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Weltbildungsbericht - Unesco lobt Deutschland, aber nicht nur

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Migration und Flucht stehen dieses Jahr im Fokus des Weltbildungsberichts. Deutschland schneidet gar nicht schlecht ab - doch alles läuft auch hierzulande nicht rund.

Schüler und Lehrer im Klassenzimmer
Der aktuelle Weltbildungsbericht hebt Deutschlands Einsatz bei der Integration von Flüchtlingen und Migranten hervor.
Quelle: dpa

Bis 2030 sollen alle Menschen auf der Welt in den Genuss hochwertiger Bildung kommen - das ist eines der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Wie weit die Staatengemeinschaft auf dem Weg dorthin schon gekommen ist, prüft die Weltkulturorganisation Unesco jährlich mit ihrem Weltbildungsbericht. Die neueste Ausgabe legt den Fokus auf "Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern", so der Titel. Die wichtigsten Fragen zum Bericht:

Wie beeinflussen sich Migration, Flucht und Bildung?

Die Autoren des Berichts gehen von mehreren Wechselwirkungen aus: So entscheiden sich Menschen mit höherer Bildung eher dafür, innerhalb ihres Landes oder in ein anderes Land umzuziehen. In vielen Staaten liegt die Wahrscheinlichkeit bei Menschen mit akademischem oder Berufsabschluss viermal so hoch. Gerade im Ausland können Migranten jedoch nicht immer entsprechend ihren Fähigkeiten arbeiten. Gleichzeitig fehlen diese Hochqualifizierten aber für die Entwicklung ihrer Herkunftsregion. Im Gegenzug wirken sich Geldüberweisungen von Weggewanderten positiv auf die Bildung in der Heimat aus. Für die Bildungssysteme bedeutet die Aufnahme von Migranten indes meist eine große Herausforderung.

Wie schlägt sich Deutschland in diesem Bereich?

Lehrerin unterrichtet Flüchtlinge
Deutschunterricht für Flüchtlinge
Quelle: dpa

Der Bericht hebt Deutschlands Einsatz bei der Integration von Geflüchteten und Migranten positiv hervor: Mit zusätzlichen 800 Millionen Euro für die sprachliche Bildung in Kindertagesstätten zwischen 2016 und 2020 fördere die Bundesrepublik diesen Bereich überdurchschnittlich. Gute Sprachkenntnisse erhöhten die Chance auf Arbeit und höhere Löhne um 19 beziehungsweise 18 Prozent. Auch der Zugang zu Bildung, Gesundheit und Recht werde verbessert. Mit Sorge sieht der Bericht hingegen zum Beispiel, dass in Deutschland minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung häufig in Sonderklassen unterrichtet werden.

Wie steht es um den Zugang von Geflüchteten zum deutschen Arbeitsmarkt?

Bei der Anerkennung beruflicher Qualifikationen sei Deutschland richtungsweisend, heißt es. Mit dem 2012 beschlossenen Anerkennungsgesetz habe sich die Wahrscheinlichkeit einer Beschäftigung von Zuwanderern um 45 Prozentpunkte und der Stundenlohn um 40 Prozent erhöht, schreiben die Autoren. Allerdings seien fehlende Qualifikationen weiterhin ein Hindernis - besonders für junge Frauen. Trotz aller Anstrengungen fehlten vielen Geflüchteten weiterhin die notwendigen Sprachkenntnisse. Es gebe also noch Verbesserungsbedarf bei der Chancengerechtigkeit.

Wie ist die Situation in anderen Ländern?

Migranten, Flüchtlingen und deren Kindern werde das Recht auf Bildung in vielen Ländern der Welt noch immer nicht hinreichend gewährt, heißt es. Einige Regierungen verweigerten dies sogar gänzlich. Auch könne saisonale Wanderung, die für arme Menschen vielerorts eine Überlebensstrategie darstelle, den Bildungsweg unterbrechen und in Kinderarbeit münden, warnen die Autoren. Millionen Kinder auf der Welt lebten zudem als bezahlte oder unbezahlte Hausangestellte bei ihren Arbeitgebern - ohne Chance auf Bildung. In vielen Ländern Afrikas würden Kinder häufig in Pflegefamilien untergebracht. Darunter litten vor allem Mädchen, weil sie meist im Haushalt mithelfen müssten und Bildung dabei kaum eine Rolle spiele.

Schüler in Afrika
Schule in Afrika: Für Mädchen keine Selbstverständlichkeit
Quelle: dpa

Vor allem asylsuchende Kinder, die in Ländern wie Australien, Ungarn, Indonesien, Malaysia und Mexiko in Lagern leben, hätten nur eingeschränkten Zugang zu Bildung. Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch, burundische Flüchtlinge in Tansania, Karen-Flüchtlinge in Thailand und viele afghanische Flüchtlinge in Pakistan besuchten nur separate und zum Teil nicht anerkannte Schulen.

Welche Empfehlungen geben die Autoren des Berichts?

Flüchtlinge in einer Ausbildungswerkstatt der Deutschen Bahn AG in Erfurt (Archiv)
Flüchtlinge in einer Ausbildungswerkstatt
Quelle: dpa

Den Bildungsbedürfnissen von Migranten und Flüchtlingen sowie ihren Kindern solle dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt werden wie denen der Einheimischen. Schüler mit Migrationshintergrund sollten so wenig wie möglich getrennt unterrichtet werden. Dazu müsse auch der Trennung nach Leistung oder Wohnort entgegengewirkt werden, schreiben die Autoren. Gezielte Sprachförderung oder Programme für kurzfristig schnelleres Lernen zum Aufholen von Nachteilen seien hingegen sinnvoll. Erwachsene bräuchten ebenfalls Unterstützung, etwa bei beruflicher und finanzieller Bildung. Nicht zuletzt sollte sich auch in Bildungsinhalten Vielfalt widerspiegeln und kritisches Denken sowie das Hinterfragen von Vorurteilen vermittelt werden.

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