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Weltbevölkerungstag - Das Ende des Wachstums ist in Sicht

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Es ist eine gute Nachricht: Experten glauben, die Weltbevölkerung könnte schon bald zurückgehen. Doch noch wächst sie. Und ressourcenschonende Ernährung bleibt eine Mammutaufgabe.

Archiv: Zahlreiche Menschen, aufgenommen am 13.09.2017
Quelle: colourbox.de

Seit das Expertengremium "Club of Rome" Anfang der 1970er Jahre erstmals vor den Gefahren eines ungebremsten Bevölkerungswachstums warnte, hat sich dieses Horrorszenario in vielen Köpfen festgesetzt: Wir werden immer mehr. Der Planet stößt bald an seine Grenzen. Dabei stimmte die unschöne Metapher von der Bevölkerungsexplosion so schon damals nicht. Ihren Höhepunkt erreichte die jährliche Wachstumsrate nämlich bereits Anfang der 1960er Jahre mit 2,2 Prozent. Seitdem ist sie rückläufig.

Starke regionale Unterschiede

Heute wächst die Weltbevölkerung durchschnittlich nur noch um gut ein Prozent. Mit starken regionalen Unterschieden: In vielen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, wäre die Bevölkerung ohne Zuwanderung längst rückläufig, während manche afrikanische Staaten wie etwa Nigeria mit jährlich bis zu drei Prozent weiter rasant wachsen. Fünf Kinder bringt eine nigerianische Frau im Schnitt zur Welt. Die weltweite Geburtenrate nähert sich hingegen einem Schnitt von 2,1 Kindern - jener entscheidenden Grenze, die notwendig ist, damit die Bevölkerungszahl insgesamt stabil bleibt.

Mit dem reißerischen Buchtitel "Empty Planet" verkündete deshalb der kanadische Forscher Darrell Bricker Anfang des Jahres, dass die Menschheit bald schrumpfen werde. Ausschlaggebend sei der ungebrochene Trend zur Urbanisierung: "Der Umzug in die Stadt verändert vor allem das Leben von Frauen. Sie haben größere Bildungschancen und besseren Zugang zu Informationen über Empfängnisverhütung." Das heißt im Klartext: weniger Kinder.

Mehr Bildung, weniger Religion

Ein wesentlicher Faktor sei außerdem der Niedergang der Religion, so Bricker: "Als die Katholiken ihren Glauben aufgegeben oder sich von der Lehre gegen Empfängnisverhütung verabschiedet haben, ist das in Spanien, Italien oder Ländern Lateinamerikas mit einem steilen Rückgang der Geburtenrate einhergegangen." In Brasilien etwa ist die Geburtenrate von sechs Kindern im Jahr 1960 auf heute 1,8 geradezu eingebrochen.

Als die Katholiken ihren Glauben aufgegeben oder sich von der Lehre gegen Empfängnisverhütung verabschiedet haben, ist das in Ländern wie Spanien, Italien oder Lateinamerikas mit einem steilen Rückgang der Geburtenrate einhergegangen.
Darrell Bricker in "Empty Planet"

Wolfgang Lutz vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) hat bereits 2001 auf die große Trendwende hingewiesen. Der Demograf bestätigt Brickers Thesen im Wesentlichen. Und er nennt konkrete Zahlen: "In unseren neuesten Prognosen ist das wahrscheinlichste Szenario, dass die Weltbevölkerung ungefähr bei 9,7 Milliarden Menschen um das Jahr 2070 gipfeln wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird sie dann auf 9,3 Milliarden abnehmen."

Rückgang ab 2070 am wahrscheinlichsten

Es ist ganz deutlich: Bildung ist die beste Investition im Hinblick auf den Klimawandel und die Widerstandsfähigkeit menschlicher Gesellschaften.
Wolfgang Lutz, IIASA

Dass seine Zahlen unter den Prognosen der UN liegen, habe vor allem mit dem zügig voranschreitenden Geburtenrückgang in Teilen Afrikas zu tun. "Das hat die UN unterschätzt", so Lutz. Anders als die UN-Projektionen berücksichtigen er und sein Team neben Alter und Geschlecht auch die Bildung. Der Bildungsgrad einer Gesellschaft wirke sich nicht nur auf die Bevölkerungsentwicklung aus, sondern auch auf die Fähigkeit, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.

Um abzuschätzen, wie viele zusätzliche Malaria-Tote in Zukunft durch den Klimawandel zu erwarten sind, müsse man auch die künftige Entwicklung von Gesundheitssystemen einberechnen. Die hänge wiederum vom Bildungsstand eines Landes ab, so Lutz. "Es ist ganz deutlich: Bildung ist die beste Investition im Hinblick auf den Klimawandel und die Widerstandsfähigkeit menschlicher Gesellschaften."

Infokarte: Die Weltbevölkerung Oktober 2018
Infokarte: Die Weltbevölkerung Oktober 2018
Quelle: United Nations Population Division/ZDF
Es gibt neue Bilanzierungen, die besagen, dass es unter optimalen Umständen möglich wäre, zehn Milliarden Menschen mit den verfügbaren Ressourcen der Erde zu ernähren.
Dieter Gerten, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Trotzdem bleibt die Frage, wie viele Menschen die Erde letztlich verträgt. Dieter Gerten vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung an der Berliner Humboldt-Universität hat darauf eine erstaunlich präzise Antwort: "Es gibt neue Bilanzierungen, die besagen, dass es unter optimalen Umständen möglich wäre, zehn Milliarden Menschen mit den verfügbaren Ressourcen der Erde zu ernähren. Das scheint aber wirklich nur möglich zu sein, wenn man viele verschiedene, an lokale Bedingungen angepasste Maßnahmen zeitgleich umsetzt, um genug zu produzieren bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt."

Landwirtschaft muss nachhaltiger werden

Seit 1970 hat sich die weltweite landwirtschaftliche Produktion mehr als verdoppelt. Dadurch kann grundsätzlich ausreichend Nahrung für die aktuell 7,5 Milliarden Erdenbewohner produziert werden. Allerdings haben viele landwirtschaftliche Methoden zu einer Übernutzung der Ressourcen geführt und erheblich zur Klimaerwärmung beigetragen.

Um in weiteren 50 Jahren die dann zu erwartenden knapp zehn Milliarden Menschen satt zu bekommen, müsse sich vieles ändern, ist Dieter Gerten überzeugt. Eine effizientere Wassernutzung, weniger Überdüngung mit Stickstoff und weniger Fleischkonsum sind nur einige der Schlüssel: "Durch nachhaltige Landwirtschaft kann man außerdem Menschen aus der Armutsfalle helfen, was sich wiederum positiv auf die Bevölkerungsentwicklung auswirken kann."

Archiv: Verschiedene Salate und Kräuter wachsen unter LED-Lampen im Labor der Firma Agrilution, aufgenommen am 11.09.2018 in München

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Kartoffeln vom Land legen lange Wege zurück bis sie in der Stadt landen. Urbane Landwirte ernten direkt in der Stadt, manchmal sogar im Supermarkt. Der Bauernverband ist skeptisch.

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