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Luxemburgs Weltraumgesetz - Wie Fischen im Weltall

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Rohstoffe auf der Erde sind hart umkämpft. Also: Auf zu neuen Welten - zumindest in Luxemburg. Ab heute gilt hier das Weltraumgesetz mit einer Garantie für alle Firmen, die ihren Sitz im Großherzogtum haben: Ihnen gehört alles, was sie ab heute im Weltall abbauen.

Luxemburg hat als erstes europäisches Land ein Gesetz erlassen, dass die Nutzung von Weltraum-Ressourcen regeln soll. Nach den USA ist das kleine Fürstentum damit der zweite Staat, der in Sachen Weltraum-Bergbau Gesetzte erlassen hat. Wie realistisch ist …

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Die Zukunft liegt an den Ufern eines Bachlaufes - zumindest wenn man Etienne Schneider glaubt. Schneider ist luxemburgischer Wirtschaftsminister und spätestens seit Februar 2016 Luxemburgs Mann für gewagte Visionen. Damals brachte Schneider eigens den ehemaligen Direktor der europäischen Raumfahrtbehörde ESA mit zur Pressekonferenz, um mit wissenschaftlicher Rückendeckung den großen Plan zu verkünden: Luxemburg soll Europas Zentrum für Bergbau im Weltall werden.

Bergbau im Weltall? Das sei auch nicht viel anders als das Fischen in internationalen Gewässern, erklärte Schneider der staunenden Presse. Dass er nicht gleich als Spinner verlacht wurde, verdankt Schneider auch der eigenen Vorarbeit: Gespräche mit der NASA seit 2013, ein internationaler Workshop in Luxemburg mit Forschern und führenden Weltraum-Unternehmen und viele Diskussionen mit jenen, für die der Weltraum mehr ist als der Traum von unendlichen Weiten.

Realistisch, aber teuer

"Bergbau im Weltall ist durchaus realistisch", erklärt Bernd Hufenbach vom Forschungszentrum ESTEC, das zur europäischen Raumfahrtbehörde ESA gehört. Hufenbach befasst sich hauptberuflich mit Strategien zur Erschließung von Rohstoffen im Weltraum. "Es geht in erster Linie darum, Ressourcen zu nutzen, um zukünftige Missionen im All zu ermöglichen und vielleicht langfristig auch Ressourcen zur Erde zurückzuführen."

Das Ziel: seltene Erden, Gase oder Wasser auf fremden Himmelskörpern erschließen und nutzen. Der Weg dahin: steinig und vor allem teuer. Zwar häufen sich Meldungen über bahnbrechende Missionen: Landung auf einem Asteroiden, Rücktransport von Weltraum-Proben auf die Erde - alles schon erledigt. Allerdings zu astronomischen Preisen: "Heute kostet es mehr als 60.000 Euro, um ein Kilogramm in den erdnahen Orbit zu befördern, eine Million, um ein Kilogramm auf den Mond zu befördern und wesentlich mehr, um das auf den Mars zu befördern", erklärt Hufenbach. "Wenn man nachhaltig Operationen im Weltall ermöglichen will, muss man lokale Ressourcen nutzen."

Investoren wittern dicke Gewinne

Auch deshalb setzt die ESA, genau wie die NASA, zunehmend auf neue Geschäftsmodelle. Nicht mehr im Alleingang, sondern zusammen mit der Privatwirtschaft wollen die Raumfahrtagenturen das Weltall erobern. Längst haben Unternehmen wie Space X von Tesla-Pionier Elon Musk bewiesen, dass sie den Sprung ins Weltall beherrschen. Und erst kürzlich empfahl der Investmentriese Goldman Sachs seinen risikofreudigen Anlegern die "New Space Economy" als nächstes heißes Ding: eine Multi-Billionen-Dollar-Industrie mit galaktischen Gewinnmöglichkeiten. "Wir haben das Gefühl, dass es im Weltraum eine Menge Investitionsmöglichkeiten gibt", erklärt Noah Poponak, Raumfahrt-Experte bei Goldman Sachs im Podcast. Und in einem Schreiben an Investoren soll er, laut einem Medienbericht, von gigantischen Gewinnspannen geschwärmt haben: "Ein einzelner Asteroid von der Größe eines Football-Feldes könnte Platin im Wert von 26 bis 50 Milliarden Dollar enthalten."

Im Grunde wie Fischfang im Ozean

Derartige Prognosen befeuern das Geschäft. Zwar schätzen Experten, dass die Menschheit frühestens in 20 Jahren so weit ist, die ersten Schritte im Weltraum-Bergbau zu machen. Doch die Wirtschaft ist schon jetzt auf dem Sprung: "Die technologischen Entwicklungen beginnen jetzt", beobachtet Bernd Hufenbach vom ESTEC. "Diese Firmen investieren heute in neue Technologien und Anwendungen, die nötig sind, um solche Missionskonzepte langfristig zu ermöglichen."

Genau diesen Unternehmern rollt Luxemburg nun den roten Teppich aus. Das Land fördert seit Jahren Weltraumunternehmen und deren Zulieferer. Nun kommt ein weiterer Anreiz hinzu: Ab heute gilt im Großherzogtum ein neues Gesetz, dass den Bergbau im Weltraum regelt. Wer künftig seinen Firmensitz in Luxemburg hat, darf Rohstoffe, die er auf Mond, Mars oder anderswo jenseits der Erde abbaut, als sein Eigentum ansehen. Nicht geregelt wird damit das Eigentum an den Himmelskörpern selber. "Fischer fangen ja auch Fisch, ohne dass ihnen der Ozean gehört", greift Luxemburgs Wirtschaftsminister Schneider seinen Vergleich von Fisch und Weltraum noch einmal auf. Angeln will er sich mit seiner Initiative alle, die die Ausbeutung der Weltraum-Ressourcen voranbringen können.

Ein kleiner Schritt für Luxemburg, ...

Luxemburg-Stadt, dieser malerische Ort über den Ufern des Petruss-Bachlaufs, als Basis für den Griff nach fernen Ressourcen - das habe auch ihn zunächst gewundert, ließ Jean-Jaques Dordain, ESA-Direktor außer Dienst, auf der gemeinsamen Pressekonferenz wissen. Doch die Zeit sei reif für eine Idee wie diese. "Wenn sie jedes Kilogramm Wasser, jedes Kilo Treibstoff, jedes Kilo Nahrung oder Astronauten in den Weltraum bringen müssen, werden sie nicht weit kommen", sagt er. "Das heißt, die einzige Chance, unser Sonnensystem zu erkunden liegt in der Nutzung der Weltraumressourcen."

Und so kommt es, das Luxemburgs neues Weltraum-Gesetz zwar wirkt, wie die Randnotiz eines Jules Verne Romans, aber dennoch mehr sein könnte, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. "Luxemburg tut hier in erster Linie etwas für seine Wirtschaft", sinniert ESTEC-Forscher Hufenbach, "aber langfristig tut es etwas für die ganze Menschheit."

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