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Weltkrebstag - Bluttest zur Krebs-Früherkennung entwickelt

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Brustkrebs bei Frauen ist immer noch weit verbreitet. Wichtig ist eine frühe Diagnose. Dabei könnten in Zukunft neuartige Bluttests helfen.

Therapie bei Brustkrebs
Quelle: imago/MITO

Mammographie, Utraschall, MRT - all diese Bildgebenden Verfahren eignen sich zur Früherkennung von Brustkrebs. Es ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Eine von acht Frauen in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Vor diesem Hintergrund ist unbestritten, dass gute Früherkennungsmethoden wichtig sind. Immer öfter ist jetzt von neuen Tests die Rede, mit denen es möglich sein soll, das Risiko für Krebs frühzeitig über das Blut zu bestimmen.

Das "Angelina-Jolie-Screening"

Einer davon ist das sogenannte "Angelina-Jolie-Screening". Dahinter verbirgt sich ein Test, der Risiko-Gene von Brust- und Eierstockkrebs erkennen soll. Zumindest für erblich bedingten Brustkrebs soll er so das Erkrankungsrisiko vorhersagen.

Bislang konnten Gentests die beiden häufigsten Brustkrebs-Gene BRCA1 und BRCA2 nachweisen - bekannt geworden sind sie durch die US-Schauspielerin Angelina Jolie. Ihre Mutter war mit Ende 50 nach langem Kampf an Brustkrebs gestorben, Angelina Jolie selbst hatte dadurch ein 87-prozentig höheres Risiko für Brustkrebs. Als der Test ein Risikogen nachwies, ließ sie sich vorsorglich beide Brüste und die Eierstöcke entfernen.

Noch einen Schritt weiter

Nun geht die Forschung noch einen Schritt weiter: Der neue Test soll insgesamt sechs verschiedene Risikogene für Brust- und Eierstockkrebs aufzeigen. So könnte man zukünftig Frauen mit 30 bereits auf Risikogene testen, anstatt sie mit 50 erst zur Mammographie zu schicken. Den Krebs also bereits entdecken, bevor er überhaupt gefährlich werden kann? Die britischen Forscher und Entwickler dieses Tests haben viele Vorteile dargelegt.

Um Krebs erfolgreich behandeln zu können, ist eine möglichst frühe Erkennung der Erkrankung notwendig. US-Forscher haben dafür einen vielversprechenden Test entwickelt.

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Aus gesellschaftlicher Sicht wäre der Nutzen groß, da gerade bei jungen Frauen der Krebs oft sehr aggressiv auftritt. Aus ethischer Sicht sind Bluttests jedoch auch kritisch zu sehen. Zum einen sind auch sie nicht 100-prozentig sicher, so dass die Belastung durch falsch-positive oder falsch-negative Befunde besteht. Bei Bluttests ist das sogar noch gefährlicher, denn hier müssen Frauen über eventuelle Therapien entscheiden, ohne, dass Tumore vorliegen. Im schlimmsten Fall lässt sich so vielleicht eine Frau Brüste und Eierstöcke entfernen, die niemals krank geworden wäre.

Früherkennung mit bildgebenden Verfahren

Neuer Test soll sogar acht Krebsarten erkennen

Noch andere Wege gehen Wissenschaftler in Baltimore. Statt der aufwändigen und schmerzhaften Biopsie arbeiten sie mit der neuartigen Technik der "Flüssigbiopsie" (Liquid Biopsy). Der daraus entwickelte Test namens "CancerSEEK" soll acht häufige Krebsarten mit nur einer Blutprobe frühzeitig entdecken können: Lungenkrebs, Darmkrebs, Brustkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Speiseröhren-, Leber- und Eierstockkrebs.

Zur Entwicklung dieses Testverfahrens haben die Forscher bei Krebspatienten eine Kombination aus im Blut zirkulierenden Tumorproteinen und Erbmaterial der Tumore (ctDNA) analysiert und interpretiert. Der Test soll dabei nicht nur auf das reine Aufspüren der Tumore mit hoher Genauigkeit begrenzt sein. Auch Rückschlüsse auf deren Ort im Körper (Eierstock, Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Dick- und Enddarm, Lunge oder Brust) soll der Bluttest zulassen.

Ergebnisse der Studie stimmen optimistisch

An der Studie, die im Fachjournal Science veröffentlicht wurde, nahmen 1.817 Menschen teil. Rund 1.000 von ihnen waren bereits an Krebs erkrankt, die weiteren Probanden waren gesund. Bei durchschnittlich 70 Prozent der Fälle lieferte der Test ein richtiges Ergebnis. Die größte Trefferquote hatte er bei Eierstockkrebs mit 98 Prozent und bei Leberkrebs. Wesentlich schlechter wurde Brustkrebs im Frühstadium erkannt, hier waren es nur 33 Prozent.

Der neue Test soll eine vereinfachte Frühdiagnose ermöglichten. Doch wäre er tatsächlich eine Alternative zu gängigen Methoden? Und ab wann können Ärzte mit ihm arbeiten? "Die diagnostische Aussagekraft ist - global über viele Krebsarten gesehen - derzeit für die klinische Praxis zu niedrig", so Prof. Dr. Holger Sültmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. "Sollten sich die Ergebnisse der Analyse in weiteren unabhängigen Studien verifizieren lassen, so könnte eine frühere Erkennung bestimmter Tumorarten - zum Beispiel Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs; Anm. d. Red.) und Leberkrebs - wahrscheinlicher werden."

Breite Anwendung noch kritisch

Experten befürchten außerdem, dass es bei einer breiten Anwendung des Tests jenseits der Studie häufiger zu falschen positiven Ergebnissen kommen kann. Denn an der Studie hatten keine Testpersonen mit chronischen Erkrankungen teilgenommen. Eines der Eiweiße, die der Test aufspürt, kommt aber oft im Blut von Patienten mit entzündlichen Erkrankungen vor. Diese Menschen müssten nach dem Test unter Umständen überflüssige Nachfolgeuntersuchungen über sich ergehen lassen, weil der Test ihnen ein falsch positives Ergebnis anzeigt.

Vor einem praktischen Einsatz sind daher zunächst weitere klinische Studien nötig, um die Wirksamkeit der Methode an symptomfreien Probanden zu belegen.

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