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Weltklimakonferenz in Bonn - Wichtige Regeln, aber kein Paukenschlag

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Letzter Tag bei der Weltklimakonferenz. Noch wird an Texten gefeilt und über Finanzierungen verhandelt, doch für die deutsche Delegation ist der Gipfel schon jetzt ein Erfolg.

Wobei der Erfolg in Bonn für viele wohl wenig greifbar ist. Jubelbilder, wie 2015 in Paris, als das erste globale Klimaabkommen geschlossen wurde und sich Delegierte mit wässrigen Augen in den Armen lagen, wird es in Bonn wie erwartet nicht geben. "COP 23", wie der inzwischen 23. Klimagipfel offiziell heißt, ist ein Arbeitsgipfel. "Es geht um einen wichtigen Zwischenschritt bei der Umsetzung von Paris", erklärt die geschäftsführende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am Nachmittag. Die Erderwärmung, so hatte die Weltgemeinschaft 2015 beschlossen, soll auf maximal zwei Grad, besser noch 1,5 Grad begrenzt werden.

In Bonn geht heute die UN-Weltklimakonferenz zu Ende. Gastgeber sind die Fidschi-Inseln, Ort aber ist Bonn. Bis zum Schluss wird an Abschlusstexten gefeilt und über Finanzierung gestritten. Eine Bilanz!

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Ein Regelwerk

In Bonn stand die Basis für ein Regelwerk, mit dem dieses Ziel erreicht werden kann, im Mittelpunkt. Dazu gehören zum Beispiel gemeinsame Standards zum Messen des CO2-Ausstoßes. Bisher wird das sehr unterschiedlich gehandhabt, was es nahezu unmöglich macht, die Werte zu vergleichen, zu überprüfen und letztlich neue Reduktionsziele festzulegen. Dazu muss geregelt sein, dass die Werte transparent und damit nachvollziehbar ermittelt werden. Und es soll eine Berichtspflicht geben.

In diesem Punkt hat der Klimagipfel viel erreicht: "Wir haben alle Texte auf den Tisch bekommen", erklärt Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, der die deutsche Delegation leitet. Sie umfassen mehrere hundert Seiten und bilden das ab, was sich die fast 200 Staaten wünschen und worauf sie sich schon geeinigt haben. Viel Papier mit Zahlen und Fakten, die oft nur Fachleute verstehen. Jetzt müssten diese sortiert und bewertet werden, sagt Flasbarth. "Das ist überhaupt nicht trivial." Denn es ist die Basis für konkrete Beschlüsse, die 2018 beim nächsten Klimagipfel in Polen beschlossen werden sollen. Vergleichbare internationale Abkommen brauchen sonst Jahre, um auf diesen Stand zu kommen.

Streit um Finanzen

Verhandelt wird auf den letzten Metern vor allem noch über das liebe Geld. In Paris haben die Industriestaaten versprochen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar Klima-Hilfen an die ärmeren Länder zu zahlen. Die pochen nun darauf, diese Zusage transparent zu gestalten. Das heißt: Die Geberländer müssten offenlegen, wann sie was geben. Und das möglichst langfristig. Die allerdings zieren sich, weil, so Flasbarth, dies oft nicht mit den nationalen Gesetzen im Einklang sei. Der Haushalt wird in Deutschland und in vielen anderen Ländern nämlich jährlich vom Parlament verabschiedet.

Der Leiter der ZDF-Umweltredaktion Volker Angres erläutert die wichtigsten Verhandlungspunkte und zieht Bilanz.

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Aber auch, wenn das Thema am Ende des Tages auf spätere Verhandlungen vertagt werden sollte: Die deutsche Regierung als "technischer Gastgeber" (die Präsidentschaft hat Fidschi) ist zufrieden mit dem Gipfel. Denn eines sei klar geworden: "Alle arbeiten am Klimaschutz, alle wollen dabei sein. Das ist der Geist von Paris. Und in diesen zwei Wochen haben wir diesen Geist auch hier erlebt", sagt Ministerin Hendricks und verweist auf die vielen Partnerschaften und Kooperationen, die auch abseits der Verhandlungsräume in Bonn zustande gebracht wurden. Die Weltklimakonferenz war nämlich auch eine Messe der Ideen, Konzepte und Events. Auf 11.000 Delegierte kamen 9.500 sogenannte Observer, zum Beispiel Mitglieder von Forschungseinrichtungen und Umweltverbänden.

"Kein Paukenschlag"

"Die Klimakonferenz in Bonn war kein Paukenschlag, aber sie hat das geliefert, was sie liefern musste", findet Michael Schäfer vom WWF Deutschland. "Aber wir sind längst nicht am Ziel." Denn noch würden die Beiträge der Länder nicht ausreichen, um das Ziel von Paris zu erreichen. "Wir brauchen mehr Klimaschutz, und zwar von allen Ländern."

Das Urteil von Greenpeace fällt da negativer aus. Es habe an Mut gefehlt. "Die stärksten Signale dieser Klimakonferenz kamen von außerhalb der Verhandlungsräume, von der Länderallianz, die hier den Ausstieg aus der Kohle angekündigt hat", twittert die Organisation und meint damit ein internationales Bündnis unter Führung Kanadas und Großbritanniens, das sich am Rande der Konferenz gebildet hat – ohne deutsche Beteiligung. Denn noch wird ja in Berlin über eine neue Regierung verhandelt.

"Das wäre verlogen"

Die SPD-Ministerin und bekennende Gegnerin von Kohle-Strom Hendricks musste sich deshalb bedeckt halten. Sie weist allerdings darauf hin, dass das Bündnis aus Ländern bestehe, die ohnehin nur einen geringen Kohle-Anteil hätten, dafür oft mehr Kernkraftwerke. "Da müssen wir schon aufpassen, dass sich die Atomenergie nicht als Klimaschutz-Energie etablieren will." Dennoch: Das Signal aus Bonn an die Jamaika-Sondierer in Berlin sei deutlich, glauben Umweltschützer. "Den Betroffenen des Klimawandels auf der Bühne zu applaudieren und dann aber weiter ungehemmt Kohle zu verbrennen, wäre wirklich verlogen", so Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

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