Sie sind hier:

UN-Weltbevölkerungskonferenz - Was Bildung mit Bevölkerungswachstum zu tun hat

Datum:

Seit 25 Jahren verfolgt die UN-Weltbevölkerungskonferenz konkrete Ziele, ab heute zieht sie Bilanz. Klar ist: Afrika wächst rasant, drängende Fragen bleiben offen.

Man kann die Internationale Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) von 1994 in Kairo durchaus als historischen Wendepunkt bezeichnen: Erstmals einigten sich damals 179 UN-Mitgliedstaaten darauf, den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt ihrer Bevölkerungspolitik zu stellen. Der seinerzeit verabschiedete Aktionsplan sah vor, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte aller Menschen - unabhängig von Geschlecht, Einkommen oder Herkunft - zu schützen.

Anlässlich des Jubiläums der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz kommen in jetzt Nairobi wieder Vertreter von Regierungen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen, um die Situation neu zu bewerten.

Mütter- und Kindersterblichkeit wurden halbiert

Gudrun Nadoll von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), nimmt an der Konferenz Teil. Sie zieht ein gemischtes Fazit: "In den 25 Jahren seit Kairo hat es durchaus Fortschritte gegeben, beispielsweise konnten Müttersterblichkeit und Kindersterblichkeit seitdem halbiert werden. Das ist ein wesentlich schnellerer Fortschritt als jemals davor." Trotzdem gebe es nach wie vor extrem große Unterschiede zwischen den Ländern und auch innerhalb einzelner Länder, so Nadoll. Einer Studie des Berlin-Instituts zufolge erlebt in Afrika eines von 14 Kindern seinen fünften Geburtstag nicht.

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch beim Blick auf die Entwicklung des weltweiten Bevölkerungswachstums, insbesondere zwischen westlichen und afrikanischen Staaten. Während die weltweite Geburtenziffer laut UN-Weltbevölkerungsbericht von 3,7 Kindern im Jahr 1980 auf heute etwa 2,5 Kinder gesunken ist, liegt sie in Afrika noch bei durchschnittlich 4,4 Kindern. Eine Frau im westafrikanischen Mali bekommt sechs Kinder, eine Frau in Niger sogar sieben. Laut Studie des Berlin-Instituts dürfte sich die Zahl der in Afrika lebenden Menschen bis zum Jahr 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen nahezu verdoppeln. Nigeria könnte dann nach China und Indien das Land mit der drittgrößten Bevölkerung auf der Erde sein.

Genitalverstümmelung wird immer noch praktiziert

Trotz aller Anstrengungen gibt es zudem noch immer Länder - wie beispielsweise Tschad, Mauretanien oder die Zentralafrikanische Republik - in denen etwa jede dritte Frau keine einzige moderne Verhütungsmethode kennt - geschweige denn, dass sie darauf zugreifen könnte. Es sind solche Zahlen, die Gudrun Nadoll umtreiben: "Es gab große Fortschritte bei der grundsätzlichen Verfügbarkeit von modernen Methoden der Familienplanung, aber dennoch zeigt der Weltbevölkerungsbericht, dass es nach wie vor 214 Millionen Frauen gibt, die eine Schwangerschaft verhindern wollen, aber keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben." Viele Menschen leben in so entlegenen Regionen, dass sie dort kaum erreicht werden können. Auch geschlechtsbasierte Gewalt und Praktiken wie die Genitalverstümmelung, die ebenfalls Teil des Kairoer Aktionsplans sind, existieren noch immer. Das sei "jedes Mal für jede einzelne Person eine Katastrophe", so die GIZ-Expertin für Bevölkerungsdynamik.

Infokarte: Die Weltbevölkerung Oktober 2018
Infokarte: Die Weltbevölkerung Oktober 2018
Quelle: United Nations Population Division/ZDF

Der jüngste Weltbevölkerungsbericht betont auch, dass "kulturelle Normen", also tradierte Geschlechterrollen und Familienbilder und eine rückständige oder falsch verstandene Sexualmoral, einer Gleichstellung von Frauen und Männern oft im Wege stehen. Experten wie Wolfgang Lutz vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) sehen aber gerade in der Bildung von Frauen eine Chance, den scheinbar endlosen Kreislauf aus Armut und fehlender Familienplanung zu durchbrechen. "Besser gebildete Frauen haben weniger Kinder, und gleichzeitig führt mehr Bildung zu einem gesünderen Leben und zu einem Absinken der Sterberate. Auch davon ist unmittelbar die Demografie betroffen", so Lutz. Denn: Sobald sich Familien sicher sein können, dass ihre Kinder überleben, sinkt der Wunsch nach sehr vielen Kindern.

"Besser gebildete Frauen haben weniger Kinder, und gleichzeitig führt mehr Bildung zu einem gesünderen Leben und zu einem Absinken der Sterberate."
Wolfgang Lutz, Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA)

Bildung für Frauen ist der Schlüssel

Der Ansatz von Kairo, fundamentale Menschenrechte wie Bildung und den Zugang zu Gesundheitsdiensten zu fördern und insbesondere in ärmeren Ländern bessere Entwicklungschancen zu schaffen, scheint also auch heute noch richtig zu sein. Gudrun Nadoll ist davon jedenfalls überzeugt: "Wenn Mädchen Sekundarschulen besuchen, steigt statistisch das Alter, in dem sie zum ersten Mal schwanger werden. Wenn sie einen Beruf ausüben, verändert das auch ihre Stellung innerhalb der Familie, sie verfügen über ein eigenes Einkommen, können eigenständige Entscheidungen treffen und haben wesentlich bessere Chancen, selbst zu entscheiden, ob oder wen sie heiraten."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.