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Modell in Bremen vorgestellt - Forscher planen Gewächshaus auf dem Mond

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Seit 2018 testen Wissenschaftler am Südpol erfolgreich den Gemüseanbau unter Extrembedingungen. Jetzt haben Bremer Forscher ein Gewächshaus-Modell für den Weltraum vorgestellt.

Raumfahrtingenieur Paul Zabel erntet in einem speziellen Gewächshaus in der antarktis Tomaten, aufgenommen am 23.08.2019
Auf einer Anbaufläche von 12,5 Quadratmetern wurden binnen neun Monaten knapp 270 Kilo Gemüse erzeugt.
Quelle: dpa

Nach einem einjährigen Garten-Experiment Eden-ISS in der Antarktis haben deutsche Forscher ein Gewächshaus-Modell für den Weltraum erarbeitet. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) präsentierte das Konzept in einer Animation jetzt in Bremen.

Das Weltraumgewächshaus besteht aus einem Modul, das auf eine Falcon-9-Trägerrakete passt, wie Eden-ISS-Projektleiter Daniel Schubert sagte. Er kündigte an, dass das DLR in fünf Jahren in Bremen einen ersten Prototyp präsentieren werde.

90 Kilogramm Nahrung pro Monat

Laut DLR würde sich die Hightech-Anlage nach der Landung entfalten und hätte dann eine Anbaufläche von rund 30 Quadratmetern für Obst und Gemüse in einem völlig geschlossenen System. Sie könnte rund 90 Kilo Nahrung pro Monat liefern.

Ein Hightech-Biofiltersystem könnte dabei aus Bioabfällen und dem Urin der Astronauten sogar eine Düngerlösung produzieren, die die Pflanzenzucht antreibt. Auf diese Weise entstünde dann ein "fast vollständig bio-regeneratives Lebenserhaltungssystem", so die Pläne der Forscher.

Ein Mitarbeiter der Eden Initiative schaut sich auf Bildschirmen ein Gewächshaus in der Antarktis an, aufgenommen am 23.08.2019 in Bremen
Im Kontrollraum in Bremen können die Wissenschaftler die Ernte im Gewächshaus beobachten.
Quelle: dpa

Forscher stützen sich auf Südpol-Erfahrungen

Die Experten stützen sich auf ihre Erfahrungen mit einem einjährigen Testlauf des sogenannten Eden-ISS-Gewächshauses am Südpol. Der Container wurde neben der Polarforschungsstation Neumayer III am Südpol errichtet und versorgte die dort überwinternde Crew mit Frischgemüse und Kräutern. Das Eden-ISS-Projekt zielt auf die Entwicklung von Anbausystemen für Nutzpflanzen auf langen Weltraummissionen.

Das DLR und das ebenfalls beteiligte Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung (AWI) spekulieren aber auch auf Einsätze auf der Erde, etwa in sehr lebensfeindlichen Gegenden wie Wüsten und arktischen Regionen. Denkbar sei zunächst auch ein ganz praktischer Einsatz - etwa an Bord des AWI-Eisbrechers "Polarstern" auf dessen Expeditionen, erläuterten die Forscher.

In dem Eden-ISS-Gewächshaus züchten DLR- und AWI-Forscher Pflanzen bei Kunstlicht ohne Erde, indem sie mit einer Nährlösung besprüht werden. Auf diese Weise ist das System von der Außenwelt unabhängig. Der Gewächshauscontainer steht nach wie vor an der AWI-Station Neumeyer III und wird derzeit für eine weitere Anbausaison vorbereitet. Die US-Weltraumbehörde Nasa schickte laut DLR Salatsamen, die auf der Weltraumstation ISS zum Einsatz kommen.

270 Kilo Gemüse in neun Monaten erzeugt

Durch die neuen Tests sollen zusätzliche Erfahrungen gewonnen werden, etwa mit Blick auf die ferngesteuerte Kontrolle von Bremen aus. Auf einer Anbaufläche von 12,5 Quadratmetern hatte Eden-ISS im vorigen Jahr binnen neun Monaten knapp 270 Kilo Salat, Tomaten, Gurken, Radieschen, Kohlrabi und Kräuter erzeugt. DLR und AWI zeigten sich danach hochzufrieden. Unter anderem hoben sie auch die positiven psychologischen Auswirkungen auf die Crew hervor.

Eine weitere Erkenntnis aus der Probesaison: Der Energieverbrauch des Moduls war deutlich niedriger, als für Gewächshäuser für Weltraummissionen bislang angenommen wurde. "Dies ist ein wichtiger Aspekt für einen späteren Weltraumbetrieb und lässt uns zuversichtlich in die Zukunft dieser Idee schauen", erklärte Projektleiter Daniel Schubert.

Zugleich gibt es nach den Angaben des DLR aber auch noch Schwachstellen im Konzept. So ist der Zeitbedarf für Wartung und Betrieb derzeit zu hoch. Drei bis vier Stunden waren dafür bei Eden-ISS in der Antarktis im vergangenen Jahr nötig. "Für ein zukünftiges Weltraumgewächshaus muss der Aufwand wertvoller Astronautenzeit noch deutlich reduziert werden", sagt DLR-Experte Paul Zabel, der das Gewächshaus betreut hatte.

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