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Welternährungstag - Zum Welternährungstag: Wie Hunger und Flucht zusammenhängen

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Hunger kann Flucht verstärken - in Kriegsregionen wird Hunger als Waffe gegen die Bevölkerung eingesetzt. Trotzdem gilt Hunger laut den Vereinten Nationen nicht als Fluchtgrund.

Flüchtlinge schöpfen Wasser aus einem Brunnen in Äthiopien
Quelle: dpa

Menschen, die hungern, müssen oft ihre Heimat verlassen, um zu überleben. Allerdings ist Hunger "nach völkerrechtlicher Definition in der Flüchtlingskonvention kein anerkannter Fluchtgrund". Darauf weist das UN-Flüchtlingshilfswerk hin. Im juristischen Sinn sind also Menschen, die aus Hunger ihre Heimat verlassen, Migranten – und keine Flüchtlinge.

Nahrung als Kalkül der Kriegsführung

Und trotzdem haben Hunger, Flucht und Migration etwas miteinander zu tun. Wo Gewalt und Krieg herrschen, fehlt es meistens an Nahrung und Medikamenten. Menschen müssen fliehen, um zu überleben. Und Nahrung kann Kalkül der Kriegsführung werden. Machthaber verweigern Hilfsorganisationen etwa den Zugang zu Zivilisten, um mittels Zermürbungstaktik Teilerfolge zu erreichen.

So warnte 2016 der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Syrien davor, Hunger als Kriegswaffe einzusetzen. Dabei handle es sich um ein Kriegsverbrechen. Auch in anderen Regionen kommt es immer wieder vor, dass Nahrungsmittel Teil der Kriegsführung werden – etwa in Teilen Somalias, im Südsudan oder im Jemen. Die Strategie, dem Feind verbrannte Erde zu hinterlassen, ist perfide – und jahrhundertealt. "Schon immer in der Geschichte wurde Nahrung als Waffe missbraucht", sagte letztes Jahr Graziano da Silva. Er leitet in Rom die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.

Hunger hat viele Ursachen

Flucht- und Migrationsexperten weisen darauf hin, wie komplex die Gemengelage ihres Forschungsgebietes ist. Ähnlich argumentieren Armutsforscher. Viele Faktoren hängen miteinander zusammen – aber die eine zentrale Ursache, die isoliert von anderen gelöst werden kann, gebe es nicht. Sonst hätte man Fluchtursachen und den Hunger in der Welt längst beseitigt.

Zur Komplexität unserer Welt gehört, dass in reichen Ländern Essen weggeschmissen wird und laut UN-Angaben weltweit 1,9 Milliarden Menschen übergewichtig sind. Gleichzeitig hungern aber mehr als 800 Millionen Menschen auf der Welt. Hunger ist ein Verteilungsproblem: Diese Erkenntnis ist zwar alt, aber nach wie vor wichtig, um das Hungerproblem in seinen Facetten zu verstehen. Krieg, Gewalt, Dürre, Klima-Wandel, Ernte-Ausfälle, Monokultur-Anbau, mangelnde Bildung, Armut, Korruption: Nahrungsmangel kann viele Ursachen haben.

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Dürre verschärft Syrien-Konflikt

Durchaus gilt Hunger als Faktor, der Flucht und Migration verstärken kann. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) warnt regelmäßig davor, aus Kostengründen Essensrationen für Flüchtlinge zu kürzen. Denn schon oft wurde die Erfahrung gemacht: Fehlt es an Nahrung oder Medikamenten, ziehen die Flüchtlinge weiter.

"Hunger allein ist kein Grund für den Flüchtlingsstatus, aber Dürreperioden wie die in Syrien haben den Konflikt verschärft", sagt UNHCR-Sprecher Adrian Edwards. "In Somalia war Hunger auch ein Faktor des dortigen Konflikts." Schon vor der Flüchtlingskrise 2015 warnte der UNHCR davor, die regionale Stabilität stehe auf dem Spiel. Zusätzliche Hilfsgelder seien aber erst später geflossen.

Hunger führt nicht zwingend zu Migration

Betrachtet man Migranten und nicht Flüchtlinge, stellt man fest: Hunger führt nicht zwangsläufig dazu, das eigene Land zu verlassen. "Der Weltdurchschnitt der Migrationsrate liegt bei 3,4 Prozent", sagt Andrea Cattaneo von der FAO in Rom. "Nigeria liegt deutlich darunter (0,65 Prozent), ebenso Äthiopien (0,79 Prozent), Kenia (1,06 Prozent), Uganda (1,08 Prozent) und Indien (1,09 Prozent). Das alles sind Länder, in denen Hunger ein Problem ist, die aber relativ niedrige Migrationsraten haben", sagt Cattaneo. Eine Binnenmigration sei hier wahrscheinlicher: dass die Menschen vom Land in die Großstädte ziehen, um bessere Chancen zu haben. Doch auch hier liegen neue Probleme.

Die FAO weist darauf hin, dass die Ärmsten der Armen oft auf der Strecke blieben. "Die ärmsten Menschen haben zwar größere Anreize zur Migration, aber unterliegen auch größeren Beschränkungen", sagt Cattaneo. Ähnliches gilt wohl auch für Flüchtlinge: Sie sind vielen körperlichen Strapazen ausgesetzt, die chronisch Unterernährte gar nicht mehr packen. Und sowohl Migration als auch Flucht kosten Geld. Und wer kein Geld für Nahrung mehr hat, kann auch keinen Schlepper bezahlen.

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