen. Sobald sein Pfleger das Gehege betritt, rast der Orang-Utan auf ihn zu, so aufgeregt, dass er Purzelbäume schlägt. Erst klammert sich Chico an die Beine, dann nimmt er die menschlichen Hände in seine Pfoten, er will gestreichelt, getragen, unterhalten werden. Chico muss etwa acht Jahre alt sein, aber das ist nur geschätzt. Niemand weiß, in welchem Alter und unter welchen Qualen das Äffchen seiner Mutter entrissen wurde. Und wie es aus dem indonesischen Regenwald auf eine Touristeninsel in Thailand kam.

Küsschen geben und Mangelernährung

Chico scheint noch sehr klein gewesen zu sein, als sein Besitzer begann, ihn wie ein Spielzeug zu vermieten. Für ein paar Baht gab es ein Foto mit dem großäugigen Tierbaby. Chico musste lernen, Küsschen zu geben und Faxen zu machen. Auf die Touristen muss das rothaarige Fellbündel niedlich und verspielt gewirkt haben. Aber als es endlich in die Hände der Tierschützer kam, stellten sie diverse Krankheiten, Mangelernährung und eine schwere Traumatisierung fest. In der Wildnis bleiben Orang-Utan-Babys bis zu acht Jahre bei ihren Müttern, die sie Tag und Nacht beschützen und versorgen.

Es gibt nur zwei Wege, aus einem wilden Tier eine Attraktion zu machen: mit Schmerzen oder mit Hunger.
Edwin Wiek, Leiter Rettungsstation

"Es gibt nur zwei Wege, aus einem wilden Tier eine Attraktion zu machen: mit Schmerzen oder mit Hunger", sagt Edwin Wiek. Der Niederländer steht am Rand eines gigantischen Elefanten-Geheges in der Nähe des thailändischen Urlauberortes Hua Hin. "Kein Essen für zwei, drei oder vier Tage, dann machen sie alles, was man will." Edwin Wiek hat 25 Elefanten gerettet und für seine Schützlinge ein Rettungszentrum mit einem solch riesigen Revier geschaffen, dass er ein Moped braucht, um von Tier zu Tier zu kommen. Im Laufe der Jahre sind Gibbons, Makaken, Otter, Wildkatzen und Vögel dazugekommen. Und Chico.

Rettungszentrum im Regenwald

Orang-Utan Chico
Orang-Utan Chico ist auf Menschen trainiert.
Quelle: Björn Vaughn

Normalerweise bringen Tierschützer befreite Orang-Utans zurück in ihre indonesische Heimat. Dort gibt es Rettungszentren, spezialisierte Tierkliniken und - das wichtigste - von Wildhütern bewachten, summenden, dampfenden Regenwald, in dem die geretteten Menschenaffen wieder artgerecht leben dürfen. Für Chico aber ist es zu spät. Zu lange hat das Äffchen mit Menschen agiert. Sein Verhalten ist nicht mehr natürlich, seine Krankheiten würden den wertvollen Bestand der verbliebenen Artgenossen gefährden. In den vergangenen Jahrzehnten sind 90 Prozent der Orang-Utans ausgestorben.

Edwin Wiek
Edwin Wiek hilft Orang-Utans.
Quelle: ZDF

Wie viele Orang-Utans in die Urlauberhochburgen Thailands verschleppt wurden, weiß niemand. Es müssen Hunderte sein. Vor allem bei asiatischen und russischen Touristen sind die Box-Shows beliebt, bei denen sich Orang-Utans vor einem johlenden Publikum gegenseitig verprügeln müssen. In manchen Vorstellungen sitzen bis zu 2.000 Zuschauer. Was die wenigsten von ihnen ahnen: Die meisten Tiere haben sich mit menschlichen Krankheiten wie Hepatitis C angesteckt. Knochenbrüche gehören zum Alltag. "Das Leiden sehen die Besucher nicht", sagt Edwin Wiek: "Das passiert hinter der Bühne."

Für die Orang-Utans, die zur Touristenbelustigung nach Thailand geschmuggelt werden, konnten die Tierschützer bisher keine Zuflucht anbieten. Seit aber im Elefantencamp von Edwin Wiek das große, grüne Chico-Gehege eröffnet ist, haben auch die Show-Affen die Chance auf ein zweites Leben. "Edwin hat riesige Flächen zur Verfügung gestellt", sagt Daniel Merdes, Geschäftsführer von Borneo Orangutan Survival (BOS) Deutschland: "Natürlich ist es nicht Indonesien, sondern Thailand. Aber sie haben Bäume zum Klettern, sie kriegen Früchte. Sie haben ein wirklich gutes Leben hier."

Orang-Utans leiden in Shows

Diese Shows sehen spaßig aus, aber die Orang-Utans müssen für den Spaß grausam leiden.
Edwin Wiek, Leiter Rettungsstation

"Diese Shows sehen spaßig aus", sagt Edwin Wiek, "aber die Orang-Utans müssen für den Spaß grausam leiden." Es sollte für jeden Urlauber selbstverständlich sein, solche Attraktionen zu boykottieren. "Genießen Sie Thailand", beschwört auch BOS-Chef Merdes deutschsprachige Reisende: "Erfreuen Sie sich am Wetter, an der Natur, am Essen. Aber bitte, geben Sie keinen Baht für Tierquälerei aus." Zwar wachse vor allem bei westlichen Touristen das Bewusstsein. "Aber vielen ist immer noch nicht klar, dass sie selbst Teil des Problems sind."

Chico hat so lange unter Menschen gelebt, dass er jedes Mal überglücklich ist, wenn sich sein Pfleger mit ihm beschäftigt, wenn er gelobt und gefüttert wird. Das scheue Affenmädchen Maggie, das seit einiger Zeit mit ihm zusammenlebt, turnt dagegen lieber allein durch die tropischen Bäume. Chico und Maggie sind die ersten befreiten Show-Orang-Utans Thailands. Die Tierschützer sind überzeugt, dass die beiden inzwischen etwas sehr wichtiges verstanden haben: Dass ihre Zeit der Schmerzen vorbei ist. 

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.