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Weltbienentag - Je wilder der Garten, desto besser

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Es gibt immer weniger Bienen. Gerne wird deshalb ein Umdenken in Politik und Landwirtschaft gefordert. Dabei kann auch jeder Einzelne helfen - etwa im Garten und auf dem Balkon.

Bunter Nutzgarten mit Insektenhotel
Je wilder, desto besser für die Bienen: "Ein Garten, in dem nichts blüht, kann nicht gut sein", sagt Albert Wotke vom WWF.
Quelle: imago/blickwinkel

Im Baumarkt stapeln sich die Tüten mit Blumensamen. Fröhlich grinsende Insekten versprechen darauf "Bienenfreundlichkeit". Zugreifen und die Gewissheit haben, etwas Gutes zu tun? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn viele Mischungen enthalten Zuchtsorten oder fremde Arten, mit denen heimische Wildbienen nichts anfangen können. Bienen-Experten empfehlen deshalb, auf Labels von Umweltverbänden zu achten. So oder so: Jeder Einzelne kann mit wenig Mitteln im eigenen Garten viel für die Bienen tun.

Dabei gilt: "Je wilder der Garten, desto besser für Insekten und Bienen", sagt Albert Wotke vom WWF. Sein Tipp: Den Mäher im Schuppen lassen und einfach "auch mal ein Blütenmeer wachsen lassen". Mit heimischen Sorten und das in einer möglichst bunten Vielfalt, denn den Bienen hilft es wenig, wenn sie nur zur Blüte im Mai Nahrung finden und im Rest des Jahres nicht. Der Abschied vom geordneten Grün dürfte vielleicht nicht jedem Hobby-Gärtner leichtfallen. Aber: "Der gepflegte Rasen ist eine Wüste für Insekten, in der sie nichts finden", erklärt Wotke.

Keine gefüllten Blüten

Kein Leckerchen für Bienen sind übrigens Zuchtsorten, die zwar schön aussehen, deren Blüten aber mit Blättern "gefüllt" sind, was bei vielen Rosen oder auch Geranien der Fall ist. "Da ist kein Platz mehr für Staubblätter", erklärt Wotke. Und damit gibt es auch keine Nahrung für Insekten. Seine Empfehlung sind wilde, heimische Arten. Fast 3.000 Pflanzenarten gebe es in Deutschland. "Da findet man immer etwas, das schön aussieht und auch blüht."

Auf der langen Liste der Bienen-Leckereien stehen zum Beispiel: Nelken, Eisenhut, Glockenblume, Akelei, Frauenmantel, Rittersporn, Maiglöckchen, Mauerpfeffer. Außerdem: Margeriten und Sonnenblumen. Wotkes Tipp: "Wildblumenmischungen mit heimischen Arten sehen übrigens auch ganz wunderbar auf dem Balkon aus." Auf Gemüsebeeten bieten sich unter anderem Ackerbohnen, Borretsch, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl, Möhren und Gewürzkräuter an.

Wohnraum für Bienen

Nahrung ist das eine Thema, Wohnraum ein anderes. Auch da kann man helfen. Allerdings ist das nicht ganz so einfach, denn Wildbienen sind verwöhnt. Fast jede der rund 560 bekannten Arten in Deutschland hat eigene Vorstellungen, wie es "zu Hause" aussehen soll, weshalb manchmal das gut gemeinte Insektenhotel leer steht. "Die Mehrzahl der Wildbienen bildet keine Staaten und benötigt Hohlräume in Holz, Stängeln oder Steinen, um darin Brutkammern anzulegen", erklärt NABU-Insektenexpertin Daniela Franzisi. Dazu gibt es reichlich Tipps im Internet.

Insektenhotel selbst bauen und etwas gegen das Artensterben machen

Die Profis empfehlen, einfach mal verschiedene Varianten auszuprobieren. Und das kann auch spannend sein. "Von einem ruhigen Platz aus, kann man das Treiben beobachten, wenn Bienen Baumaterial und Nahrung zu ihrer Brutröhre tragen", so Daniela Franzisi. Stechattacken von Wildbienen müsse dabei niemand befürchten. "Die Tiere sind harmlos und friedlich."

Keine Pestizide und Steinwüsten

Und natürlich gibt es auch No-Gos. Für Albert Wotke vom WWF gehört dazu grundsätzlich der Einsatz von Pestiziden, also Schädlingsbekämpfungsmitteln, die auch für Bienen gefährlich sind. "Im Garten soll man das sein lassen", sagt er. Das gelte auch für Mittel gegen Unkraut und Pilzbefall. Und reine Steinwüsten sind ihm natürlich ein Gräuel: "Ein Garten, in dem nichts blüht, kann nicht gut sein."

In einem Punkt sind sich die Bienenexperten natürlich einig: Das Umdenken im eigenen Garten oder auf dem eigenen Balkon allein wird die Artenvielfalt weltweit nicht retten. Wenn sich aber viele daran beteiligen, ist es zumindest ein Anfang mit Wirkung. Wotke: "Die Städte sind ja nicht umsonst oft artenreicher als das Land". Der Grund: Statt ausgedehnter Äcker gibt es dort immer häufiger ein dichtes Netz kleiner Biotope. Zur Freude auch der Bienen.

Der Autor Mark Hugo ist Redakteur bei ZDF-Umwelt.

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