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Gipfel in Bonn - Klimakonferenz: Ein Arbeitserfolg

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Immerhin: Nach langem Ringen einigen sich die Staaten auf der Bonner Klimakonferenz in Sachen Finanzhilfen für ärmere Staaten. Kein Paukenschlag, aber ein Arbeitserfolg.

Die Klimakonferenz bringt die Umsetzung des Pariser Abkommens ein gutes Stück voran.

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Eigentlich hat es ja schon Tradition, dass bei Weltklimakonferenzen auf den letzten Metern bis in die Nacht hinein verhandelt wird. Und so hatten am Freitag nur die eingefleischtesten Optimisten der Ankündigung geglaubt, dass bis zum Nachmittag alles in trockenen Tüchern sei. Gedauert hat es am Ende bis zum frühen Samstagmorgen. Schuld hatte das leidige Thema Finanzen.

Da ging es weniger um konkrete Zahlen, als um Fragen der Umsetzung. Ein Hauptstreitpunkt: Der Anpassungsfonds, aus dem schon seit zehn Jahren Geld an ärmere Länder gezahlt wird, damit die sich besser auf die Folgen des Klimawandels einstellen können - etwa mit Dämmen oder stabileren Gebäuden. Bisher war der Fonds an das auslaufende Kyoto-Protokoll gekoppelt. In Bonn haben die Staaten beschlossen, dass er künftig auch unter dem Paris-Abkommen gelten soll. Eine Bestandsgarantie also. "Wir sind erleichtert, dass die Industrieländer hier nachgegeben haben", sagt Jan Kowalzig von der Organisation Oxfam. "Der Fonds ist gerade für die ärmeren Länder sehr wichtig, um sich gegen Dürren, Überschwemmungen oder Unwetterkatastrophen zu schützen."

"Herbe Enttäuschung"

Kritik gab es allerdings daran, dass bei den Verhandlungen in Bonn noch keine konkreten längerfristigen Zusagen für die Bewältigung von Klimaschäden gemacht wurden. Dies sei vor allem für die kleinen Inselstaaten eine "herbe Enttäuschung", so die Klimaexpertin von "Brot für die Welt", Sabine Minninger. "Die ärmeren Staaten, die vom Klimawandel betroffen sind, stehen bei der Bewältigung der Schäden alleine", kritisiert auch der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Trotzdem nutzen einzelne Länder den Gipfel als Plattform für zum Teil üppige Finanzzusagen. Das deutsche Entwicklungshilfe-Ministerium kündigte rund 1,4 Milliarden Euro an Hilfen an, davon 774 Millionen als Darlehen. Das Bundesumweltministerium sagte 105,7 Millionen Euro zu, darunter 50 Millionen für den Anpassungsfonds. "Alle diese Gelder zählen zur Klimafinanzierung für 2017", teilte das Ministerium dem ZDF mit.

Regelwerk auf dem Weg

In wichtigen Punkten sei man in Bonn "ein gutes Stück vorangekommen", bilanziert der deutsche Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth am frühen Morgen. Der Klimagipfel hat vor allem die Basis gelegt für ein Regelwerk, mit dem die 2015 beschlossenen Klimaziele von Paris erreicht werden sollen - also vor allem die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad. Es umfasst mehrere hundert Seiten, in denen die Länder ihre Wünsche festgeschrieben haben und die Punkte, worauf sie sich schon geeinigt haben. Das betrifft zum Beispiel gemeinsame Standards zum Messen des CO2-Ausstoßes. Nur mit ihrer Hilfe sind die Werte vergleichbar und überprüfbar.

Das klingt banal, ist aber wichtig, um Erfolge und vor allem weitere Ziele festzulegen. "Bei fast 200 Ländern dieser Welt haben vielleicht 150 noch nie einen Klimaschutz-Plan gemacht", hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erklärt. "Das ist neu. Dabei müssen wir helfen." Das Regelwerk soll nun sortiert und verfeinert werden, damit es 2018 beim nächsten Klimagipfel im polnischen Kattowitz endgültig verabschiedet werden kann. Damit seien die Staaten genau im Zeitplan, so Flasbarth.

Auf einen Blick: Die Ergebnisse der Klimakonferenz

Talanoa: Wissen austauschen

Um die Fortschritte im Klimaschutz geht es auch im so genannten Talanoa-Dialog - das Wort bedeutet auf Fidschi eine Versammlung, in der Wissen ausgetauscht und Vertrauen aufgebaut wird, um weise Entscheidungen zu treffen. Fidschi hatte in Bonn die Präsidentschaft, Deutschland war technischer Gastgeber. Im Abkommen von Paris verpflichten sich die Regierungen nun, alle fünf Jahre Bilanz zu ziehen und ihre Ambitionen nach oben zu schrauben. Denn längst ist klar: Damit das in Paris gesetzte Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, erfüllt werden kann, reichen die bisherigen Anstrengungen nicht aus. Der Talanoa-Dialog wurde in Bonn nun auf den Weg gebracht.

Erstmals sollen die Länder beim Gipfel in Polen die Karten auf den Tisch legen. "Der Talanoa-Dialog wird im nächsten Jahr eine Bestandsaufnahme bringen: Wie groß ist die Lücke, um Paris Wirklichkeit werden zu lassen? Und was muss geschehen, um sie zu schließen?", sagt Michael Schäfer vom WWF.

Gemischte Bilanz

Auf weniger Beachtung sind dagegen wohl diese beiden Einigungen gestoßen: Der Gender-Aktionsplan sieht vor, dass im Klimasekretariat, in Delegationen und bei Projekten mehr Frauen mitarbeiten sollen. Das klingt nach Selbstverständlichkeit, ist aber für einige Regionen dieser Welt ein Durchbruch. Außerdem sollen indigene Völker künftig stärker in die Verhandlungen mit einbezogen werden. Oft sind nämlich sie es, die unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben.

Die Bilanz der Beobachter: Gemischt. Eine "Konferenz der Trippelschritte" nennt sie der BUND, von "wichtigen Beschlüssen", spricht dagegen Germanwatch. "Die Klimakonferenz in Bonn war kein Paukenschlag, aber sie hat das geliefert, was sie liefern musste", findet Michael Schäfer vom WWF. Greenpeace bemängelt dagegen fehlenden Mut. Kritik, die die deutsche Delegation nicht gelten lässt. Die Konferenz habe erreicht, was sie erreichen sollte. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass dieser Gipfel den nächsten in Polen brauche. "Wir sind mitten im Umsetzungsprozess des Pariser Abkommens", erklärt Staatssekretär Flasbarth.

Unauffällige Amerikaner

Und die US-Delegation? Hat nicht weiter gestört. Präsident Trump hatte im Sommer den Ausstieg aus dem Abkommen von Paris verkündet. In den Verhandlungsräumen allerdings sei seine Delegation zurückhaltend, aber konstruktiv gewesen, erinnert sich Umweltministerin Hendricks. "Mehr konnte man nicht erwarten." Die große Bühne hatten ohnehin die Trump-Gegner.

Unter Führung des kalifornischen Gouverneurs Jerry Brown veranstalteten sie am Rande der Bonner Konferenz einen inoffiziellen Nebengipfel und machten damit klar, dass ein großer Teil Amerikas an den Zielen von Paris festhalte. Unter den Gästen: Arnold Schwarzenegger, der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg und Friedensnobelpreisträger Al Gore. Trumps Anhänger wurden in Bonn nur einmal auffällig, als sie auf einer Nebenveranstaltung für "saubere Kohle-Energie" warben - unter den scharfen Protesten von Umweltschützern.

In Bonn geht heute die UN-Weltklimakonferenz zu Ende. Bis zum Schluss wird an Abschlusstexten gefeilt und über Finanzierung gestritten. Eine Bilanz

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