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Weltfahrradtag - Wie sich E-Bikes auf die Umwelt auswirken

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In acht Jahren könnte jedes zweite verkaufte Fahrrad in Deutschland ein E-Bike sein, sagt eine Marktanalyse von Bosch. Was bedeutet das dann für die Umwelt? Ein Ökocheck.

Eine Frau auf einem E-Bike in Essen
Saubere Ökobilanz? E-Bike
Quelle: dpa

An der TU Dortmund wurde kürzlich das wohl leichteste E-Bike der Welt entwickelt. Es hat einen Rahmen aus Karbon und einen Akku, der in einer Trinkflasche angebracht ist. Die technischen Finessen des Rads sind faszinierend. Warum es jedoch bald vielleicht im Guinnessbuch der Rekorde steht: Es wiegt nur 6,9 Kilogramm. Oft wiegen E-Bikes dreimal so viel. Es gibt Bikes für die Stadt, für Pendler, für Touren durch den Wald - die Räder mit dem unterstützenden Elektromotor entwickeln sich immer weiter. Vergangenes Jahr wurden fast eine Million E-Bikes in Deutschland verkauft - samt entsprechender Akkus, die Strom brauchen. Wie umweltfreundlich das unter dem Strich ist? Es hängt davon ab, mit was man die E-Räder vergleicht.

Als Fahrrad-Ersatz haben E-Bikes keinen Umweltnutzen

Die Herstellung eines E-Bikes wirkt sich auf die Umwelt aus. Den größten Einfluss hat dabei die Produktion des Akkus. "Sie verursacht zwischen 55 und 75 kg CO2-Emissionen je Kilowattstunde", erklärt das Umweltbundesamt. Wenn mit dem Rad ein Auto ersetzt wird, sind die Emissionen nach 165 geradelten statt gefahrenen Kilometern beglichen. Noch schneller gleicht sich die Herstellung des Akkus aus, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt. Werden mit dem E-Bike jedoch ein normales Fahrrad oder ein Spaziergang ersetzt, hat es keinen Umweltnutzen.

Sind überhaupt genügend Rohstoffe für die E-Bike-Akkus vorhanden? Um die Akkus herzustellen, werden natürliche Ressourcen verbraucht. Die Akkus der E-Bikes sind in der Regel Lithium-Ionen-Batterien. In Studien von 2017 gehen Forscher davon aus, dass ausreichend Lithium vorhanden ist. Es wird jedoch an Alternativen geforscht und daran gearbeitet, Akkus zu recyceln. Denn beim Abbau von Lithium entstehen in der Regel heftige Umweltschäden. In Chile zum Beispiel werden jährlich rund 21.000 Tonnen Lithium erzeugt. Um das trockene Lithium-Konzentrat zu gewinnen, wird Grundwasser aus der Atacama-Wüste in große Becken gepumpt und verdunstet. Dadurch schrumpfen die Wasserreserven der gesamten Region, der Grundwasserspiegel sinkt. Das ist für die Natur und die Menschen vor Ort dramatisch.

Bike-Sharing wäre ein ökologischer Trend

Die Nachhaltigkeit von E-Bikes hängt vor allem davon ab, wie sie genutzt werden und wie viele Pkw-Wege sie ersetzen.
Freiburger Öko-Institut

Die Nachhaltigkeit der Akkus steigert sich, wenn sie nicht zu stark strapaziert werden. Wenn die Akkus richtig gelagert werden, wirkt sich das laut Hersteller Bosch positiv auf die Lebensdauer aus: nicht in der prallen Sonne, sondern bei 0 und 20 Grad Celsius und am besten in einem Ladezustand von 30 bis 60 Prozent sollten die Akkus gelagert werden. Das Umweltbundesamt rät zudem zum Trend "Nutzen statt besitzen" für E-Bikes, um das Klima nicht unnötig zu belasten und um Ressourcen zu sparen. Mit diesem Leitspruch sind zum Beispiel Konzepte gemeint, in denen sich mehrere Personen ein E-Bike teilen, damit es regelmäßig genutzt wird. Das Freiburger Öko-Institut bestätigt: "Es spricht viel dafür, dass E-Bikes einen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität leisten können. Die Nachhaltigkeit von E-Bikes hängt aber vor allem davon ab, wie sie genutzt werden und wie viele Pkw-Wege sie ersetzen."

Aus Umweltperspektive ist zudem wichtig, wie viel Strom ein E-Bike verbraucht. Der Verbrauch hängt von vielen Faktoren ab: Wie schwer ist die fahrende Person? Wie schwer ist das Rad? Wie ist das Drumherum: Wetter, Weg, Steigung? Wie schnell fährt die Person und wie viel Antrieb vom Motor nutzt sie? Das beeinflusst den Verbrauch. Der Zweirad-Industrie-Verband hat in Zusammenarbeit mit Bosch kürzlich einen Reichweitentest entwickelt. Der normiert die Leistungen von E-Bikes und soll sie so hinsichtlich ihrer Reichweite vergleichbar machen. Nutzer können so nachvollziehen, mit welchem E-Bike sie ungefähr wie weit kommen. Im Durchschnitt ergibt sich dabei ein Stromverbrauch eines E-Bikes von 0,6 bis 0,8 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Was bedeutet das?

Ein Tausendstel des Stromverbrauchs

Angenommen, die Hälfte der Fahrräder in Deutschland wären E-Bikes - so eine Prognose von Bosch - und sie würden für doppelt so weite Strecken genutzt wie normale Fahrräder, wie es das Verkehrsministerium schätzt: Dann würden sie pro Tag 112 Millionen Personenkilometer zurücklegen. Im Jahr bedeutet das einen Stromverbrauch von rund 0,2 bis 0,3 Terawattstunden. Das Umweltbundesamt kommt in einer Berechnung mit älteren Werten auf ein etwas höheres Ergebnis von 0,4 Terawattstunden. Aber auch das entspricht noch nicht einmal einem Tausendstel des gesamten jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland.

Weil die Strommenge, die E-Bikes benötigen, so gering ist, wäre sie für das Stromnetz in Deutschland völlig unproblematisch, sagt das Umweltbundesamt. Auf ein ähnliches Ergebnis kommt die Energieagentur NRW. Es sei nicht zu erwarten, dass alle E-Bikes in Deutschland gleichzeitig geladen werden. Und selbst wenn es so sein sollte, ist das eine Ladeleistung, die laut Energieagentur für das Stromnetz unbedenklich ist. Sie macht nämlich nur einen Bruchteil der verfügbaren Einspeiseleistung aus. Das bedeutet: Die E-Bikes würden dem Stromnetz beim Laden nicht mehr Energie entziehen als gleichzeitig reinfließt.

Seit einem halben Jahr gibt es ein Umweltsiegel für E-Bikes in Deutschland: das Siegel "Blauer Engel" der Bundesregierung. Für die E-Bikes wurden verschiedene Umweltkriterien festgelegt, die sie erfüllen müssen, um das Siegel zu bekommen. So sollen ihre Akkus beispielsweise eine lange Lebensdauer haben, das Bike soll sicher sein, langlebig und recyclebar. "Bisher hat sich noch kein Unternehmen aus der Fahrradbranche für einen Blauen Engel im E-Bike-Bereich beworben", teilt das Umweltbundesamt auf Anfrage von heute.de mit.

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