Sie sind hier:

Weltbodentag - Der unterschätzte Klimaschützer

Datum:

Wir kultivieren ihn, versiegeln ihn, beuten ihn aus: Die Bodenzerstörung hat Auswirkungen auf unsere Lebensgrundlage. Dabei trägt Bodenschutz maßgeblich zu mehr Klimaschutz bei.

Archiv: Nach Starkregen abgeschwemmter Ackerboden, am 29.08.2019 in Bayern
Nach Starkregen abgeschwemmter Ackerboden (Archivbild)
Quelle: imago

Wer schon einmal mit Gummistiefeln durch ein nasses Feld gelaufen ist, kennt das Gefühl knöcheltief stecken zu bleiben in der klebrigen Erde. Ähnlich festgefahren wirken die Klimaschutz-Verhandlungen der Weltgemeinschaft.

Auf der 25. UN-Klimakonferenz sucht sie nach Lösungen aus der Klimakrise. Es wird über erneuerbare Energien, emissionsfreie Fortbewegung, grüne Technologien diskutiert. Dabei gerät die Zerstörung des Lebensraums Boden schnell aus dem öffentlichen Blick.

Bodenschutz als Teil der Lösung

Böden sind einer der größten Kohlenstoffspeicher der Erde. Entscheidend dafür ist die Humusschicht. Sie besteht aus zersetzter und umgewandelter organischer Substanz, versorgt Pflanzen mit Nährstoffen und bildet ein zentrales Ökosystem. So befinden sich beispielsweise in einer Handvoll Boden mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt.

Eine weitere, wichtige Funktion der Bodenschicht erklärt Andreas Faensen-Thiebes vom BUND: "Wird Humus aufgebaut, wird der Atmosphäre CO2 entzogen; umgekehrt führen Humusverluste zur Erhöhung des atmosphärischen CO2." Über 90 Prozent der Klimaforscher sind überzeugt, dass maßgeblich der Mensch den Klimawandel verursacht.

Im Kampf gegen den Klimaschutz ist Bodenschutz ein Teil der Lösung. Dabei geht es zum Beispiel darum, dem Verlust der Humusschichten entgegen zu wirken. Diese Verluste entstehen zum Beispiel durch ungünstige Fruchtfolgen in Ackerböden, bei der Entwässerung von Moorböden oder wenn Grünland zu Ackerland umgewandelt wird, so der Biologe.

Und der Bedarf an Ackerland wächst: In Deutschland wird etwa die Hälfte des Landes landwirtschaftlich genutzt – für den Anbau von Pflanzen oder für die Tiermast. Weltweit sind es 38 Prozent. Die Verantwortung der Landwirte ist entsprechend groß.

Landwirtschaft und Städtebau

Der Bodensystemforscher Hans-Jörg Vogel betont, dass Landwirte in Deutschland darauf achten, die Qualität der Böden zu erhalten. Der Professor für Bodenphysik an der Universität Halle-Wittenberg kritisiert allerdings die ökonomischen Randbedingungen.

Statt Agrarsubventionen nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, also nach Fläche, müssen "Subventionen dafür genutzt werden, Landwirte für bodenschonende und umweltverträgliche Bewirtschaftungsverfahren zu honorieren", fordert Vogel. Die Bewirtschaftung müsse so optimiert werden, dass vermehrt Humus erzeugt wird. Es braucht ein Umdenken in der Bodenwirtschaft, denn langfristig schaden besonders die Bodenerosion und die Bodenverdichtung. Bodenerosion bedeutet, dass der Boden zu lange ohne schützende Pflanzen brach liegt - wie es etwa bei der Abholzung von Wäldern, insbesondere der Tropen geschieht.

Bodenverdichtung entsteht, wenn schwere Maschinen zum falschen Zeitpunkt über den Acker fahren und durch den so entstehenden Druck die Qualität des Bodens beeinflussen.

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Bodenversiegelung. Pro Tag werden in Deutschland aktuell 70 Hektar überbaut, das entspricht einer Größe von etwa 100 Fußballfeldern. Diese Böden können kaum noch als Wasserspeicher, CO2-Senker oder Lebensraum fungieren, erklärt der Bodensystemforscher Hans-Jörg Vogel.

Böden sind träge Systeme

Böden sind komplexe Systeme und reagieren nur langsam auf Veränderungen. Zwischen 100 und 300 Jahre dauert es, bis sich ein Zentimeter fruchtbarer Boden bildet. Umso besorgniserregender auch die steigende Belastung durch Mikroplastik, Pestizide und andere chemische Schadstoffe.

Wir betrachten die Situation des Bodens in Deutschland als wirklich problematisch.
Andreas Faensen-Thiebes, BUND

"Da diese Probleme und Stoffe alle langfristig wirken, der Boden langsam reagiert, diese Prozesse faktisch nicht umkehrbar sind und gesetzliche Regelungen kaum greifen, betrachten wir die Situation des Bodens in Deutschland als wirklich problematisch", meint Andreas Faensen-Thiebes, der seit 2007 Mitglied im Arbeitskreis Bodenschutz beim BUND ist.

Wichtig sei, dass das System Boden von der Politik als bedeutender Klimaschützer wahrgenommen wird.

Hans-Jörg Vogel von der Universität Halle-Wittenberg fordert deshalb den Flächenverbrauch drastisch zu reduzieren, Bodenverluste durch Erosion zu verhindern und nur solche landwirtschaftlichen Maßnahmen zu fördern, die dem Erhalt gesunder Böden dienen. Nur so kann die Weltgemeinschaft von dem Potential der Böden profitieren.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.