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Welthunger-Index - Der Klimawandel verschärft den Hunger

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Hunger ist noch immer für Millionen Menschen weltweit Realität. Der Welthunger-Index 2019 der Welthungerhilfe offenbart, dass sich das auch nicht so schnell ändern wird.

Somalischer Junge in einem vertrockneten Feld
Somalischer Junge in einem vertrockneten Feld
Quelle: dpa

Das Wichtigste in Kürze:

  • Welthunger-Index misst Hunger und Unterernährung weltweit
  • Mehr als 821 Millionen Menschen leiden Hunger
  • Gründe: bewaffnete Konflikte und Extrem-Wetter-Ereignisse
  • Klimawandel verändert den Nährwert von Pflanzen

Er ist ein Instrument zur Messung von Hunger und Unterernährung weltweit - der Welthunger-Index der Welthungerhilfe. Fest steht, die Agenda 2030 der internationalen Gemeinschaft, den Hunger bis zum Jahr 2030 vollständig zu besiegen, ist aktuell stark gefährdet. Rund 821,6 Millionen Menschen leiden laut der 14. Ausgabe des Index weltweit an Hunger.

Warum die Menschen hungern müssen

Die Gründe sind vielfältig: Auf globaler Ebene sind die Werte zur Unterernährung rückläufig. Vergleicht man die heutigen Werte mit denen von vor zehn Jahren, sind die Werte des Welthunger-Index niedriger. Aber in den vergangenen drei Jahren ist die absolute Zahl der Hungernden wieder gestiegen. Dieser Trend resultiert daraus, dass die Fortschritte, die man zur Bekämpfung des Hungers weltweit gemacht hat, in vielen Ländern stagnieren oder sogar zurückgehen. In der Zentralafrikanischen Republik oder auch dem Jemen beispielsweise steigt die Zahl der Hungernden, und beide Länder haben derzeit höhere Hungerwerte als noch im Jahr 2000. Grund hierfür sind vor allem die Zunahme bewaffneter Konflikte.

Es gibt aber auch Länder, die gute Fortschritte gemacht haben. Beispiele sind Äthiopien, Nepal und Myanmar. Deren Werte haben sich seit 2000 um 40 Prozent verbessert. Hintergrund ist: Die Länder haben lange unter Bürgerkriegen, Unruhen oder bewaffneten Konflikten gelitten und sobald diese enden, stabilisiert sich die Situation vor Ort, und die Hungerwerte verbessern sich rasant.

Nicht nur bewaffnete Konflikte sind verantwortlich

Auch wenn laut der Welthungerhilfe bewaffnete Konflikte der Hauptgrund für den Anstieg der absoluten Hunger-Zahlen sind, so ist auch die Auswirkung des Klimawandels für den negativen Trend mitverantwortlich. Die Organisation nennt hier beispielsweise die Dürre am Horn von Afrika, aber auch Zyklone in Mosambik und Malawi. Durch die Konflikte und Extrem-Wetter-Ereignisse wird es immer schwieriger, Nahrungsmittel zu produzieren. Menschen können nicht mehr ihre Felder bestellen, sie werden in die Flucht getrieben und die Preise für Nahrungsmittel steigen, denn sie werden knapper und teurer. Gerade die armen Menschen können sich so die Nahrungsmittel vor Ort nicht mehr leisten, weil ihnen das Geld fehlt.

Junge sitzt vor Schule im Sudan
Junge sitzt vor Schule im Sudan
Quelle: AP

Eine ähnliche Situation ergibt sich durch die aus dem Klimawandel resultierenden Extrem-Wetter-Ereignisse: Die Anzahl von Stürmen, Dürre und Überflutungen haben sich laut der Welthungerhilfe seit den 1990er Jahre verdoppelt und haben somit großen Auswirkungen auf die Ernährungssituation, denn Ernten werden dadurch zum Teil oder vollständig vernichtet. Zudem wirkt sich der Klimawandel auch negativ auf die Nährwerte von Nutzpflanzen aus.

Klimawandel verändert den Nährwert von Nutzpflanzen

Viele Pflanzen weisen aufgrund der höheren CO2-Konzentration in der Atmosphäre einen geringeren Mikronährstoff-Gehalt auf. Sie enthalten somit weniger Eiweiß, Zink und Eisen. Das wirkt sich am meisten auf die arme Bevölkerung aus: Weizen, Mais, Reis und Soja sind hauptsächlich davon betroffen, und das sind gleichzeitig die Hauptnahrungsmittel der ärmeren Menschen.

Weltweit sind 10,8 Prozent der Bevölkerung von Unterernährung betroffen. Es gibt aber große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern: In Haiti, Simbabwe und der Zentralafrikanischen Republik gibt es Unterernährungsraten zwischen 49 und 59 Prozent. Das ist sechsmal höher als der globale Durchschnittswert.

Kinder leiden an Auszehrung und Wachstumsverzögerung

Gerade Kinder treffen die Folgen am stärksten, denn sie sind anfällig für Unterernährung. Auszehrung und Wachstumsverzögerung sind dabei zwei Indikatoren, die von der Welthungerhilfe genutzt werden, um die Unterernährung bei Kindern zu dokumentieren.

Der kindliche Körper entwickelt sich schlecht in den ersten zwei bis fünf Jahren. Auszehrung stellt dabei ein akuter Beleg für Unterernährung dar. Es ist ein Anzeichen für Unterernährung innerhalb eines kurzen Zeitraums. Beispielsweise kann das kurz vor der Ernte auftreten. Diese Zeit wird seitens der Welthungerhilfe auch als "Hunger-Zeit" beschrieben, dann herrscht Nahrungsmittel-Knappheit. Wachstumsverzögerung ist ein Beleg für chronische Unterernährung, also wenn über den Zeitraum eines Jahres oder noch länger die Nahrungsmittel knapp sind. Die Folge: Ein Kind bleibt dann in seiner geistigen und körperlichen Entwicklung zurück - Folgen für ein ganzes Leben, wie das Erklärvideo von "logo! - die Kindernachrichten des ZDF" zeigt:

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1 min
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Unterernährung beeinträchtigt nicht nur die physische Entwicklung eines Kindes, sondern führt auch dazu, dass sich das Gehirn nicht richtig entwickelt. Das ist vor allem eine Auswirkung von nicht ausreichenden Nahrungsmitteln. Hierbei spielt nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität des Essens eine Rolle. Oft fehlen Vitamine, Mineralien und Mikronährstoffe. Wenn Kinder häufig krank werden, können sie zudem diese Nährstoffe nicht aufnehmen.

150 Millionen Kinder weltweit leiden an Wachstumsverzögerungen. Fast ein Drittel davon leben in Indien. Das ist das Land mit den meisten Wachstumsverzögerungen. Das liegt auch an der Bevölkerungsdichte des Landes mit 1,4 Milliarden Menschen. Man sieht es aber auch in vielen Ländern in Südasien, Afrika und der Sahara. In Madagaskar, Burundi und Jemen liegt die Wachstumsverzögerungsrate bei gut 50 Prozent. Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren ist mit jeweils zwölf Prozent in der Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad und Somalia am höchsten weltweit.

Ein Viertel der deutschen Weizenexporte ging 2016 nach Afrika. Auf den ersten Blick ein Beitrag gegen Hunger und Not. Aber stimmt das? Die Recherchen von "ZDFzoom" ergeben ein anderes Bild, hier zum Video:

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