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Welt-Aids-Tag - Zwischen Diskriminierung und neuer Chance

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Einer von 1.000 Menschen in Deutschland hat HIV. Diskriminierung erleben sie täglich. Warum Ängste im Umgang irrational sind und wie es gelingt, die Krankheit im Griff zu behalten.

Archiv. Eine Frau trägt eine Aids-Schleife, aufgenommen am 06.11.2009
Eine Frau trägt eine Aids-Schleife (Symboldbild)
Quelle: dpa

In Deutschland leben laut Robert Koch-Institut etwa 86.100 Menschen mit HIV. Das sind mehr Menschen als in Gießen oder Konstanz Einwohner haben. Oder: Mehr als einer von 1.000. Etwa 14 Prozent der Infizierten wissen nicht, dass sie das Virus tragen. Die Infektion hat heute nicht mehr die Tragweite wie noch vor einigen Jahren. Und je früher die Diagnose, desto besser die Behandlungschancen. Dennoch halten sich viele Vorurteile hartnäckig, Diskriminierung gehört für HIV-Positive zum Alltag. Ein Überblick, wie es 2018 in Deutschland wirklich ist:

Vorstellungen aus den 80ern

Das Bild, das viele Menschen von HIV und Aids haben, entstammt den 80er und 90er Jahren. In dem Oscar-prämierten Film "Philadelphia" von 1993 kämpft Tom Hanks als homosexueller HIV-Infizierter für seine Würde, gegen die heimtückische Krankheit und Diskriminierung. Im Film verliert Hanks den Kampf gegen das Virus. Seine Würde behält er. Auch wenn sich die Behandlungsmöglichkeiten seitdem gebessert haben, die Abweisung hat sich kaum verändert. Marcel Dams ist 29 und trägt das Virus. Ihm widerfährt das fast täglich. "Wir werden gemieden, als Todgeweihte behandelt."

Holger Wicht von der Deutschen Aids-Hilfe kennt das. "Oft liegen irrationale Ängste oder die Abwertung eines vermuteten Lebensstils zugrunde." Diese irrationalen Ängste führen dazu, dass HIV-Positive auch im Arbeitsmarkt benachteiligt werden. "Manche Arbeitgeber fürchten, HIV-positive Menschen wären nicht leistungsfähig oder könnten dem Ruf des Unternehmens schaden", sagt Wicht. Er betont, dass niemand schuld sei. Niemand infiziere sich mit Absicht. Zuhören und Verstehen sind auch deshalb für ihn die wichtigsten Botschaften zum Welt-Aids-Tag.

Diskriminierung allerorten

Ablehnung und Diskriminierung gibt es selbst im Gesundheitswesen. "Menschen mit HIV bekommen häufig den letzten Termin am Tag oder ihnen sogar die Behandlung verweigert", sagt Dams. "Wenn ich fremden Menschen von meiner Infektion erzähle, dann muss ich immer mit Vorwürfen oder Diskriminierung rechnen."

Was noch immer nicht allen klar ist: Menschen, die sich mit dem HI-Virus anstecken, bekommen nicht gleich Aids. Die HIV-Infektion ist vielmehr eine chronische Krankheit, die das Immunsystem angreift. Mit Medikamenten lässt sich verhindern, dass sich das Virus im Blut vermehrt.

Die Präsenz im Netz nutzen

Das Todesurteil, das viele früher mit Aids assoziiert haben, gibt es nicht. Hochrechnungen gehen von einer fast normalen Lebenserwartung aus. Eine frühzeitige Diagnose ist dabei entscheidend. Mit den richtigen Medikamenten lässt sich der Ausbruch von Aids dauerhaft verhindern. "Die Therapie blockiert die Vermehrung von HIV im Körper, so dass die Infektion nicht voranschreiten kann", erklärt Wicht von der Deutschen Aids-Hilfe. Je früher mit der Behandlung begonnen werde, desto besser. "Mit HIV kann man heute alt werden", sagt Wicht. Konkrete Zahlen seien jedoch wenig belastbar, zu viele Faktoren spielten dabei eine Rolle.

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Marcel Dams baut auf Präsenz im Netz. Er nutzt Facebook, Instagram, Twitter und vor allem Youtube, um über fast alles rund ums Thema HIV zu sprechen. Seine Videos haben mehr als 100.000 Aufrufe. "Aus meiner Sicht ist es wichtig, mit Sichtbarkeit etwas gegen Ausgrenzung zu tun, indem ein realistisches Bild vom Leben mit HIV vermittelt wird." Vorurteilen stellt er Fakten gegenüber, thematisiert die guten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten und die geringe Ansteckungsgefahr. Dass er so offensiv und öffentlichkeitswirksam aufklären kann, empfindet er als Privileg. "Ich kann mein Gesicht ohne großes Risiko zeigen, weil mein Umfeld und Arbeitgeber hinter mir stehen. Bei vielen Menschen ist das anders."

Veränderung und große Chance

Bei allen Verbesserungen bleibt klar: Eine HIV-Diagnose verändert das Leben. Medikamente gehören plötzlich zum Alltag, regelmäßige Untersuchungen auch. Vielen gelingt es aber, Kraft aus der Krise zu schöpfen. "Für mich persönlich war das eine Chance", sagt Dams. "Ich habe mich mit mir selbst stark beschäftigt, bin daran gereift und habe für mein Leben wichtige Haltungen entwickelt. Zum Beispiel umgebe ich mich, soweit es geht, nur mit Menschen, die mir gut tun und mich akzeptieren." Der Austausch und die Solidarität in der Community hat auch David Krachts Leben verändert. "Seit der Diagnose habe ich neue Freunde, neue Tätigkeiten."

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